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IS übernimmt Verantwortung für tödlichen Angriff in Marseille

Man beruft sich auf eine "Sicherheitsquelle" APA (AFP)
Man beruft sich auf eine "Sicherheitsquelle"

Die radikalislamische IS-Miliz hat den tödlichen Angriff auf zwei junge Frauen in Marseille für sich reklamiert. Ein Extremist des sogenannten "Islamischen Staats" sei für die Messerattacke am Sonntag verantwortlich, meldete das IS-Propagandasprachrohr Amaq am Abend unter Berufung auf eine "Sicherheitsquelle".

Am wichtigsten Bahnhof von Marseille hatte ein Mann am Sonntag zwei junge Frauen getötet, bevor er selbst von Soldaten erschossen wurde. Nach Angaben aus Ermittlungskreisen erstach er eine Frau und schnitt der anderen die Kehle durch. Laut Polizeigewerkschaft Unsa-Police waren die Opfer 17 und 20 Jahre alt.

Anti-Terrorstaatsanwaltschaft ermittelt

Der französische Innenminister Gerard Collomb sagte bei einem Besuch vor Ort, mehrere Zeugen hätten ausgesagt, dass der Angreifer "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen habe. Die Pariser Anti-Terrorstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Messerangreifer kurz zuvor freigelassen

Der Messerangreifer war nach Angaben aus Sicherheitskreisen kurz vor der Tat festgenommen worden. Er sei erst am Freitag in Lyon in Gewahrsam genommen worden, weil man ihn verdächtigt habe, für einen Raubüberfall verantwortlich zu sein, sagte eine mit den Polizeiermittlungen vertraute Person am Montag. Aus Mangel an Beweisen sei der Mann aber wieder freigelassen worden. Dem Insider zufolge ist die Identität des Mannes weiterhin unklar. Demnach soll er acht verschiedene Decknamen benutzt haben und manchmal erklärt haben, in Frankreich geboren zu sein. Ein anderes Mal habe er Algerien als Geburtsland angegeben.

Parlament stimmt über Anti-Terrorgesetz ab

Der neuerliche Angriff ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentsabstimmung über einen umstrittenen Entwurf für ein Anti-Terrorgesetz. Demnach sollen bestimmte Maßnahmen des geltenden Ausnahmezustands in normales Recht überführt werden. Den Ausnahmezustand hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten Francois Hollande nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten verhängt.

Anschlag 2012: Terror-Prozess in Paris begonnen

Vor einem Pariser Schwurgericht hat unterdessen am Montag der Prozess gegen zwei mutmaßliche Komplizen des Islamisten Mohamed Merah begonnen, der 2012 sieben Menschen in Südwestfrankreich tötete. Seinem 35-jährigen Bruder Abdelkader Merah droht lebenslange Haft, einem weiteren Mann drohen 20 Jahre. Ihnen wird vorgeworfen, dem Attentäter Hilfsmittel und Waffen beschafft zu haben.

Merah hatte im März 2012 in der Region von Toulouse zunächst drei Soldaten erschossen. Einige Tage später griff er eine jüdische Schule in Toulouse an und tötete drei Kinder und einen Lehrer. Nach einer intensiven Fahndung wurde Merah von Polizisten erschossen. In einem Brief begründete er seine Taten mit dem französischen Einsatz in Afghanistan.

Die Anschläge reklamierte eine Untergruppe des Terrornetzwerks Al-Kaida für sich. Die Taten markierten den Auftakt zu der Serie islamistischer Attentate, bei denen in Frankreich seit Anfang 2015 mindestens 239 Menschen getötet wurden.

(APA/ag.)

(Quelle: S24)

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