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Kritik und Lob für Scala-Premiere

Pereira mit Italiens Kulturminister Franceschini Salzburg24
Pereira mit Italiens Kulturminister Franceschini

Kritik und Lob hat die Saisonpremiere der Mailänder Scala mit Beethovens "Fidelio", die erste unter der Führung von Intendanten Alexander Pereira, von den italienischen Zeitungen geerntet. Die moderne Opern-Interpretation der britischen Regisseurin Deborah Warner überzeugte die Opernkritiker der Blätter nicht ganz, Lob erntete dagegen das Orchester unter dem Dirigat von Daniel Barenboim.

"Beethoven in Jeans beeindruckt mehr wegen des Orchesters als wegen der Sängern und der Regie", kommentierte die römische Tageszeitung "La Repubblica". "Die moderne Inszenierung ohne Zeit und Raum, düster und postindustriell, ist mit pedantischem Realismus in den ersten Bildern genutzt worden, danach unterstützt sie allerdings nicht mehr das unwiderstehliche spirituelle und narrative Crescendo der Musik", kommentierte die Tageszeitung. "Diese harte und schlichte, zeitgenössische und spartanische Inszenierung, die auch sehr global ist, hat Teile des Publikums desorientiert. Einige zögernde Pfiffe wurden gegen die Regisseurin gerichtet", meinte "La Repubblica".

Deutlich positiver kommentierte die Turiner Tageszeitung "La Stampa" die Premiere. "Ein 13 Minuten langer Applaus, keine Pfiffe und keine Polemik: Beethoven siegt auf der ganzen Linie. In den letzten Jahren war keine Scala-Premiere so reibungslos verlaufen. Applaus für Barenboim bei seiner letzten Premiere als Scala-Musikdirektor und Applaus auch für Regisseurin Warner, Autorin einer zeitgenössischen Inszenierung, die insgesamt überzeugt. Lob auch für die Sänger, die alle professionell sind, auch wenn es an Stars fehlt", kommentierte die Tageszeitung.

"Barenboim hat bestens die zehn Jahren von Intendanten Stephane Lissner an der Scala abgeschlossen. In diesen zehn Jahren hat sich die Scala Europa und der europäischen Regie geöffnet - mit all den Risiken und Zweifeln, die damit verbunden sind. Keine Oper darf am Ufer der Geschichte still sitzen", kommentierte der Kritiker der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera", Pierluigi Panza.

2,3 Millionen Euro kassierte die Scala für die Premiere am Sonntag. "Es handelt sich um einen Betrag, der leicht unter jenem des vergangenen Jahres (2,4 Millionen) liegt. Wenn man aber bedenkt, dass im letzten Jahr eine populäre Oper wie Verdis 'La Traviata' inszeniert wurde, ist der Unterschied minimal", berichtete die Pressestelle der Scala. Die Saison des Opernhauses wird traditionsgemäß am 7. Dezember eröffnet, am Tag des Heiligen Ambrosius, Patron der Stadt Mailand. Zu den Highlights der neuen Saison zählt im Februar und im März 2015 die "Aida" unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta und der Regie von Peter Stein. Geplant ist im kommenden Februar auch die Aufführung der Mozart-Oper "Lucio Silla", die Pereira von den Salzburger Festspielen erworben hat. Die anderen Salzburger Opern aus dem Paket sollen in der darauffolgenden Saison aufgeführt werden.

Allerdings kam es vor Beginn der Premiere zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Linksradikale Aktivisten, die für Sozialwohnungen und Beschäftigung demonstrierten, versuchten eine Polizeisperre zu umgehen und sich der Scala zu nähern.

Die Demonstranten, welche die Sicherheitskräfte mit Eiern und Knallkörpern bewarfen, wurden von der Polizei zurückgedrängt, berichteten italienische Medien. Die Linksaktivisten klagten, die Polizei sei gegen sie mit Knüppelschlägen losgegangen. Dabei seien mindestens zwei Personen verletzt worden. Die Demonstranten skandierten Slogans gegen die Regierung von Premier Matteo Renzi und die kürzlich verabschiedete Arbeitsmarktreform, die eine Auflockerung des Kündigungsrechts vorsieht.

Schärfste Sicherheitsvorkehrungen waren vor der Scala-Premiere in Erwartung von Protesten ergriffen worden. Über 750 Ordnungshüter waren in der lombardischen Hauptstadt im Einsatz. Intendant Pereira zeigte sich von den Protesten unbeeindruckt.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 23.04.2021 um 05:32 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/kritik-und-lob-fuer-scala-premiere-46154521

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