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Internationale Pressestimmen im Vorfeld von Erdogans Russland-Besuch

Kritische Stimmen zum Treffen von Putin und Erdogan. APA/AFP/KAYHAN OZER
Kritische Stimmen zum Treffen von Putin und Erdogan.

Zum Russland-Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schreiben Tageszeitungen am Dienstag:

"de Volkskrant" (Amsterdam):

"Er will damit demonstrieren, dass er Amerika und Europa nicht per se nötig hat. Notfalls kann ich den Westen durch Russland ersetzen - das ist sein unausgesprochene Botschaft. Das Problem für Erdogan ist nur: Jedermann weiß, dass es nicht stimmt. Die Amerikaner wissen es, die Russen wissen es und auch die Türken selbst wissen es. Sie kennen ihre Wirtschaftsdaten, aus denen hervorgeht, dass mit Europa fast die Hälfte des Außenhandels abgewickelt wird, dass drei Viertel der ausländischen Investitionen, die von der Türkei dringend gebraucht werden, aus Europa kommen. Sie verstehen, dass ihre Sicherheit letztendlich durch die NATO-Charta garantiert wird und nicht durch den geopolitischen Zynismus des Kremls."

"Tages-Anzeiger" (Zürich):

"In Washington wird diese Entwicklung mit großer Sorge betrachtet. Vom viel gepriesenen strategischen Partner Türkei ist nicht mehr viel Partnerschaft zu erwarten, und Erdogans strategische Ziele liegen im Nebel. Der nach Ankara entsandte US-Generalstabschef Joseph Dunford wurde von Erdogan mit der Unterstellung auf die Heimreise geschickt, dass der Plan für den Putschversuch "außerhalb" der Türkei, sprich in den USA, geschrieben worden sei. (...) Die US-Regierung ist jedenfalls zerrissen im Umgang mit der Türkei: Zwar gab es in der Geschichte durchaus undemokratische Mitglieder der NATO, aber immer haben sich die internen Zustände gebessert - eine wichtige Voraussetzung für eine Mitgliedschaft. Noch nie aber wurde ein Bündnispartner weniger demokratisch."

"Dernieres Nouvelles d'Alsace" (Straßburg):

"Die Achse Moskau-Ankara ist ein opportunistisches Konstrukt, das die Europäische Union schwächen soll. Je mehr sich Erdogan vom Westen entfernt, desto mehr umwirbt ihn Putin. Der russische Präsident ist überglücklich, den Einfluss der USA auf die Strukturen der türkischen Armee schwächen zu können. Erdogan und Putin verstehen sich glänzend - zumindest wenn es darum geht, die Politik nach ihren eigenen Bedürfnissen umzuformen. Diese Demonstration der Stärke zielt genauso auf uns ab wie auf die türkische und die russische Bevölkerung. Ein Grund mehr, ihr nicht nachzugeben."

"Stuttgarter Zeitung":

"Bei aller berechtigten Kritik an Erdogans Machtgebaren bleibt die Türkei für den Westen ein unersetzlicher Partner. Dieses Land könnte eine Brücke sein zwischen Europa und Asien, Moderator des Dialogs mit dem Islam. Es bildet einen Puffer gegen Gewalt und Terror im Nahen Osten. Seit Monaten spielen die Türken Grenzwächter für die von der Flüchtlingskrise überforderte EU. Wegen der drei Millionen Deutschtürken liegt Anatolien für die deutschen Bundesbürger vor der Haustür."

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 23.05.2019 um 07:42 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/internationale-pressestimmen-im-vorfeld-von-erdogans-russland-besuch-53436502

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