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HSBC streicht bis 50.000 Jobs von insgesamt 260.000 Stellen

Drastischer Sparkurs wird fortgesetzt Salzburg24
Drastischer Sparkurs wird fortgesetzt

Europas größtes Geldhaus HSBC setzt erneut zum Kahlschlag an und baut bis zu 50.000 Stellen ab. Damit wird fast jeder fünfte Arbeitsplatz wegfallen, wie die britische Bank am Dienstag mitteilte. Es gebe keine heiligen Kühe mehr, sagte der seit Anfang 2011 amtierende Vorstandschef Stuart Gulliver. Federn lassen muss unter anderem das Investmentbanking, aber auch Filialen werden geschlossen.

Es ist Gullivers zweiter Versuch, mit massiven Einsparungen den Gewinn zu steigern und die Firmenstruktur zu vereinfachen. Bisher haben ihm aber immer wieder Altlasten und Strafen für diverse Skandale sowie die niedrigen Zinsen und geringen Wachstumsraten in vielen Ländern einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Seit der weltweiten Finanzkrise vor sieben Jahren sind zahlreiche Banken auf Schrumpfkur. HSBC hatte 2010 noch 295.000 Mitarbeiter. Am Ende der jetzigen Sparrunde dürften es nur noch 208.000 Vollzeitstellen sein. Durch einen Verkauf der Töchter in Brasilien und der Türkei sollen 25.000 Mitarbeiter HSBC verlassen. Weitere 22.000 bis 25.000 Jobs werden im IT-Bereich, der Verwaltung und durch Filialschließungen gestrichen. Die Maßnahmen sollen 2017 abgeschlossen sein.

Ziel sei es, die Kosten um bis zu 5 Mrd. Dollar (4,5 Mrd. Euro) zu senken. Um dies zu erreichen, werden Sonderaufwendungen von maximal 4,5 Mrd. Dollar in den nächsten drei Jahren entstehen. Der Kahlschlag sei nicht zwingend die Lösung, die Bank müsse in ihrer Struktur weniger komplex werden, sagte Branchenexperte James Antos vom japanischen Wertpapierhändler Mizuho Securities. Auch die Anleger an der Börse zeigten sich skeptisch. In London verloren HSBC-Papiere 1,2 Prozent an Wert.

Unklar ist noch, ob auch die deutsche Tochter HSBC Trinkaus betroffen ist. Die Düsseldorfer Privatbank ist allerdings zuletzt eher auf einem Expansionskurs gewesen.

Wie bei den britischen Rivalen RBS und Barclays oder der Deutschen Bank hat das Investmentbanking HSBC viele Jahre hohe Gewinne eingebracht, ist aber auch für zahlreiche Skandale - etwa um die Manipulation von Zinsen oder Devisenkursen - verantwortlich. Der Bereich schwankt zudem traditionell stark, worin sich das Auf und Ab an den Finanzmärkten widerspiegelt. Und die Großbanken müssen wegen der Verwerfungen im Zuge der Finanzkrise mittlerweile deutlich schärfere Anforderungen der Aufsichtsbehörden erfüllen, was zulasten der Rendite geht.

Gulliver war fünf Jahre oberster Investmentbanker von HSBC. Bis 2017 sollen in der Sparte nun die sogenannten Risiko-Aktiva um ein Drittel oder 140 Mrd. Dollar gekürzt werden. Die Bank stellt in diesem Bereich also weniger Eigenkapital zur Verfügung, mit dem Geschäfte abgesichert werden. Weil es regulatorische Mindestanforderungen gibt, wird das de facto zu einem Teil-Rückzug führen. Konzernweit sollen die Risiko-Aktiva sogar um 290 Mrd. Dollar reduziert werden.

In einigen Wachstumssegmenten sowie im Compliance-Bereich, der die Einhaltung von Regeln überwacht, würden auch neue Stellen geschaffen, teilte HSBC weiter mit. In Asien soll zum Beispiel das Versicherungsgeschäft und die Präsenz im Süden Chinas rund um die Metropole Guangzhou ausgeweitet werden.

2014 hatte HSBC vor Steuern mit 18,7 Mrd. Dollar 17 Prozent weniger verdient als im Jahr zuvor. Trotz aller Sparmaßnahmen stiegen die operativen Kosten, und die Bank musste auch mehr Vorsorge für Rechtsstreitigkeiten treffen.

Wegen deutlich gestiegener Bank-Steuern in Großbritannien erwägt das Institut momentan, die Zentrale zu verlagern. Beobachter halten eine Rückkehr von HSBC nach Hongkong für naheliegend, wo das Institut vor rund 150 Jahren gegründet wurde. Es zog erst 1993 nach London, als die Midland Bank übernommen wurde.

(Quelle: S24)

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