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Koalition: Große Koalition nach 44 Jahren beendet

Es zieht wieder ein ÖVP-Kanzler ins Amt ein. APA/Georg Hochmuth/Archiv
Es zieht wieder ein ÖVP-Kanzler ins Amt ein.

Mit der Angelobung der - nunmehr dritten - ÖVP-FPÖ-Koalition am Montag wird die dritte Großkoalitions-Phase der Zweiten Republik beendet. Die Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVP war bisher "die" Regierungsform. Mehr als 44 Jahre regierte die Große Koalition, obwohl sie bei Wählern seit den 90er-Jahren immer mehr in Ungnade fiel. Aber eine Koalition mit der FPÖ war seit Jörg Haiders Antritt 1986 lange tabu.

So brachte die FPÖ bisher auch wenig Regierungserfahrung zusammen: Noch keine neun Jahre waren die Blauen am Ruder, rechnet man das 2005 von ihnen abgespaltene (und mittlerweile wieder verschwundene) BZÖ dazu etwas über zehneinhalb Jahre.

Auch SPÖ koalierte bereits mit der FPÖ

Den größten Teil davon haben die Freiheitlichen mit ihrem jetzigen Partner zusammengearbeitet: Von 2000 bis 2005 regierte Wolfgang Schüssel mit der FPÖ und dann noch mit dem BZÖ bis zur Angelobung der nächsten rot-schwarzen Regierung Anfang 2007. Damit sicherte er sich den Kanzlersessel über zwei Perioden, unterbrochen durch die Neuwahl 2002.

Auch die SPÖ koalierte schon einmal mit der FPÖ, aber vor Jörg Haider: 1983, nachdem sie die Absolute verlor, ging Fred Sinowatz (SPÖ) mit Norbert Steger (FPÖ) zusammen. Mit Haiders Machtübernahme 1986 war es vorbei, nach der Neuwahl reanimierte Franz Vranitzky (SPÖ) mit Alois Mock (ÖVP) die 1966 beendete Große Koalition.

Allerdings unter anderen Vorzeichen: Nachdem von 1945 bis 1966 alle großkoalitionären Kanzler der (überwiegend stimmenstärkeren) ÖVP angehörten, war ab 1986 die SPÖ an der Reihe. Sie wurde - nach der langen Phase der Alleinregierungen - bei so gut wie allen Nationalratswahlen (außer jener 2002 und jetzt 2017) Erste und stellte alle Kanzler. Ausgenommen die schwarz-blauen Perioden unter Schüssel und jetzt Kurz.

ÖVP reagierte nur einmal alleine

Allein regiert hat auch die ÖVP einmal, aber nur von 1966 bis 1970. Damals holte sie zum ersten und einzigen Mal die absolute Mehrheit an Mandaten. Der SPÖ gelang dies wesentlich öfter, mit drei Absoluten ausgestattet, von 1970 bis 1983. Am Anfang hatte Bruno Kreisky die bisher einzige Minderheitsregierung gewagt, aber schon 1971 die Neuwahl ausgerufen.

Jedenfalls haben die Traditionsparteien Österreich seit 1945 fest in der Hand, es gab keine einzige Regierung ohne sie. Zusammen regierten sie fast zwei Drittel - 61,5 Prozent - der nunmehr 72 Jahre. Genau ein Drittel - 33,3 Prozent bzw. 24 Jahre - gab es Rot-Schwarz mit roten Kanzlern, etwas über 20 Jahre Schwarz-Rot.

Dank der langen roten Phase ist die Alleinregierung die zweit-wichtigste Variante: Fast ein Fünftel der 72 Jahre seit 1945 führte die SPÖ (für 13 Jahre) Österreich allein, für vier Jahre auch die ÖVP. Die Regierungen, an denen die FPÖ (bzw. das BZÖ) beteiligt war, machten bisher noch keine 15 Prozent aus - wobei fast zehn davon auf die Jahre mit der ÖVP entfallen. Für zwei Jahre war auch die KPÖ am Ruder - in der Konzentrationsregierung, die 1945 nach der ersten Wahl gebildet wurde. Die Grünen waren zwar von 1986 bis 2017 Parlamentspartei, aber nie in einer Bundesregierung.

(APA)

(Quelle: S24)

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