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Krise am Golf

Rätselraten nach Tanker-Explosion

Die Reederei schloss mechanisches oder menschliches Versagen aus
Der Iran hält die von US-Außenminister Mike Pompeo vorgebrachte Beschuldigung für "lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich".

Nach den mutmaßlichen Attacken auf zwei Öltanker im Golf von Oman herrscht weiter Rätselraten über die Urheberschaft - und die Angst vor einer bevorstehenden militärischen Eskalation. Die Reederei des norwegischen Öltankers "Front Altair" schloss mechanisches oder menschliches Versagen als Explosionsursache aus.

Was die Detonation tatsächlich ausgelöst habe, sei nach wie vor unbekannt und werde untersucht, teilte die Reederei Frontline am Freitag mit. Solange es keine weiteren Informationen gebe, werde Frontline "extreme Vorsicht" walten lassen, wenn es um neue Transportaufträge in der Golfregion gehe. Der norwegische Tanker war am Donnerstag ebenso wie der japanische Tanker "Kokuka Courageous" im Golf von Oman möglicherweise angegriffen worden. Die USA machen den Iran dafür verantwortlich. Der Iran weist die Vorwürfe zurück.

Trump beschuldigt den Iran

Die 23 Besatzungsmitglieder der "Front Altair" waren alle von einem Frachter gerettet worden. Das Feuer wurde binnen Stunden gelöscht. Laut Frontline erreichte ein Schlepper am Freitag den Tanker. Zwei weitere Schiffe mit Spezialisten an Bord sollten am Samstag vor Ort eintreffen. US-Präsident Donald Trump untermauerte am Freitag in einem Interview die US-Sichtweise. "Der Iran hat es getan", sagte Trump dem Sender Fox News. Der Iran wies hingegen jede Schuld von sich. Die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein ranghoher EU-Beamter am Freitag in Brüssel.

Der Iran hält die von US-Außenminister Mike Pompeo vorgebrachte Beschuldigung für "lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich", wie Außenamtssprecher Abbas Mousavi am Freitag laut der staatlichen Agentur IRNA sagte. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere.

Lage am Golf spitzt sich weiter zu

Der Iran teilte zuvor mit, sich ungeachtet der Sanktionen der USA vorerst weiter im Grundsatz an das Atomabkommen zu halten, erwartet aber "positive Signale". Andernfalls werde sich Teheran weiter von einigen der Verpflichtungen verabschieden, sagte der iranische Präsident Hassan Rouhani. Rouhani äußerte auch die Hoffnung, dass andere Länder die Bemühungen um Frieden in der Region unterstützten.

Er sprach der russischen Agentur Interfax zufolge am Samstag auf einer Sicherheitskonferenz in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan. Zugleich kritisierte der iranische Präsident einmal mehr den Ausstieg der USA aus dem Abkommen sowie die "illegalen Sanktionen" gegen sein Land. "Diese Politik ist eine Verletzung des Rechts auf Selbstbestimmung, die wiederum ein grundlegendes und unverletzliches Recht aller Nationen ist", sagte Rouhani. Am Vortag hatte er in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Kirgistan den USA eine Destabilisierung der Lage im Nahen Osten vorgeworfen.

USA aus Atomabkommen ausgetreten

Der Iran hatte das Wiener Atomabkommen im Jahr 2015 mit den fünf UNO-Vetomächten - USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien - sowie Deutschland geschlossen. Es soll den Iran am Bau einer Atombombe hindern. Im Gegenzug für die Einschränkung und Überwachung der iranischen Atomaktivitäten sollten gegen den Iran verhängte Strafmaßnahmen zurückgenommen werden. Die USA stiegen im Mai 2018 einseitig aus dem Abkommen aus. Sie setzen den Iran mit Wirtschaftssanktionen massiv unter Druck, um das Abkommen neu zu verhandeln und beispielsweise auch das iranische Raketenprogramm mit einzubeziehen.

Der Iran hält nach den Worten von Rouhani an seinem Ultimatum fest. Demnach sollen die Vertragspartner bis zum 7. Juli die Vereinbarungen umsetzen. "Daher sind wir gezwungen unsere Verpflichtungen im Atomdeal noch weiter zu reduzieren ... falls von der Gegenseite keine geeignete Maßnahmen zur Umsetzung erfolgen", sagte Rouhani. Der Iran sei aber weiterhin zu diplomatischen Verhandlungen bereit und begrüße eine "Win-win-Situation für alle Seiten".

(Quelle: Apa/Dpa)

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