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Hunderte Vermisste nach Schiffsunglück am Jangtse

Ein Rettungstrupp macht sich mit einem Boot auf zur Unglücksstelle Salzburg24
Ein Rettungstrupp macht sich mit einem Boot auf zur Unglücksstelle

Nach dem Kentern eines chinesischen Passagierschiffs am Montagabend auf dem Fluss Jangtse werden Hunderte Insassen vermisst. Lediglich rund ein Dutzend der 458 Menschen an Bord konnten nach Angaben staatlicher Medien bis Dienstagabend gerettet werden. Weitere Überlebende harrten offenbar im Rumpf des kieloben liegenden "Stern des Ostens" aus.

Von dem 76 Meter langen Schiff ragte neben Kiel und halber Schiffsschraube nur das Ruder aus dem Wasser. Mehr als 3.000 Polizisten, Soldaten und Helfer sowie mehr als 30 Schiffe und mehr als 100 kleinere Boote waren im Einsatz. Allein die paramilitärische Polizei schickte mehr als tausend Soldaten, die mit 40 Schlauchbooten bei den Bergungsarbeiten helfen sollen.

Taucher versuchten zu den Eingeschlossenen vorzudringen. Einen Mann und eine 65-Jährige konnten sie Medienberichten zufolge lebend aus dem Wrack bergen. Starker Wind und Regenfälle behinderten die Rettungsarbeiten. Sollten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten, wäre das Unglück die größte Schiffskatastrophe in China seit fast 70 Jahren.

Zu den wenigen Geretteten zählten laut Nachrichtenagentur Xinhua der Kapitän und der Chefingenieur, die zur Befragung in Polizeigewahrsam genommen wurden. Ihren Angaben zufolge sei das Schiff in einen plötzlich aufgekommenen Wirbelsturm geraten. Binnen etwa zwei Minuten sei das Schiff gesunken, meldete ein staatlicher Radiosender. Ein Notsignal sei nicht abgegeben worden. Sieben Menschen seien ans Ufer geschwommen und hätten die Behörden alarmiert.

Der 43-jährige Zhang Hui berichtete, Wind und Regen hätten so stark gegen die rechte Seite des Schiffs gedrückt, dass Wasser durch geschlossene Fenster gedrungen sei. Dann sei das Schiff gekippt. "Es sieht so aus, als wenn wir in Schwierigkeiten wären", habe er zu seinem Kollegen gesagt, sagte der Angestellte eines Reisebüros der Agentur Xinhua.

Sie hätten nur 30 Sekunden gehabt, um eine Schwimmweste zu greifen, als das Schiff gekentert sei. Er könne nicht schwimmen und habe die Weste auch nicht mehr anziehen können, so habe er sich einfach daran festgehalten und sei im kalten Wasser getrieben. Er habe anfangs noch die Hilferufe von etwa einem Dutzend anderer Menschen gehört, die aber schwächer geworden seien, zitierte ihn Xinhua.

Ein vorbeifahrendes Schiff habe ihn nicht gehört oder gesehen. "Halt durch", habe er sich gesagt. Im Morgengrauen sei er völlig erschöpft an Land geschwemmt worden, habe sich mühsam zu einem Haus geschleppt und sei ins Krankenhaus gebracht worden. Ein Überlebender sagte Xinhua, er habe sich durch ein Fenster gezwängt, als das Schiff kenterte. Erst im Morgengrauen habe er an einem Ast geklammert das Ufer erreicht.

An Bord befanden sich laut der Zeitung "People's Daily" 406 chinesische Touristen, fünf Reiseleiter und 47 Besatzungsmitglieder. Die meisten Passagiere sollen zwischen 50 und 80 Jahre alt sein. Erste Ermittlungen ergaben Xinhua zufolge, dass das Schiff nicht überladen war und ausreichend Rettungswesten an Bord hatte.

Der Jangtse ist der längste Fluss Chinas. An der Unglücksstelle soll er etwa 15 Meter tief sein. Der "Stern des Ostens", der Platz für mehr als 500 Menschen hat, war auf dem Weg von Nanjing Richtung Südwesten in die Millionenmetropole Chongqing. Das Schiff sank gegen 21.28 Uhr Ortszeit. Unglücke diesen Ausmaßes sind in der Volksrepublik ungewöhnlich. Im Jänner sank ein Schlepper auf dem Jangtse, 22 der 25 Insassen kamen ums Leben. Das bisher schlimmste Schifffahrtsunglück gab es 1948. Damals explodierte ein Dampfer, mehr als 1.000 Menschen starben.

(Quelle: S24)

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