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Industrie fordert von der Regierung flexiblere Arbeitszeiten

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer Salzburg24
IV-Generalsekretär Christoph Neumayer

Die Industriellenvereinigung (IV) fordert eine Ende des "alten Denkens" am Arbeitsmarkt und sieht dringenden Reformbedarf. "Wir müssen die Trendwende endlich schaffen", so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer zur APA. Der Weg dahin führe über eine Arbeitszeitflexibilisierung mit längeren Tagesarbeitszeiten, einer Lohnnebenkostensenkung und eine Effizienzsteigerung beim AMS.

Dies sei auch so im Regierungsprogramm verankert, es müsse eben nur umgesetzt werden. Konkret soll die tägliche maximale Arbeitszeit von derzeit zehn auf zwölf Stunden ausgeweitet werden (an der Gesamtarbeitszeit soll sich nichts ändern), Überschüsse aus der AUVA und Familienlastenausgleichsfonds für eine Lohnnebenkostensenkung herangezogen und die Eingliederungshilfen für Langzeitarbeitslose ausgebaut werden.

Neumayr verwies am Mittwoch darauf, dass es aufgrund der steigenden Zahl von Langzeitarbeitslosen inzwischen nahezu so viele Notstands- wie Arbeitslosengeldbezieher gibt. Hier könnten Eingliederungshilfen nützlich sein. Außerdem sei das österreichische System - im Vergleich zu Deutschland - zu komplex. Während es beim Nachbarn eine Grundsicherung (Hartz IV) gibt, teile sich die Unterstützung hierzulande in Notstandshilfe und Mindestsicherung auf.

Die Forderung der Industriellenvereinigung nach einer Grundversorgung für Langzeitarbeitslose nach deutschem Vorbild sorgt bei der Arbeiterkammer (AK) für Empörung. "Hände weg vom österreichischen System der Arbeitslosenversicherung", so die stellvertretende AK Wien Direktorin Alice Kundtner am Mittwoch zu "Hartz Ö".

Die Notstandshilfe sei eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung, sie abzuschaffen, "würde das Armutsrisiko in Österreich erhöhen." Nach der Einführung von "Hartz IV" in Deutschland sei der Niedriglohnsektor gewachsen. "Dort sind laut EU 69 Prozent der Arbeitslosen armutsgefährdet, das ist der höchste Wert aller EU-Staaten. Trotzdem hat Deutschland einen fast doppelt so hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen wie Österreich", rechnete Kundtner vor.

(Quelle: S24)

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