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Krimi-Bestsellerautor Horst Bosetzky gestorben

In den 1970er Jahren rätselten Krimifreunde Buch um Buch über das Pseudonym -ky. Wer steckte hinter dem ominösen Kürzel? Wer ließ Oberkommissar Mannhardt so lebensnah und packend ermitteln? Viele Jahre später gab sich der Autor als der renommierte Soziologieprofessor und Verwaltungsexperte Horst Bosetzky zu erkennen. Am Sonntag ist der Bestsellerautor in Berlin 80-jährig gestorben.

Bosetzky hat mehr als 60 Krimis geschrieben, dazu Romane, historische Biografien, Hörspiele, Drehbücher und eine vielbändige Familiensaga. "Ich denke manchmal selbst, das kann doch gar nicht alles von mir sein", gestand der gebürtige Berliner in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag am 1. Februar dieses Jahres. Aber das Schreiben sei seine Leidenschaft, davon komme er nicht los. Mit "Abgerechnet wird zum Schluss" erschien Anfang des Jahres sein letzter Kriminalroman.

Als Anfang der 70er-Jahre seine ersten Krimis erschienen, wurden die handlichen rororo-Thriller schnell Kult. Bewusst griff der Autor brisante gesellschaftliche Themen auf wie Mobbing ("Ein Toter führt Regie"), Sektenwahn ("Einer will's gewesen sein") und Ausländerhass ("Feuer für den großen Drachen") - oft mit einem Bezug zu seiner Heimatstadt Berlin.

Der Autor und Kritiker Rudi Kost schrieb einmal: "-ky wurde geradezu zum Inbegriff des "Sozio-Krimis", der die Leichen nicht zur gefälligen Abendunterhaltung liefert, sondern mit ihnen ausdrücklich aufklärerische Absichten verbindet."

Mehrere seiner Geschichten wurden verfilmt. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte 1974 die Kinoversion des Buchs "Einer von uns beiden" unter der Regie des späteren Hollywoodstars Wolfgang Petersen ("Das Boot"). Als 1981 auch der mehrfach ausgezeichnete Titel "Kein Reihenhaus für Robin Hood" auf die Leinwand kam, nutzte Bosetzky die Premiere dafür, das Geheimnis um sein Kürzel zu lüften.

1938 in einfachen Verhältnissen in Berlin geboren und im Stadtteil Neukölln aufgewachsen, hatte Bosetzky zunächst eine Lehre als Industriekaufmann bei Siemens absolviert. Zum Schreiben kam er, weil er sich sein späteres Studium an der "linken" Berliner FU durch Groschenromane verdiente. Schon früh trat er in die SPD ein.

Auch wenn in Zeiten von Globalisierung und Sci Fi die bodenständige Kriminalgeschichte nicht mehr so gefragt ist, sprudelten bei Bosetzky auch im fortgeschrittenen Alter die Ideen. "Und wenn mir mal nichts mehr einfällt, schreibe ich die Biografien von anderen Leuten", sagte er.

Von seiner eigenen Familiensaga, die sich detailfreudig und augenzwinkernd um sein Alter Ego Matuschewski rankt, sind zehn Bände erschienen - angefangen bei "Brennholz für Kartoffelschalen" (1995) bis hin zu "Bratkartoffeln oder die Wege des Herrn" (2008).

Mindestens zehn weitere große Geschichten habe er bereits im Computer, sagte er zu seinem 80. Geburtstag und fügte trocken hinzu: "Aber posthume Veröffentlichungen sind ja auch etwas Schönes."

Angst vor dem Sterben hatte er jedenfalls nicht. "Ich hatte bei einem Zuckerschock mal eine Nahtod-Erfahrung, seitdem ist es mit der Angst vorbei", sagt er. "Alles war rosa, alles hell, wie ein Schweben im Weltraum. Das waren die glücklichsten Momente meines Lebens."

(APA/dpa)

Aufgerufen am 11.12.2018 um 11:31 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/krimi-bestsellerautor-horst-bosetzky-gestorben-60216379

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