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Internationale Pressestimmen: "Kurz ist Merkels Zukunft"

Wird Merkel auch bald durch einen Jüngeren ersetzt? APA/AFP/John MACDOUGALL
Wird Merkel auch bald durch einen Jüngeren ersetzt?

Internationale Zeitungen schreiben am Donnerstag zum Besuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei seiner deutschen Kollegin Angela Merkel. Der Besuch hatte nicht nur eine erneute Debatte über Merkels Nachfolge angefeuert, sondern auch für Kritik an Kurz gesorgt. Die Internationalen Pressestimmen im Überblick:

"Lidove noviny" (Prag): "Kurz ruft Unsicherheit bei Eliten hervor"

"Bei den Eliten in Berlin ruft Kurz eine ähnliche Unsicherheit hervor wie die Visegrad-Gruppe und insbesondere Tschechien. Im Unterschied zu diesen Ländern trägt er nicht den Makel des 'Schmutzfinks aus dem postkommunistischen Osten', dem erst einmal die gute Kinderstube beigebracht werden muss. Kurz hatte eine Kinderstube. Er hält Deutschland nicht dessen Schuld vor, er spricht von der EU nicht als von einem Misserfolg, sondern er konzentriert sich darauf, die Gemeinschaft zu verändern, ohne dass sie auseinanderfällt. Die Staaten der Visegrad-Vier (Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei) können hier beobachten, wie man seine Ziele durchsetzt."

"Hannoversche Allgemeine Zeitung": "Möglichkeiten werden überschätzt"

"Macht und Möglichkeiten des jungen österreichischen Bundeskanzlers werden derzeit überschätzt. Für konkrete Taten hatte er noch keine Zeit. Bislang ist Sebastian Kurz, ebenso wie der Franzose Emmanuel Macron, vor allem eine Projektionsfläche, ein Medienphänomen. Kurz und Macron genießen es, auf der Seite der kommenden Dinge zu stehen, umweht von der Aura einer funkelnden neuen Zeit. Sie wollen Großes bewegen, fürs eigene Land und für ganz Europa ... Doch in Wahrheit ändert neues Pathos nichts an den alten Problemen ... Es geht vor allem um die Finanzkraft Deutschlands. Niemand darf überrascht sein, wenn am Ende die Zukunft Europas weniger in Paris noch in Wien definiert wird, sondern eher im guten, alten Berlin."

 

"Berliner Zeitung": "Kurz sucht neue Partner"

"Die schwarz-blaue Koalition in Wien ist insofern Modell für ein Europa, in dem Rechtspopulisten überall erfolgreich sind und früher oder später auch in Regierungen sitzen werden. Der Preis des Erfolges ist, dass Kurz die europafeindliche FPÖ im Nacken hat. Das wird Folgen haben, und sie werden sehr bald zu spüren sein, spätestens dann, wenn Österreich in der zweiten Jahreshälfte den Vorsitz in der EU übernimmt. Die jahrzehntelange enge politische Bindung an Deutschland gehört der Vergangenheit an. Kurz sucht neue Partner in Europa."

"Die Welt" (Berlin): "Kurz innenpolitische Größe"

"Sebastian Kurz ist der erste österreichische Bundeskanzler überhaupt, der in Deutschland eine innenpolitische Größe ist und als Innenpolitiker hierzulande Einfluss ausübt. Nicht zuletzt durch eine gezielte Interviewpolitik in den deutschen Medien, die ihm jederzeit offenstehen.

Nicht Pegida, nicht die AfD und schon gar nicht die CSU haben erreicht, was Sebastian Kurz gelungen ist. Anhand seiner Flüchtlingspolitik hat er den Deutschen schon als Außenminister vor Augen geführt, dass es eben doch eine Alternative zum offenen Europa, zum freien Zugang für alle Beladenen dieser Erde gibt, ohne den Rechtsstaat außer Kraft zu setzen oder die Mär zu verbreiten, Grenzen könnten heutzutage gar nicht mehr geschützt werden. Nicht die AfD hat die deutsche Wende in der Flüchtlingspolitik maßgeblich vorangetrieben, wie sie sich selbst brüstet. Es war Österreich unter Sebastian Kurz."

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Personifizierte Bedrohung"

"Sebastian Kurz vertritt eine konservative Partei. Der österreichische Kanzler könnte ein natürlicher Verbündeter für Angela Merkel sein; er müsste es. Und doch ist Kurz für sie eine personifizierte Bedrohung. Die SPD? Geradezu läppisch. Aber dieser Sebastian Kurz illustriert Merkels Zukunft. Er ist ihre Zukunft. Die Macht in Österreich hat das juvenile Ausnahmetalent nicht nur gegen die SPÖ errungen. Sein überraschenderer, sein härterer Sieg war der über das Establishment der eigenen ÖVP, das er eiskalt entmachtet hat. Sein Aufstieg führt Merkel vor Augen, dass manches alternativlos sein mag, sie es aber nicht ist. Kurz zeigt das auch ihren Kritikern: Ein Leben ohne Merkel ist möglich, und es kann Spaß machen."

 

"Allgemeine Zeitung" (Mainz): "Kurz als Mittler zwischen Brüssel und Oststaaten"

"Kurz könnte nun eine wichtige Rolle einnehmen als Mittler zwischen Brüssel und Staaten wie Polen, Ungarn, Slowakei und Tschechien. Selbstverständlich wird sich der Österreicher an seinen Worten, seinem Bekenntnis zu Europa, messen lassen müssen. Kurz und Merkel haben übrigens eine Gemeinsamkeit: Beide wurden lange Zeit unterschätzt."

(APA/dpa)

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(Quelle: S24)

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