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"Kabbalah" im Jüdischen Museum

Direktorin des Jüdischen Museums Wien, Danielle Spera APA
Direktorin des Jüdischen Museums Wien, Danielle Spera

David Bowie, Madonna oder Franz Kafka - zahlreiche Künstler ließen sich von der Kabbala, der mystischen Tradition des Judentums, inspirieren. Das Jüdische Museum Wien zeigt in einer neuen Ausstellung die Entwicklung der Lehre, von ihren Anfängen im Mittelalter bis zu ihrem Einfluss auf Kunst und Popkultur der Gegenwart.

"Viel ist über die Kabbala (auch Kabbalah, Anm.) geschrieben worden. Was bis heute fehlte, ist ein profunder Überblick, der von Beginn der kabbalistischen Lehre bis in die Gegenwart führt", sagte Museumsdirektorin Danielle Spera im Rahmen einer Presseführung am Dienstag. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Amsterdam entstand, widmet sich der historischen Entwicklung der Kabbala und folgt den Spuren, die sie in der modernen Kunst - in Malerei, Design, Literatur, Film und Musik - hinterließ. "Keine Institution hat es bisher gewagt, eine Ausstellung zur Kabbala an sich zu machen. Wir versuchen, sie so komplett wie möglich zu zeigen", bekräftigte Domagoj Akrap, der "Kabbalah" gemeinsam mit Klaus Davidowicz kuratiert hat.

Für die Schau wurden die Ausstellungsräume des Museums schwarz ausgemalt und das Licht gedimmt. Der abgedunkelte Eingangsbereich wird lediglich von einer Lichtinstallation, bestehend aus vertikalen schmalen Leuchtröhren, die den Eindruck von Kerzen erwecken, erleuchtet. "Die Ausstellung ist als mystisches Erlebnis konzipiert. Selbst wenn man danach nicht genau verstanden hat, was Kabbala ist, hatte man hoffentlich ein Aha-Erlebnis", erklärte Davidowicz.

Zu Beginn der Ausstellung werden die Besucher kurz in das Thema eingeführt. Die Kabbala, was so viel wie Überlieferung bedeutet, umfasst einen Bereich des Judentums, der sich mit seinen esoterischen Ausformungen auseinandersetzt und versucht, auf die Rolle des Menschen im Universum und seiner Beziehung zu Gott Antworten zu geben. Die Grundlagen der Kabbala finden sich im Tanach, der hebräischen Bibel. Die ersten kabbalistischen Schulen entstanden im Mittelalter in Südfrankreich.

Vorgestellt werden die klassische Kabbala, die frühe jüdische Mystik, sowie ihre modernen Ausprägungen in Kunst und Populärkultur. Seit Madonna oder David und Victoria Beckham die Lehre für sich entdeckten und mit dem roten Armband, das vor Bösem schützen soll, abgelichtet wurden, wurde aus der Tradition ein Modetrend, stellte Spera fest. "Wir haben uns bemüht, wertfrei zu sein. Wir machen uns über moderne Kabbalisten genauso wenig lustig wie über chassidische Strömungen", sagte Davidowicz. Neben mehrere Hundert Jahre alten Ausstellungsobjekten wie einer zehn Meter langen kabbalistischen Handschrift und Amuletten sind also auch Kafkas "Der Prozess", Ausschnitte aus dem Film "Black Swan" mit Natalie Portman, eine Aufnahme von David Bowies Song "Station to Station" oder auch ein Gemälde von Anselm Kiefer Teil der Ausstellung.

Eindrucksvolles Beispiel der Auseinandersetzung zeitgenössischer Künstler mit dem Thema ist der "Warrior of God" von Michael Berkowitz. Die kriegerische Figur mit Schwert ist komplett in ein blaues, mit hebräischen Buchstaben bedrucktes Kostüm gehüllt und soll ein lebensgroßes Schutzamulett gegen das Böse darstellen. Die Ausstellung läuft bis 3. März 2019.

(S E R V I C E - "Kabbalah" bis 3. März 2019 im Jüdischen Museum Wien. Dorotheergasse 11, 1010 Wien. Web: )

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 19.05.2021 um 05:10 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/kabbalah-im-juedischen-museum-60497077

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