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Klimawandel trifft bereits alle Kontinente

Der Treibhausgasausstoß muss massiv gesenkt werden Salzburg24
Der Treibhausgasausstoß muss massiv gesenkt werden

Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat schon jetzt schwerwiegende Auswirkungen auf allen Kontinenten und in den Meeren. Wie viel schlimmer es durch die voranschreitende Erderwärmung noch kommen wird, hängt davon ab, was der Mensch in naher Zukunft dagegen unternimmt. Das ist der Kern des neuen Weltklimaberichts, dessen zweiten Teil der Weltklimarat IPCC am Montag in Yokohama vorlegte.

Der Klimawandel lässt nicht nur die Gletscher abschmelzen, verändert Ökosysteme und drängt Arten an den Rand des Aussterbens. Er bedroht auch die Nahrungsversorgung der Menschen weltweit. Schon jetzt gibt es laut IPCC deutliche Beeinträchtigungen bei den Ernteerträgen von Weizen und Mais. Treibhausemissionen würden das Risiko für Bürgerkriege, Hungersnöte und Überflutungen in den kommenden Jahrzehnten vergrößern. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit "schwerer, tiefgreifender und irreparabler Folgen", heißt es in dem Bericht.

"Wenn wir mutig handeln und den Treibhausgasausstoß schneller senken (als geplant), können größere Bedrohungen für die menschliche Sicherheit noch vermieden und lebenswichtige Meeressysteme, Wälder und Arten geschützt werden", sagte Greenpeace-Klimaexpertin Kaisa Kosonen. "Ohne schnelle Taten bei der Anpassung und der Emissionsreduzierung könnte das Ziel, dass jeder genug zu essen hat, für immer verfehlt werden", warnte Tim Gore von der Hilfsorganisation Oxfam.

Zwar gibt es dem Report zufolge für den Menschen noch Möglichkeiten, sich auf die Risiken infolge des globalen Klimawandels einzustellen. Eine Anpassung funktioniere aber nur, wenn die Erderwärmung deutlich gebremst werde. Sonst werde es schwierig, warnte Chris Field, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Zwei des Weltklimarats.

Ein ungebremster CO2-Ausstoß könnte Schäden in Billionenhöhe sowie Kosten in ähnlicher Höhe verursachen, um die Folgen einzudämmen, warnen die UNO-Experten. Unter dem Klimawandel werden demnach besonders arme Bevölkerungsschichten in südlichen Ländern der Erde leiden, heißt es unter Verweis auf Wasserknappheit, Überflutungen und Armut. Der Klimawandel beeinflusse auch die Ernährungssicherheit, wobei die Menschen in ländlichen Gebieten besonders betroffen seien.

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad über die vorindustriellen Werte werde 0,2 bis zwei Prozent der Weltwirtschaftsleistung vernichten, heißt es in dem Bericht. Ein Anstieg um mehr als vier Grad könnte desaströse Folgen haben.

Nach Überzeugung der Experten wird sich im 21. Jahrhundert vor allem für Europa und Asien das Überflutungsrisiko beachtlich erhöhen. Dürren würden gerade in trockenen, bevölkerungsreichen Regionen die Wasserknappheit verstärken. Das wiederum führt - bei steigender Bevölkerungszahl - zu geringeren Erträgen beim Weizen-, Mais- und Reisanbau.

Extreme Wetterphänomene wie Überschwemmungen an Küsten, Dürren und Hitzewellen werden dem Bericht zufolge die Migration von Menschen verstärken. Dies könne zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit "indirekt das Risiko für Gewaltkonflikte" erhöhen.

Noch ist es aus Sicht der Experten nicht zu spät zum Umsteuern: Durch rasche und umfassende Maßnahmen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnten die Gefahren wesentlich verringert werden. Viele Maßnahmen seien einfach und billig - etwa der Kampf gegen Wasserverschwendung und der Schutz der Küsten. Zudem sollten Menschen davon abgehalten werden, sich in Gegenden niederzulassen, die von extremen Wetterphänomen heimgesucht werden können.

Im ersten, im September veröffentlichten Teil ging es um die Ursachen und wissenschaftlichen Grundlagen. Der zentrale Befund lautete, dass die Verantwortung des Menschen für die Erderwärmung klarer als je zuvor festgestellt werden konnte. In Teil 2 geht es um die Konsequenzen. In Teil 3, der Mitte April in Berlin veröffentlicht werden soll, sollen mögliche Lösungen aufgezeigt werden.

Der zweite Teil des UNO-Klimareports, der die Konsequenzen der Erderwärmung zum Thema hat, wurde von österreichischen Politikern und Umweltexperten als Aufruf zum Handeln interpretiert. "Die Ergebnisse sind eine eindeutige Aufforderung", betonte Georg Rebernig, Geschäftsführer des Umweltbundesamtes (UBA), am Montag in einer Aussendung. Der Klimawandel sei auch in Österreich wirksam.

Mit dem Klimawandel steigen die Risiken von weiteren Auswirkungen auf natürliche und gesellschaftliche Systeme, warnte Rebernig. "Vor allem im Bereich der Erwärmung sind die Daten recht eindeutig", ergänzte Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "Für den Alpenraum stehen seit rund 250 Jahren Messdaten zur Verfügung. Von den 25 wärmsten Jahren in Österreich dieser langen Klimareihe fallen 17 Jahre in den Zeitraum seit 1989."

Grünen-Chefin Eva Glawischnig forderte als Folge für den in der japanischen Stadt Yokohama verabschiedeten Bericht des Weltklimarats (IPCC) den Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Europa würde so zudem unabhängiger von teuren Öl und Gasimporten aus Russland oder Kasachstan werden, neue Arbeitsplätze in Österreich nannte sie als positiven Nebeneffekt. Öl-, Gas- und Kohle- sowie Atomkonzerne und ihre Lobbyisten versuchten, getrieben von Profitgier, die grüne Energiewende aufzuhalten, kritisierte Glawischnig.

(Quelle: S24)

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