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Was ist beim Flugzeug-Absturz im Iran passiert?

Flug PS752 endete am Mittwoch kurz nach dem Start in Teheran in einem Feuerball. Mehrere Länder sehen Hinweise auf Raketenbeschuss - der Iran bestreitet das und führt einen technischen Defekt als Ursache an. Was ist bisher bekannt?

Wie begann der tragische Flug PS752?

Mit dem Flugziel Kiew hob die knapp vier Jahre alte Boeing 737-800 am Mittwoch in der Früh um 06.13 Uhr Ortszeit mit 176 Menschen an Bord von der Startbahn 29R des Teheraner Iman-Khomeini-Flughafens ab. In einer Zeit extremer Spannung wegen eines drohenden militärischen Konflikts Iran-USA erhielt der Pilot die Freigabe zum Steigflug auf 26.000 Fuß (7.925 Meter), um Funkkontakt mit der Flugsicherung in Mehrabad aufzunehmen. Fünf Minuten nach dem Abheben hatte der zweistrahlige Jet eine Höhe von knapp 8.000 Fuß (2.440 Meter) erreicht, als er nach einer Rechtskehre an Höhe verlor und vom Radar verschwand. Einen Notruf der Besatzung gab es nicht. Augenzeugen am Boden und in der Luft berichteten laut iranischer Luftfahrtbehörde CAO, der Jet sei brennend in einen Park des Teheraner Vororts Sabashar gestürzt.

Worauf wird die These des Abschusses gestützt?

Die ersten Trümmerbilder aus Teheran lösten Spekulationen aus. Wenige Stunden nach dem Absturz war für den Unfallforscher Jan-Arwed Richter vom Flugsicherheitsbüro JACDEC klar: "Es sieht so aus, als wären Projektile durch die Außenhaut und die Tragfläche geschleudert worden - was immer das heißen mag." Später tauchten Videos auf, die einen Blitz am Nachthimmel zeigten. In Verbindung mit Berechnungen des Flugwegs nährten sie den Verdacht, dass eine Rakete mit im Spiel war. Kanada und Großbritannien verweisen daher auf Hinweise, die einen Abschuss durch eine iranische Rakete nahelegen. Schwierig ist, die Echtheit solcher Videos schnell unabhängig zu prüfen.

Wie soll der Abschuss erfolgt sein?

Flugabwehrraketen explodieren meist in direkter Nähe ihres Ziels und richten mit einem Splitterregen aus Kleinst-Projektilen maximalen Schaden an. Die Regierung in Kiew hatte nicht ausgeschlossen, dass die Boeing von einer Rakete des russischen Typs "Tor" getroffen worden sein könnte. Der Verteidigungsexperte Franz Klinzewitsch im russischen Föderationsrat wies das zurück.

 

Was sagt der Iran?

Die iranische Flugsicherheitsbehörde CAO spricht von einem "technischen Problem". Die Spuren an der Aufschlagstelle deuteten an, dass das Flugzeug zunächst Richtung Westen aus dem Airport-Luftraum ausflog, "aber nach einem technischen Problem nach rechts schwenkte und eine Flugspur hatte, die eine Rückkehr zum Flughafen anzeigte", heißt es in einem CAO-Bericht. Erwähnt wurde zuvor auch ein Triebwerksproblem. Eine Boeing 737-800 lässt sich allerdings auch mit einem Triebwerk in der Luft halten.

Wie soll die Absturzursache unabhängig geklärt werden?

Die iranische Luftfahrtbehörde CAO beruft sich bei ihrer Untersuchung auf Annex 13 des Chicagoer Abkommens der ICAO, dem der Iran 1950 beigetreten ist. Als Land, in dem der Absturz passierte, leitet es die Untersuchung. Es hat signalisiert, dass es auch Behörden aus der Ukraine, den USA, Schweden und Kanada beteiligen will. Die internationale Zivilluftfahrtbehörde ICAO bestätigte den Erhalt des vorläufigen CAO-Ermittlungsberichts und warnte vor Spekulationen. Die ICAO weist darauf hin, dass ein Abschlussbericht spätestens zwölf Monate nach dem Unglück vorliegen muss. Die Behörde nimmt normalerweise nicht an den Untersuchungen teil, kann aber durch einen Vertreter als Beobachter hinzugezogen werden. Am Freitag begann die langwierige Untersuchung der Flugschreiber der Boeing durch iranische und ukrainische Experten.

Gab es bereits irrtümliche Abschüsse von Verkehrsjets?

Ja. In Zeiten extremer Spannung und höchster militärischer Bereitschaft gab es immer wieder Abschüsse von Verkehrsflugzeugen. Das betraf auch den Iran: Im Jahr 1988 wurde ein iranischer Airbus versehentlich vom US-Kriegsschiff "Vincennes" abgeschossen.

Wie erkennen Radargeräte, ob es sich um Freund oder Feind handelt?

Militärflugzeuge haben ein sogenannte IFF-System an Bord, das für die Erkennung von Freund oder Feind bestimmte automatische Signale sendet. Zivile Klein- und Großflugzeuge senden zur Identifizierung ebenfalls automatische Transponder-Codes, die ihnen von der Luftaufsicht zugeordnet werden. In der Theorie sind damit eigentlich Zweifel ausgeschlossen. In der Praxis ist es aber - gerade bei älteren Raketensystemen - nicht ausgeschlossen, dass ein ziviles Flugziel irrtümlich ins Fadenkreuz gerät.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 16.05.2021 um 02:58 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/iran-absturz-was-genau-passierte-bei-flug-ps752-81812401

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