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Iran-Kritik an Europa wegen verhaltener Reaktion auf Angriff

Der Iran hat den Westen wegen seiner verhaltenen Reaktion auf den Anschlag in der Stadt Ahvaz am Samstag kritisiert, den Teheran als Terrorangriff wertet. "Wieso wird solchen Anschlägen in Europa so viel Aufmerksamkeit geschenkt, aber nicht anderswo", fragte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi laut Webportal des Ministeriums am Sonntag.

Bei Terrorangriffen sollte es keinen Unterschied zwischen Ländern, Menschen und besonders den Opfern solcher Anschläge geben, sagte der Sprecher. In der Nacht zum Sonntag wurden in diesem Zusammenhang die Botschafter Dänemarks und der Niederlande sowie der britische Geschäftsträger einbestellt. Laut Teheran gewähren diese drei Länder der Separatistengruppe "Al-Ahvazieh", die sich zu dem Angriff bekannt hat, Zuflucht. Die Mitglieder dieser Gruppe in diesen drei Ländern sollten nach Ansicht des Außenministeriums umgehend verhaftet und in den Iran geschickt werden. "Es ist nicht akzeptabel, dass die EU-Mitglieder diese Terrorgruppen nicht auf eine schwarze Liste setzt, solange diese auf europäischem Boden keine Straftaten begehen", sagte Sprecher Ghassemi.

Da auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sich zu dem Angriff in Ahvaz bekannte, gibt es laut Teheran eine Verbindung zwischen "Al-Ahvazieh" und dem IS. Irans oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei machte eine "Konspiration durch US-gestützte Regimes in der Region" für den Angriff verantwortlich. Damit ist Irans Erzfeind Saudi-Arabien gemeint, dass laut Kreisen in Teheran diese Gruppe auch finanziell unterstützt, um im Land Unsicherheit zu schüren.

Auch der iranische Präsident Hassan Rohani gab den USA indirekt eine Mitschuld. "Die kleinen Marionetten-Staaten in der Region werden unterstützt von Amerika, und die USA provozieren sie und geben ihnen die nötigen Ressourcen", sagte Rouhani am Sonntag mit Blick auf die Golfstaaten. Ihnen warf er die Finanzierung und Bewaffnung der hinter dem Anschlag vermuteten Extremisten-Gruppe vor.

Ziel der USA sei, für Unsicherheit im Iran zu sorgen, ergänzte Rouhani kurz vor seinem Abflug zur UN-Vollversammlung in New York. Die USA würden aber ihre Aggressivität bereuen. "Amerika verhält sich gegenüber dem Rest der Welt wie ein Tyrann. Aber unser Volk wird sich widersetzen und die Regierung ist bereit, Amerika die Stirn zu bieten." Auch Außenminister Mohammed Javad Zarif erklärte, "regionale Terror-Unterstützer und ihre US-Herren" seien für den Angriff verantwortlich.

Die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA sind erheblich angespannt, insbesondere seitdem US-Präsident Donald Trump den Rückzug seines Landes aus dem internationalen Atomabkommen von 2015 erklärt hat und erneut Sanktionen gegen die Islamische Republik verhängt hat.

Bei dem Angriff auf eine Militärparade sind mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. 60 weitere Menschen sollen verletzt worden sein. Iranischen Medienberichten zufolge schossen während der Parade in der südwestlichen Stadt Ahvaz (Ahwas) uniformierte Männer in die Zuschauermenge. Anschließend hätten die Angreifer versucht, auch auf die Tribüne für offizielle Besucher zu feuern. Daraufhin hätten Sicherheitskräfte zurückgeschossen.

Drei Angreifer seien vor Ort getötet worden, der vierte sei nach der Festnahme seinen Verletzungen erlegen, sagte Militärsprecher Abolfazl Shekartshi. Im Iran wurde am Samstag der "Tag der Streitkräfte" an vielen Orten mit Militärparaden begangen. Rouhani verfolgte eine ähnliche Parade in der Hauptstadt Teheran. Unter den Toten seien auch Frauen und Kinder, meldete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA. Die Zahl der Toten könne weiter ansteigen, da viele der Verletzten in Lebensgefahr schwebten.

Das IS-Sprachrohr Amaq verbreitete eine Bekennernachricht der Jihadistenmiliz: IS-Kämpfer hätten "eine Versammlung iranischer Truppen" angegriffen. Das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen Site teilte mit, der Angriff sei eine Reaktion auf die iranische Einmischung in Konflikte in der Region.

Der Anschlagsort Ahvaz liegt in der mehrheitlich von Arabern bewohnten Provinz Khuziztan an der Grenze zum Irak. In der Region hatte es in früheren Jahren separatistische Bestrebungen gegeben.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte in einer Beileidsbotschaft, er sei "entsetzt von diesem blutigen Verbrechen". Der Vorfall "erinnert uns einmal mehr an die Notwendigkeit eines kompromisslosen Kampfes gegen Terrorismus in all seinen Erscheinungsformen", hieß es weiter.

Im Juni 2017 waren bei einem Angriff auf das Parlament und das Mausoleum von Ayatollah Khomeini in Teheran 17 Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Noch während des Angriffs bekannte sich der IS zu der Tat. Bis dahin war der mehrheitlich schiitische Iran von Anschlägen der sunnitischen IS-Miliz verschont geblieben.

(APA/ag.)

Aufgerufen am 15.12.2018 um 06:22 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/iran-kritik-an-europa-wegen-verhaltener-reaktion-auf-angriff-60265939

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