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G20 wegen China-Flaute nicht alarmiert

G20 Politiker beim Gruppenfoto Salzburg24
G20 Politiker beim Gruppenfoto

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) sind trotz des Wirtschaftsabschwungs in China und der Börsenturbulenzen nicht in Alarmstimmung. Zwar räumen sie ein, dass das globale Wachstum hinter den Erwartungen bleibe. Nach zweitägigen Beratungen in Ankara bekräftigten die G20-Finanzminister und -Notenbankchefs aber zuversichtlich bezüglich einer Erholung der Weltwirtschaft zu sein.

In der am Samstag verabschiedeten Erklärung verpflichteten sich die G20 zugleich, "entschiedene Maßnahmen zu ergreifen", um die wirtschaftliche Erholung auf Kurs zu halten. Auch der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie der Deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann halten die Lage für beherrschbar. Die "gewisse Abschwächung" der Weltwirtschaft sei kein Grund, "jetzt mit großer Nervosität die Dinge zu betrachten", sagte Schäuble. Laut Weidmann gibt es auch für die "robuste" deutsche Wirtschaft keinen Grund zur Schwarzmalerei.

IWF-Chefin Christine Lagarde sprach von Unsicherheiten für die Weltwirtschaft. Abwärtsrisiken hätten sich erhöht. Die die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) forderte die G20 auf, die angekündigten Wachstumsstrategien auch umzusetzen.

Nach der jahrelangen Politik des extrem billigen Geldes steuern die Top-Wirtschaftsmächte auf ein Ende der Niedrigzinspolitik zu. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass im Einklang mit verbesserten Wirtschaftsaussichten eine straffere Geldpolitik in einigen Industrieländern wahrscheinlicher wird." Betont wird, dass Geldpolitik allein nicht für ausgewogenes Wachstum sorgen könne. Über diese Formulierung stritten die G20 bis zuletzt.

Die Konjunkturabkühlung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt war das beherrschende Thema in Ankara. Offene Kritik an China unterließen die G20 in den Sitzungen jedoch. 

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde und die Weltwirtschaft seien widerstandsfähig, um diese "leichte Eintrübung zu meistern", sagte Schäuble. Die Chinesen hätten schon vor geraumer Zeit darauf verwiesen, dass die früheren hohen Wachstumszahlen eher auf Raten zwischen 6,5 und 7,0 Prozent einschwenken würden: "Das erreichen sie auch, nach allem, was man weiß." 

Weidmann zufolge wird schon länger eine Anpassung der chinesischen Wirtschaft zu einem ausgewogeneren Wachstumspfad beobachtet. Der Kursrutsch an den chinesischen Börsen sei eine Korrektur früherer Übertreibungen. Die Auswirkungen dürften begrenzt sein.

Ohne China zu nennen, warnen die G20 vor einem Währungskrieg: "Wir werden Abwertungswettläufe unterlassen und allen Formen des Protektionismus widerstehen." Angemahnt wird eine Wechselkurspolitik, die den ökonomischen Daten entspricht. 

Aus Sicht Schäubles nähert sich China dem Ziel, dass der Yuan in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgenommen wird und zur globalen Reservewährung aufsteigt: "Das ist noch nicht so weit, die Voraussetzungen sind noch nicht geschaffen. Aber es geht in die Richtung."

Ein Zeitpunkt für die in Aussicht gestellte Zinswende in den USA wird in der G20-Erklärung nicht genannt. Um negative Auswirkungen - insbesondere auf Schwellenländer - zu vermeiden, kündigten die G20 ein "sorgfältiges Vorgehen mit klarer Kommunikation" über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik an. Vor allem aufstrebende Schwellenländer fürchten negative Folgen wie einen massiven Kapitalabfluss, wenn die USA die Leitzinsen anheben.  

Mit Blick auf weitere Auflagen für Finanzinstitute erteilten Schäuble als auch Weidmann Forderungen der Banken nach einer Regulierungspause eine Absage. "Wir können den Banken nicht versprechen, dass es ein Ende der Regulierung gibt", sagte Schäuble. "Wir sind lange nicht am Ende." Weidmann betonte, die bisherige Vorgaben seien noch nicht voll abgearbeitet. Zudem entstünden immer neue Produkte, auf die reagiert werden müssen.

Im Ringen um mehr Investitionen loten die G20 - wie schon im Februar angekündigt - weiter Chancen des islamischen Finanzwesens aus. Dessen Bedeutung für die globale Wirtschaft nehme zu, bekräftigte Schäuble: "Wir alle haben ein besseres Verständnis über Risiken und Rolle der islamischen Finanzwesens." Dieses verbietet unter Bezug auf das Zinsverbot des Propheten Mohammed Zinsen, erlaubt aber die Vergabe bestimmter Sachmittelkredite.

(Quelle: S24)

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