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Iren stimmten klar für Lockerung des Abtreibungsverbots

Die Mehrheit dürfte mit "Ja" gestimmt haben APA (AFP)
Die Mehrheit dürfte mit "Ja" gestimmt haben

Beim Abtreibungsreferendum in Irland zeichnet sich eine große Mehrheit für eine Lockerung des strikten Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen ab. Einer Nachwahlbefragung unter 4.000 Personen im Auftrag der "Irish Times" zufolge stimmten am Freitag rund 68 Prozent der Wähler für die Streichung eines Verfassungsartikels, der Schwangerschaftsabbrüche faktisch unmöglich gemacht hatte.

Der Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut Ipsos/MRBI zufolge votierten vor allem junge Wähler und Frauen mit überwältigender Mehrheit für die Lockerung des Abtreibungsverbots. Bei den 18- bis 24-Jährigen lag die Zustimmung zu der Verfassungsänderung demnach bei knapp 90 Prozent. Die Wahlbeteiligung war Berichten zufolge mit teilweise 70 Prozent außergewöhnlich hoch. Fast 3,5 Millionen Iren waren dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. In Umfragen hatten die Befürworter einer Lockerung zuletzt vorne gelegen, viele Stimmberechtigte waren aber noch unentschlossen.

Endgültiges Ergebnis erst Samstagnacht

Die eigentliche Auszählung beginnt am Samstag in der Früh. Mit einem endgültigen Endergebnis wird erst am Nachmittag gerechnet. Sollte das Ergebnis der Nachwahlbefragung bestätigt werden, kann das Parlament neue Regeln für Schwangerschaftsabbrüche festlegen. Geplant ist eine Legalisierung von Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche.

Bisher strengstes Abtreibungsverbot in der EU

Im katholisch geprägten Irland galt bisher eines der strengsten Abtreibungsverbote in der Europäischen Union. Wer dagegen verstieß, konnte mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden. Selbst nach einer Vergewaltigung war in Irland ein Schwangerschaftsabbruch untersagt. Tausende irischer Frauen reisten jährlich nach Großbritannien und andere Länder, um Abtreibungen vornehmen zu lassen.

Grundlage für das strikte Verbot war ein Verfassungszusatz von 1983. Demnach waren ungeborene Kinder genauso in ihrem Recht auf Leben geschützt wie ihre Mütter. Dieser Artikel fällt nun weg. Die Regierung hat angekündigt, im Falle eines Siegs des Ja-Lagers Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll sie bis zum sechsten Monat erlaubt sein. Im irischen Parlament gibt es eine Mehrheit für das Ende des Abtreibungsverbots. Auch Ministerpräsident Leo Varadkar ist dafür, er will nun eine Fristenlösung nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten einführen.. Die katholische Kirche hielt sich in der Kampagne sehr zurück.

(APA/dpa/ag.)

(Quelle: S24)

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