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HCB: Startschuss für U-Ausschuss und neuer Fall

Es gibt seit Mittwoch einen neuen Fall von HCB-Grenzwertüberschreitung in einem Milchprodukt aus dem Kärntner Görtschitztal. In der Butter eines Direktvermarkters mit Buschenschank wurde das Umweltgift festgestellt. Die Milchprodukte des betroffenen Bauern werden vernichtet. Der Untersuchungsausschuss zum HCB-Skandal nimmt am 16. Dezember seine Arbeit mit einer internen Sitzung auf.

Die öffentlichen Sitzungen mit Zeugeneinvernahmen sollen im Jänner starten. Der freiheitliche Altlandeshauptmann Gerhard Dörfler und sein früherer Stellvertreter Uwe Scheuch sollen jedenfalls geladen werden, sagte der Ausschussvorsitzende Wilhelm Korak (BZÖ) vor Journalisten.

Als Verursacher der HCB-Emissionen im Görtschitztal gilt das Zementwerk Wietersdorf. Der Betreiber, die Firma Wietersdorfer&Peggauer, hat am Mittwoch in einer Aussendung behauptet, nicht gegen den Bescheid zur Verbrennung des HCB-belasteten Blaukalks verstoßen zu haben. Vonseiten des Landes wurde das bestritten. Auch mit früheren Aussagen von Unternehmensvertretern ist die nun vertretene Position nicht wirklich in Einklang zu bringen.

Die Blutuntersuchungen für betroffene Anrainer im Görtschitztal starten in der kommenden Woche. Nicht ganz klar ist, wie die dabei gewonnenen Messwerte zu interpretieren sind. Umweltmediziner Michael Kundi nannte im Gespräch mit der APA die "Störfaktoren" Alter und Übergewicht. Weil sich das Umweltgift im Fett ansammelt und nur sehr langsam abgebaut wird, sind dicke Menschen und Alte höher belastet. Übergewicht und Alter sind aber auch für sich genommen Risikofaktoren. Deshalb lassen sich gesundheitliche Probleme nur begrenzt auf das HCB als Ursache zurückführen.

Nach der Aussage des Kärntner Landesveterinärs vom Dienstag, andere Regionen Österreichs seien stärker mit HCB belastet als das Görtschitztal, kam am Mittwoch von der Salzburger Umweltabteilung Entwarnung. Bodenproben hätten keine Auffälligkeiten gezeigt. Allerdings werde derzeit ein Verdachtsfall überprüft: Offenbar wurde eine Wiese durch Feuerwerkskörper zu stark belastet. In Vorarlberg und der Steiermark entnommene Bodenproben wurden als "unauffällig" bewertet.

In Wien kritisierten Umweltschützer von Global 2000 und Ökobüro, dass Österreich bei der Umsetzung der "Aarhus-Konvention" säumig sei. Durch die Umsetzung in nationales Recht wären Informationspflicht, Öffentlichkeitsbeteiligung und Zugang zu Gericht für alle umweltbezogenen Verfahren gewährleistet. Wäre die Konvention bereits umgesetzt, hätte es nicht passieren können, dass die Öffentlichkeit erst Monate nach dem behördeninternen Bekanntwerden der HCB-Belastung informiert wurde.

(Quelle: S24)

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