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Haider beeinflusste laut U-Ausschuss-Zeugen Hypo "ultimativ"

Wirtschaftsprüfer Kandler als Zeuge Salzburg24
Wirtschaftsprüfer Kandler als Zeuge

Der frühere Deloitte-Wirtschaftsprüfer Erich Kandler, inzwischen selbstständiger Wirtschaftsprüfer, ist am Donnerstag die erste Auskunftsperson im Hypo-Untersuchungsausschuss gewesen. Dabei wollte er "hier und heute wirklich einen Beitrag zur Aufklärung der Hypo-Misere leisten". So gab er zu Protokoll, dass Landeshauptmann Jörg Haider "die Entwicklung der Hypo-Gruppe ultimativ beeinflusst" hat.

Allgemein merkte Kandler zur Hypo so einiges an - aus rechtlicher, wirtschaftlicher und auch politischer, wenn auch nicht parteipolitischer Sicht. So stehe die zivil- und bankrechtliche Verantwortung für die Hypo und ihre Organe von 2000 bis 2009 über allen politischen Verantwortungen. Die Landespolitik und insbesondere Landeshauptmann Haider habe "die Entwicklung der Hypo-Gruppe aber ultimativ beeinflusst", so Kandler. Die Aufsicht sei ursprünglich auch "gegen Haider und die sonstige Politik im Wesentlichen waffen- und chancenlos" gewesen. "Welcher Hund beißt sein Herrl, noch dazu sein einziges Herrl?", fragte Kandler.

Die Verluste bis 2009 hätten auch einen kriminellen Hintergrund. Die Landeshaftungen hätten für einen Verkaufsdruck gesorgt, der ein gutes Verhandlungsergebnis zu den Haftungen 2007 - als das Umfeld noch ein ganz anderes, nach dem Motto "alles geht" gewesen sei, "besonders bei der Hypo" - tendenziell erschwert hätten. Die BayernLB hätte aber quasi auch alles akzeptiert. "Denkbar ist, dass der Zwischenschritt via Tilo Berlin schon der BayernLB zuzurechnen war." Ende 2008 schon dürften die Bayern schon wieder ihren Ausstieg relativ konkret skizziert haben. Auch die Bestellung des Kurzzeit-Hypo-Chefs Franz Pinkl "spricht Bände", sagte Kandler.

Kandler sagte auch aus, dass sich der Verdacht auf vermutete Kick-back-Zahlungen in der Causa der kroatischen Hendlfarm Puris an Ex-Bankchef Wolfgang Kulterer bei näherer Untersuchung nicht erhärtet habe. Ähnlich hatte zuletzt die Nationalbank, die über den Verdacht über Kandler informiert war, argumentiert.

Kulterer habe Treuhandschaften, nachdem der Verdacht 2007 aufgekommen war, auf konkrete Nachfragen auch abgestritten, so Kandler. Erst 2014 in einem BKA-Bericht findet sich dann der konkrete Hinweis "auf doch bestehende Treuhandschaften" Kulterers, die man ursprünglich nicht erkennen habe können.

Das Telefonat 2007 mit dem damaligen Notenbank-Abteilungsleiter Helmut Ettl (nunmehr FMA-Vorstand) sei vom Schwerpunkt her ein etwas anderes gewesen, als bisher über den U-Ausschuss kolportiert, meinte Kandler. "Wir suchen ja nicht laufend nach Hendl-Dieben", so der Experte. Und weil man wusste, auch die Aufsicht habe Interesse an der Hypo und prüfe diese, wollte er, Kandler, Ettl "vertrauensvoll zwischen Prüfern informieren", weil ihm als Risk-Manager die Puris-Sache eben "komisch vorgekommen" sei. Diese Einschätzung habe sich aus einem Deloitte-internen Gespräch ergeben und sei dann eben auch von Deloitte hinterfragt worden. Einige Tage nach dem Telefonat habe es durchaus sein können, dass er mitgeteilt habe, dass die Sache nach weiteren Erhebungen durch das Prüfteam "vielleicht doch nicht so heiß ist, wie sie ursprünglich ausgeschaut hat".

Die Hühnerfabrik Puris war Anfang der 2000er-Jahre von Kroatien privatisiert worden. Hypo-Kredite flossen, am Ende verblieb die Hühnerfarm bei der Hypo, die Kreditsummen von insgesamt mehr als 40 Mio. Euro waren allergrößtenteils verloren. Der erste Privateigentümer von Puris war der austro-kanadische Unternehmer Walter Wolf gewesen.

(Quelle: S24)

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