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Heuer kein Österreichstand bei Musikmesse Midem in Cannes

Nach genau zwei Jahrzehnten wird es heuer erstmals keinen Österreichstand bei der Musikmesse Midem im französischen Cannes geben. Ausschlaggebend dafür war die Entscheidung der Fördergeber, wie Musikfonds-Geschäftsführer Harry Fuchs gegenüber der APA erklärte. Die 49. Auflage der Veranstaltung geht von 5. bis 8. Juni und damit zum neuen Sommertermin über die Bühne.

Im Vorfeld habe der Austrian Music Export eine Umfrage unter den Teilnehmern am Österreichstand der Vorjahres sowie weiteren potenziellen Teilnehmern durchgeführt, so Fuchs weiter. "Dem Ergebnis dieser Umfrage nach wird ein gemeinsamer Österreichstand als nicht vorrangig gesehen bzw. war aufgrund einer Konzeptänderung vonseiten der Midem die Sinnhaftigkeit eines solchen Standes für dieses Jahr zu hinterfragen."

Nichtsdestotrotz werde man bei der Messe heuer vor Ort sein, "um uns ein Bild über die Umsetzung des neuen Messekonzepts zu machen". Auf Basis dessen wolle man für die nächsten Jahre "eine fundierte Entscheidungsgrundlage hinsichtlich unserer Empfehlungen an die Fördergeber" haben, wie Fuchs erläuterte. Dabei handelte es sich zuletzt unter anderem um die Gesellschaft zur Förderung Österreichischer Musik, der Verwertungsgesellschaften LSG Produzenten sowie LSG Interpreten, dem Fachverband der Film- und Musikwirtschaft und der Förderinitiative Go International.

Schon seit einigen Jahren versucht sich die Midem an einer Neuausrichtung, was in erster Linie mit den Umbrüchen in der Szene zu tun hat. So war die Musikindustrie eine der ersten Branchen, die es mit dem digitalen Wandel zu tun bekam und folglich über Jahre hinweg mit wegbrechenden Umsätzen zu kämpfen hatte. Dass mit Social Media und Co Musiker selbst neue Möglichkeiten in die Hand bekommen haben, hielt auch Midem-Chef Bruno Crolot anlässlich seiner ersten Messeausgabe 2012 gegenüber der APA fest. "Auf der Midem wollen wir den Künstlern das Wissen über diese Tools vermitteln, um ihr Publikum adressieren zu können. Die Musiker selbst sind sich sehr deutlich darüber bewusst, dass hier ein Schlüssel für künftigen Erfolg liegt."

Dementsprechend fokussierte sich die Midem immer stärker auch auf den sogenannten Start-up-Bereich und bot etwa mit dem "Midemlab" oder dem "Midem Hack Day" Formate für Entwickler unterschiedlichster Couleur an. Das auf Branchenvertreter ausgerichtete Programm umfasst auch heuer etliche namhafte Keynote-Speaker, darunter Deezer-CEO Hans-Holger Albrecht oder Ryan Leslie von Disruptive Multimedia. Ein Vertreter der "alten Industrie" ist etwa Doug Morris von Sony Music Entertainment. Das Midem-Festival als musikalischer Rahmen soll ein "Artist Accelerator" sein, den u.a. Akua Naru, Ghetts und Sly Johnson nutzen wollen.

In verschiedenen Workshops und Seminaren begegnet man aktuellen Themen wie Streaming, den Herausforderungen von Musikverträgen im digitalen Zeitalter oder betont zugespitzt formulierten Vorhaben wie "How To Use Convergence To Kick The Music World's Ass". Aber auch das "Internet der Dinge" wird auf seine Möglichkeiten für die Musikbranche abgeklopft. Dem Wandel könne man sich ohnedies nicht verschließen, wie Crolot im Vorwort zum Messeprogramm schreibt. "Die Zeit ist gekommen für neue Kollaborationen zwischen der Kreativindustrie und digitalen Technologien. Während der Wert von Musik neu definiert wird, wollen wir uns der Konvergenz stellen und dadurch einen Schritt voraus sein."

(Quelle: S24)

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