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Las Vegas: Freundin des Todesschützen soll neue Informationen bringen

Zwei Tage nach dem Blutbad bei einem Konzert in der US-Casinometropole Las Vegas ist das Motiv des Todesschützen Stephen Paddock weiter unklar. Die Ermittler machten Fortschritte, hätten aber noch keine "vollständigen Antworten", sagte Bezirkssheriff Joseph Lombardo am Dienstag vor Journalisten. Die Freundin des Todesschützen ist ausfindig gemacht und in die USA gebracht worden.

Der 64-jährige Paddock hatte am Sonntagabend von seinem Zimmer im 32. Stock eines Hotels auf Besucher eines Country-Music-Konzerts gefeuert. Die Zahl der Verletzten korrigierte Sheriff Lombardo am Dienstag mit gut 500 leicht nach unten. Der Schütze hatte sich selber getötet, als die Polizei sein Hotelzimmer stürmte. Zuvor hatte er dem Sheriff zufolge neun Minuten hintereinander auf die Menschenmenge beim Konzert geschossen. Ein Hotelgast hatte nach ersten Schüssen die Polizei-Notrufzentrale alarmiert.

Gespräche mit Urlaubern laufen

Wie Lombardo weiter bestätigte, laufen Gespräche mit der Freundin des Täters, die auf den Philippinen lokalisiert worden sei. Er nannte die 62-jährige Marilou Danley, die einen australischen Pass hat, eine "Person von Interesse". So bezeichnen Ermittler Menschen, von denen sie sich wichtige Informationen versprechen, die aber gegenwärtig nicht zwangsläufig als Tatverdächtige eingestuft werden.

Die Frau ist in Begleitung von FBI-Beamten von den Philippinen in die USA geflogen. Die 62-Jährige sei in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) in Los Angeles angekommen, berichtete die "New York Times" am späten Dienstagabend.

Schütze hatte 100.000 Dollar auf Philippinen überwiesen

Sie soll dem Vernehmen nach in den kommenden Stunden befragt werden. Zuvor war bekannt geworden, dass der Schütze nach seiner Tat etwa 100.000 Dollar (85.085 Euro) auf die Philippinen überwiesen hatte. Die US-Ermittler erhoffen sich von der Australierin Aufklärung über die Motive von Paddock.

Australischen Medienberichten zufolge war Danley mit Freundinnen im Urlaub auf den Philippinen. Sie sei im September eingereist, bestätigte ein Sprecher der philippinischen Bundespolizei NBI. Das FBI habe mit dem philippinischen Interpol-Büro zusammengearbeitet, um Danley ausfindig zu machen, sagte der Polizeisprecher. Die Australierin, die philippinische Wurzeln haben soll, wanderte vor rund 20 Jahren in die USA ein, um im Casino zu arbeiten. In Mesquite, dem Wohnort des 64-jährigen Todesschützen, soll Danley zusammen mit Paddock in einem Haus gelebt haben.

Motive weiterhin unklar

Paddocks Tat ist das schlimmste Massaker in der jüngeren US-Geschichte. Nach Angaben des US-Polizei tötete er mindestens 58 Mensche, zuvor war von 59 Toten die Rede gewesen. Die Behörden korrigierten die Opferzahl nach unten, weil zunächst auch der Todesschütze selbst mitgezählt worden war. Die Motive des 64-jährigen Täters sind weiterhin völlig unklar.

Am Mittwoch will US-Präsident Donald Trump nach Las Vegas reisen. Er will sich in der Glücksspielmetropole im Bundesstaat Nevada mit Vertretern der Sicherheitskräfte und Angehörigen der Opfer treffen.

Paddock bereitete Tat akribisch vor

Mittlerweile häufen sich die Hinweise darauf, dass Paddock seine Tat "umfassend" vorbereitete, wie es der Sheriff am Dienstag formulierte. So fand die Polizei nach seinen Angaben neben 23 Schusswaffen in seiner Suite im Mandalay Bay Hotel mehrere Kameras vor, einige waren auch außerhalb seines Zimmers aufgebaut. Vermutungen gehen dahin, dass sie ihn beim Eintreffen von Polizisten vorwarnen sollten. Lombardo zufolge werden die Kameras nun von der Bundespolizei FBI untersucht.

Experten gingen auch der Frage nach, ob Paddock einige seiner Waffen mit einer ebenfalls in der Suite vorgefundenen Vorrichtung modifizierte: Sie dient dazu, das Abfeuern von Schüssen zu beschleunigen.

Gewaltiges Waffenarsenal sichergestellt

US-Fernsehsender zeigten am Dienstag Aufnahmen aus dem Hotelzimmer, die nach dem Blutbad gemacht wurden. Darauf sind unter anderem Waffen und zahlreiche Hülsen zu sehen. Wie sie zu den Medien gelangten, wurde nicht bekannt. Lombardo nannte den Vorgang "besorgniserregend".

Insgesamt stellte die Polizei im Hotelzimmer und in zwei Häusern des Täters in Mesquite und Reno 49 Schusswaffen sicher. Hinzu kommen Tausende Schuss Munition und Sprengstoff - ein gewaltiges Arsenal.

USA diskutieren über Waffengesetze

Vor diesem Hintergrund ist die Debatte um die nach Ansicht von Kritikern viel zu laschen amerikanischen Waffengesetze wieder voll entbrannt. Der Chef der demokratischen Minderheit im Senat, Chuck Schumer, forderte in einer Rede in der Kongresskammer "vernünftige Reformen". Man könne das Böse oder den Wahnsinn nicht von der Erde verbannen, sagte Schumer. "Aber wir müssen tun, was in unserer Macht steht, um unser Land zu einem sichereren Ort zu machen."

Trump erklärte am Dienstag: "Wir werden mit der Zeit über Waffengesetze sprechen." Der Republikaner hatte sich in der Vergangenheit - vor seiner Bewerbung ums Präsidentenamt - für "vernünftige begrenzte" Waffenkontrollmaßnahmen ausgesprochen. Dann schwenkte er aber um, wohl auch mit Blick auf die mächtige Waffenlobby-Organisation NRA.

(APA/dpa)

(Quelle: S24)

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