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Kritik an Tafel zur Erinnerung an NS-Opfer in Kemeten

Die Roma Volkshochschule Burgenland hat am Samstag eine Tafel zum Gedenken an das Schicksal der Roma von Kemeten als "misslungene Erinnerung" kritisiert. Die Gemeinde im Bezirk Oberwart hatte einen "Geschichtskreis" in Form einer Skulptur mit Tafeln aufgestellt, eine davon erinnert an die Zeit des Nationalsozialismus. Bürgermeister Wolfgang Koller (SPÖ) zeigte sich über die Kritik "verwundert".

Über eine Gedenktafel für die etwa 200 während der NS-Diktatur im Zweiten Weltkrieg aus Kemeten im Südburgenland verschleppten und ermordeten Roma war jahrelang diskutiert worden. Die im September vor dem Gemeindezentrum aufgestellte und in der Vorwoche präsentierte Skulptur geht auf einen Gemeinderats-Beschluss aus dem Jahr 2006 - unter Kollers Amtsvorgänger - zurück. Die 13 Tafeln setzen sich mit der Geschichte von Kemeten auseinander, darunter auch die NS-Zeit und die Deportation der Roma. Gekoppelt ist das Projekt mit einer "Geschichtsmeile" rund um die Ortschaft.

Die Art und Weise, wie man in Kemeten an die einstigen Mitbürger erinnere, "kann man nur als völlig misslungen bezeichnen", kritisierte die Roma Volkshochschule Burgenland in einer Aussendung. Zur nun aufgestellten Konstruktion hieß es: "Darauf wird zwar auch auf das Schicksal der vertriebenen und zum überwiegenden Teil ermordeten Menschen hingewiesen. Allerdings fehlt jegliches Bedauern, jeder Hinweis auf die historischen Umstände oder auch auf die Beteiligung der damaligen Ortsbevölkerung." Die Gemeinde ist damit nach Ansicht der Volkshochschule Burgenland "ihrer Verantwortung den ehemaligen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber nicht nachgekommen". Man bedauere dies sehr, sei aber weiterhin bereit, "Anstöße für die Etablierung einer würdigen Erinnerungskultur und eine 'Reparatur' der Anlage in Kemeten zu geben".

"Die Skulptur soll zum Nachdenken anregen", sagte Koller auf APA-Anfrage. Auf den Tafeln werde auf markante Punkte der Gemeindegeschichte, auch an dunkle Seiten wie die Deportation von Roma oder Juden hingewiesen. Zur Kritik, dass etwa kein Bedauern auf der Tafel geäußert werde, sagte der Bürgermeister: "Dahinter liegt ein großes Bedauern."

(APA)

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