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Initiative für Ende ideologischer Blockaden in der Bildung

Experten sehen "Reformstau" im Bereich Bildungsreform Salzburg24
Experten sehen "Reformstau" im Bereich Bildungsreform

Mehr Tempo bei der Bildungsreform haben am Mittwoch Proponenten der Initiative "Neustart Schule" von der Regierung eingefordert. Seit 30 Jahren gehe in wesentlichen Bereichen nichts weiter; die Verantwortlichen sollten endlich ihre ideologischen Blockaden aufgeben und auch Themen angehen, die keine schnellen politischen Erfolge versprechen, so Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Uni Wien.

Die Industriellenvereinigung (IV) und ihre 24 Partner orten einen "Reformstau" bei der Umsetzung der am 17. November 2015 von SPÖ und ÖVP angekündigten Bildungsreform. Beim zweiten "Bildungssummit der Zivilgesellschaft" wurden dabei von "Neustart Schule" durchaus positive Elemente entdeckt, allerdings waren die Pläne den Experten nicht weitreichend genug bzw. unausgegoren.

Kindergartenexpertin Heidemarie Lex-Nalis von der Plattform EduCare kritisierte beim Pressegespräch, dass etwa die derzeitigen Kindergartenpädagoginnen für die Umsetzung des geforderten Bildungskompasses überhaupt nicht ausgebildet seien. Generell versuche die Regierung im Kindergarten Dinge umzusetzen, die gut gemeint seien. Aber: "Solange das elementare Bildungswesen ein Zwitterwesen ist zwischen Familien- und Bildungsministerium, vom Gesetz her auf neun Bundesländer aufgeteilt ist und es keine gemeinsame Grundlage bei den strukturellen Bedingungen gibt und die Ausbildung - europaweit einzigartig - auf der Sekundarebene stattfindet, kann das alles nicht funktionieren."

Für Martina Piok von der Initiative COOL ist nicht einzusehen, wieso Ziffernnoten in den ersten drei Volksschulklassen nicht flächendeckend durch verbale Beurteilung ersetzt werden, Schulen für jahrgangsübergreifenden Unterricht den Sanktus der Schulbehörde brauchen sollen und wieso Eltern (wegen der Sprengeleinteilung) auch weiterhin nicht freie Schulwahl haben. Zu kurz greift für die frühere AHS-Direktorin Heidi Schrodt ("Initiative Bildung Grenzenlos") auch die geplante Ausweitung der Schulautonomie: Direktoren müssten die volle Autonomie bei der Personalauswahl haben, das angedachte Vetorecht sei eindeutig zu wenig. Geht es nach Johanna Tradinik von der Bundesjugendvertretung, müssten bei der Bestellung außerdem die Schulpartner (Lehrer, Eltern, Schüler) eingebunden werden.

Nur durch Verhandlungstaktik erklärbar ist für Diakonie-Direktor Michael Chalupka die Beschränkung von Modellregionen für die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen auf 15 Prozent. Dadurch wäre in der Hälfte aller Bezirke keine Modellregion möglich. Er plädiert stattdessen vielmehr für eine gewisse Mindestgröße solcher Regionen, um die soziale Durchmischung zu gewährleisten. Unbefriedigend ist für Michael Landertshammer, Bildungsexperte der Wirtschaftskammer (WKÖ), außerdem die geplante Umwandlung der Landesschulräte in Bildungsdirektionen. Er befürchtet, dass sich damit "im Wesentlichen nur die Türschilder ändern".

Neben einer zügigen Umsetzung der Bildungsreform ortet Christian Friesl (IV) noch weitere dringende Aufgaben für die Regierung im Bildungsbereich: Es müssten endlich generelle Bildungsziele definiert, die Qualität im Pflichtschulbereich bei der Vermittlung von Basisfähigkeiten verbessert und die Zahl der Schulabbrecher reduziert werden. Außerdem pocht er auf bessere Fördermöglichkeiten für Flüchtlinge wie mehr Sprachförderung, Schulbesuch auch über das Pflichtschulalter hinaus und eine Öffnung der Lehre ohne Bedarfsprüfung.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 21.09.2021 um 09:53 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/initiative-fuer-ende-ideologischer-blockaden-in-der-bildung-52035331

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