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Hunderte Flüchtlinge schlafen im Mailänder Bahnhof

Mailand ist mit einem akuten Flüchtlingsnotstand konfrontiert. 350 Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea erreichten seit Dienstag den Hauptbahnhof und übernachteten dort in der Hoffnung, weiterreisen zu können. Laut Rotem Kreuz sind viele Kinder erschöpft und unterernährt. Unter den Migranten wurden Lebensmittel und Wasser verteilt. Probleme gibt es auch in Rom.

Ganze Familien suchten in Mailand vergebens nach einer Unterkunft. Noch unklar ist, wie es mit den Flüchtlingen weitergehen soll. "Mailand kann es allein nicht schaffen, andere Städte müssen uns helfen", warnte das für Sozialfragen zuständige Stadtratsmitglied Pierfrancesco Majorino. Seit Oktober 2013 habe Mailand bereits 64.000 Migranten versorgt, 10.000 allein seit Jahresbeginn. Jede Nacht würde die Stadt 800 Betten zur Verfügung stellen, diese seien jedoch angesichts der massiven Flüchtlingswelle der vergangenen Wochen unzulänglich.

Die kritische Lage am Mailänder Bahnhof droht wieder die Polemik zwischen der Region Lombardei und der Zentralregierung in Rom zu entfachen. Der lombardische Präsident Roberto Maroni, Spitzenpolitiker der ausländerfeindlichen Partei Lega Nord, weigert sich, weitere Migranten aufzunehmen, wie es die Regierung von Premier Matteo Renzi verlangt.

Hunderte afrikanische Migranten warten unterdessen seit Tagen auf Roms Busbahnhof Tiburtina auf Möglichkeiten, um in Richtung Norden reisen. Über 500 Migranten hielten sich auf dem Gelände auf. Am Donnerstagnachmittag kam es zu Spannungen, als die Polizei versuchte, einige der Flüchtlinge zu identifizieren, berichteten italienische Medien. Demnach wehrten sich einige Migranten dagegen.

18 Flüchtlinge wurde in die Polizeizentrale mitgenommen. Viele andere Migranten verließen fluchtartig den Busbahnhof, von dem aus Langstreckenbusse in Richtung Norditalien abfahren. Die meisten von ihnen haben weder Geld noch Dokumente bei sich.

56.000 Menschen wurden seit Jahresbeginn von der italienischen Marine gerettet, das sind zehn Prozent mehr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2014, berichtete der General der Carabinieri Tullio Del Sette vor dem Parlament. 1.600 Flüchtlinge werden im Mittelmeer vermisst, 100 Leichen wurden geborgen. 2015 wurden 53 Menschenhändler festgenommen und 27 Personen wegen Beihilfe zur Schlepperei angezeigt. 2014 waren 190 Menschenhändler festgenommen worden. Italien beherbergt derzeit bereits 84.000 Flüchtlinge.

(Quelle: S24)

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