Jetzt Live
Startseite Welt
Welt

Lächelnd-höfliche Debatte zwischen Irmgard Griss und Heinz-Christian Strache

Debatte drehte sich viel um Außenpolitik APA
Debatte drehte sich viel um Außenpolitik

Viel höfliches Lächeln und freundlich-zurückhaltendes Erklären: Das war am Mittwoch in der ORF-Konfrontation zwischen NEOS-Kandidatin Irmgard Griss und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zu sehen. Trotzdem waren sie in fast allen Themen unterschiedlicher Meinung. Die Debatte mündete in der Feststellung von Griss, dass die NEOS wegen deren Haltung zur EU nicht mit der FPÖ in eine Regierung wollen.

Das, sagte Strache dann, sei doch "schon sehr hochtrabend", aber er verstehe schon, dass die NEOS genügend Schwierigkeiten und Sorgen hätten, würden sie doch um den Einzug ins Parlament kämpfen. Dies war schon die schärfste Ansage in dem Gespräch, das schon mit der Ansage von Griss begann, sie habe sich - über den "Joker" anstelle von Spitzenkandidat Matthias Strolz in der Sendung - "sehr gefreut", mit Strache diskutieren zu können. "Die Freude liegt ganz auf meiner Seite" zeigte sich Strache galant und setzte ein freundliches Gesicht auf, das er fast durchgehend behielt. Was auch ein leichtes war, lächelte Griss ihren Kontrahenten doch fast durchgehend an.

Große Meinungsunterschiede, dennoch sachlich

Dabei waren inhaltlich bei fast allen Themen - Europa, Russland, Wahlrecht, Staatsbürgerschaft, Einwanderung, Burka-Verbot/Integration, Ladenschlusszeiten oder Kollektivverträge - meist große Unterschiede festzustellen. Aber weder Strache noch Griss übten angriffige Kritik an ihrem Gegenüber. Zumeist erklärten sie recht sachlich, Griss gelegentlich mit leicht belehrendem Zug, die eigene Position.

Die Listenzweite hinter Strolz, die in einem Bündnis mit den NEOS kandidiert, zeigte gelegentlich etwas Distanz zu pinken Positionen. Etwa befand sie, dass die NEOS-Forderung nach vollem Wahlrecht für alle länger hier lebenden Zuwanderer doch eine Extremposition wäre, die "sehr weit" gehe.

EU: "Haltung der FPÖ mit der der NEOS nicht vereinbar"

Ganz NEOS war aber ihre Antwort auf die Frage, ob eine Regierungszusammenarbeit mit der FPÖ möglich wäre. "Die Haltung der FPÖ zu Europa ist mit der Haltung der NEOS nicht vereinbar", konstatierte sie - setzte aber mildernd und Strache anlächelnd nach, dass "das natürlich etwas anders" wäre, wenn die FPÖ ihre EU-Haltung ändert. Strache fand es "problematisch", wenn man immer wieder für gemeinsame Anträge zusammenarbeite, aber eine Koalition "kategorisch" ausschließt.

Über die Europa-Haltung wurde eingangs auch lange diskutiert. Strache hielt Griss vor, dass die NEOS einen Bundesstaat Europa mit Aufgabe von Souveränität und Neutralität wollten, die FPÖ aber ein föderales Europa. Die "europäische Republik" sei ein "Fernziel" von Strolz, antwortete Griss und belehrte freundlich-lächelnd: Sie glaube nicht, dass der von Strache kritisierte Zentralismus der EU das Problem sei und die Neutralität habe sich geändert.

Griss für Einwanderungssystem à la Australien und Kanada

Recht zurückhaltend-höflich wurde auch das Thema Einwanderung diskutiert. Griss plädierte für ein Einwanderungssystem nach dem Vorbild von Kanada oder Australien, damit Menschen mit in Österreich benötigter Qualifikation einwandern können. "Wo man Bedarf hat" brauche man durchaus Einwanderer, antwortete Strache - und brandmarkte das "völlige Versagen" der rot-schwarzen Regierung gegenüber dem vielfachen Missbrauch des Asylsystems.

Dafür lenkte Griss dann beim Kopftuch-Thema ein und meinte, dass man darüber reden könne, dass Kopftücher in der Schule "nix verloren" hätten. Dies hatte Strache zuvor gemeint. Wobei freilich sie und Strache beim Thema Integration weit auseinanderlagen und sie auf dessen Forderung nach einem weitgehend Verhüllungsverbot meinte: "Müssen Sie nicht bei diesen Maßnahmen fragen, was sie bringen?"

(APA)

Aufgerufen am 25.04.2019 um 10:56 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/laechelnd-hoefliche-debatte-zwischen-irmgard-griss-und-heinz-christian-strache-56973178

Kommentare

Mehr zum Thema