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Goldrausch um Nazi-Zug fordert erstes Todesopfer

Der Fund eines Nazi-Zuges in Polen rief zahlreiche Schatzsucher auf den Plan. Sie überschwemmten die Gegend rund um Walbrzych, nachdem ein Zug mit geraubten Nazi-Schätzen dort gefunden worden sein soll. Nun stürzte ein 39-Jähriger in den Tod, als er ein Grab, das er voller Gold glaubte, plündern wollte. Indes wurden auch Zweifel am Fund des Zuges laut.

 

Der mysteriöse Fund begeistert Schatzsucher und Verschwörungstheoretiker gleichermaßen: In einem Schacht 50 Meter unter der Erde der polnischen Kleinstadt Walbrzych soll ein deutscher Zug aus dem Zweiten Weltkrieg liegen - beladen mit Raubgold der Nazis, wie Gerüchte besagen. Mit einem Bodenradar wollen die beiden angeblichen Entdecker die Sensation aufgespürt haben. Daraufhin brach in der Gegend rund um Walbrzych ein Goldrausch aus. Polizei und Militär mussten einschreiten, um das Gebiet abzuriegeln. Nun hat die Manie der Schatzsucher ein erstes Todesopfer gefordert. Ein 39-Jähriger stürzte in den Tod, als er in der Gegend ein Grab plündern wollte, berichtete Daily Mail.

Mann will "Goldgrab" plündern: Tot

Der Mann öffnete in der Nacht gemeinsam mit zwei Freunden in Swiebodzice das Grab einer deutschen Familie. Dort, ganz in der Nähe des vermeintlichen Fundortes des Nazi-Zuges in Walbrzych, hofften sie einen Nazi-Schatz zu finden. Aber nachdem sie das Grab geöffnet hatten, fiel der 39-Jährige mehrere Meter in die Tiefe. Seine Kollegen konnten ihm nicht mehr helfen und meldeten den Vorfall sofort der Polizei. Sie wurden verhaftet.

In der Gegend gibt es schon entsprechende Souvenirs zu kaufen./APA/epa/KULCZYNSKI Salzburg24
In der Gegend gibt es schon entsprechende Souvenirs zu kaufen./APA/epa/KULCZYNSKI

Goldrausch rund um Walbrzych

„Offenbar waren die Männer von den ganzen Geschichten um deutsche Schätze in und um Walbrzych inspiriert und dachten, sie würden ein Grab voller Gold finden“, sagte Friedhofs-Chef Boguslaw Krzystofowicz laut lokalen Medien. „Viele Leute wurden von einem Goldrausch in die Gegend getrieben, nachdem bekannt gegeben wurde, dass hier in der Nähe ein Goldzug gefunden wurde. Sie waren überzeugt, etwas in dem Grab zu finden“, so Krzystofowicz weiter. Das Grab soll zu der deutschen Familie Kramsta gehört haben, die vor dem Krieg Kleidung rund um den Globus exportiert hat.

Die Gegend rund um den Fundort des Zuges in Walbrzych wurde vergangene Woche abgeriegelt. Die Polizei stellt Strafen für das Betreten der Sperrzone aus.

Zweifel am Nazi-Zug-Fund

Doch Wissenschafter sind skeptisch, dass Radar in solchen Tiefen überhaupt funktioniert. Und dass es sich um einen Zug handelt, wäre damit wohl auch nicht zu erkennen. Bodenradare schicken Signale in die Erde, wo diese reflektiert und von einer Antenne an dem Gerät wieder empfangen werden. Dadurch können sich Experten ein Bild von den Strukturen im Untergrund machen. Wie gut das funktioniert, hängt von der Bodenbeschaffenheit ab. "Ein normales Radar kommt in zehn, 20 und in sehr günstigen Fällen in 30 Meter Tiefe. Dann ist Schluss", weiß der Geophysiker Kord Ernstson aus eigener Erfahrung. Er bietet mit seinem Büro in der Nähe von Würzburg geophysikalische Messungen und Gutachten an. Das Radarbild aus Walbrzych hält er deshalb nicht für glaubhaft.

Radarbild kann Gold-Zug-Existenz nicht beweisen

Auf ihrer Homepage präsentieren die beiden angeblichen Entdecker Piotr Koper und Andreas Richter eine Aufnahme aus 50 Metern Tiefe, die den Zug in dem Schacht zeigen soll. "Das ist grundsätzlich möglich", sagte Volker Gundelach von der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. "Trockene sandige Böden lassen solche Tiefen zu, gering leitfähige Gesteine wie trockener Granit oder Kalkstein auch. Doch in den meisten Fällen ist es unwahrscheinlich, dass man solche Tiefen erreicht." Zum Vergleich: Bei einem bewirtschafteten Acker seien nicht mehr als zehn Meter möglich.

Die Existenz eines verborgenen Tunnels unter der niederschlesischen Bergbaustadt Walbrzych oder des sagenumwobenen "Gold-Zugs" kann ein Radarbild so oder so nicht beweisen. "Man bekommt nur Strukturen angezeigt, die einem überhaupt nicht sagen, was da unten ist", erläuterte Ernstson. "Es gehört eine ungeheure Erfahrung dazu, Radardaten auszuwerten und zu interpretieren." Das Ganze erinnere ihn sehr an die Suche nach dem legendären Bernsteinzimmer. "Da sind schon so viele mit irgendwelchen Messgeräten unterwegs gewesen und haben angeblich Unglaubliches entdeckt." Nur das Bernsteinzimmer eben nicht.

Ist Goldzug eine Fotomontage?

Auch ein polnischer Experte hatte bereits an der Aufnahme von Koper und Richter gezweifelt. Seiner Ansicht nach handelt es sich um eine Fotomontage. Inzwischen sind die beiden Männer zurückgerudert. Die Aufnahme sei nur ein Beispielbild, das die Medien überinterpretiert hätten, schrieben sie in einer Stellungnahme. Ihren Fund hatten sie Mitte August bei den Behörden angemeldet und Finderlohn gefordert. Prompt brach in Walbrzych das Schatzfieber aus: Trophäenjäger und Journalisten aus ganz Europa stiegen durch die Stollen unter der Stadt.

Doch was ist überhaupt an dem Gerücht dran, die Nazis hätten irgendwo einen gepanzerten Zug mit dem "Schatz des Dritten Reiches" versteckt? "Es gibt seit Jahren Spekulationen über einen Nazi-Schatz, der immer wieder woanders verortet wird", sagte der Historiker Arnd Bauerkämper von der Freien Universität Berlin. Bekannt ist, dass die Nazis nach 1945 viele wertvolle Gegenstände per Zug, Lastwagen oder Flugzeug transportierten, um sie vor den Alliierten in Sicherheit zu bringen. Schlesien galt außerdem lange als Rückzugsbastion. Trotzdem hält der Experte für Nationalsozialismus die Geschichte für reine Spekulation. "Ich glaube das erst, wenn ich konkrete Belege sehe."

Bis die vorliegen, wird es wohl noch dauern. Jetzt soll das Militär das Gelände mit Bodenradar untersuchen. Doch vorher sollen die örtlichen Behörden es erst noch von Müll, Unterholz und Baumresten befreien lassen. Doch um wirkliche Gewissheit zu haben, bleibt am Ende wohl nur eins übrig, meint der Geophysiker Ernstson: "Man müsste schon graben, bohren oder den Stolleneingang finden."

(SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 22.11.2018 um 11:21 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/goldrausch-um-nazi-zug-fordert-erstes-todesopfer-48402028

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