Jetzt Live
Startseite Welt
Welt

Laut GKK hohe Feinstaubbelastung in Grazer Lokalen

Das Don't-smoke-Volksbegehren beginnt am 1. Oktober APA
Das Don't-smoke-Volksbegehren beginnt am 1. Oktober

Feinstaub ist nicht nur auf offener Straße, sondern auch drinnen gesundheitsbelastend - die steirische Gebietskrankenkasse hat im Sinne des Nichtraucherschutzes Untersuchungen in bisher 16 Gastrobetrieben durchgeführt. Nach ersten Ergebnissen ist in den Nichtraucherbereichen von Mischbetrieben die Feinstaubkonzentration bis zu achtmal höher wie in reinen Nichtraucherlokalen oder auf der Straße.

"Die rauchfreie Gastronomie rettet Menschenleben", erklärte der Obmann der steirischen GKK, Josef Harb. Um den Sinn rauchfreier Gastronomie zu belegen, hat die GKK - im Vorfeld der Eintragungswoche zum Volksbegehren "Don't smoke" - Zahlenmaterial in Form von Messungen mit einem mobilen Partikelzähler durchführen lassen. Dabei werden Partikel in einer Größe von 0,02 bis 1 Mikrometer pro Kubikzentimeter gemessen. Erhoben wurde in den Nichtraucherbereichen von Grazer Mischlokalen, als Referenzlokal diente ein Gastrobetrieb mit Rauchverbot. Durchschnittlich beträgt die Konzentration von Feinstaubpartikeln in Nichtraucherbereichen das Vierfache des Außenbereichs. In reinen Raucherlokalen ist die Konzentration an Feinstaubpartikeln bis zu zwanzigmal so hoch wie in reinen Nichtraucherlokalen. Zwei Drittel der bisher 16 untersuchten Lokale wiesen deutlich erhöhte Werte im Nichtraucherbereich auf.

Dem Autor der Untersuchung Peter Tappler zufolge - laut GKK beeideter und gerichtlich zertifizierte Sachverständiger und Umweltanalytiker - wurden bisher nur in Wiener Lokalen Feinstaubmessungen durchgeführt. "Jetzt erhalten wir erstmals Vergleichswerte aus einem anderen Bundesland. Erstaunlich: Die bisherigen Messungen sind in die Spätsommerphase gefallen, wo viele Leute noch draußen im Gastgarten gesessen sind. Dennoch waren die ersten Ergebnisse erschreckend. Wir müssen davon ausgehen, dass die Situation in den Herbst- und Wintermonaten noch erheblich schlechter wird", sagte Tappler.

"Die Untersuchung ist erst in der ersten Phase", sagte Bernhard Stelzl von der Abteilung Gesundheitsförderung und Public Health der GKK zur APA. "Es wird noch bis November in weiteren Mischlokalen gemessen. Bisher waren wir eher in der Innenstadt und in der Uni-Gegend. In der Phase werden wir an den Stadtrand rücken", sagte Stelzl. Gemessen wurde vor allem zu Mittag und am Nachmittag bzw. Abend. Rund 30 Gaststätten und Cafes wolle man gesamt untersuchen. Im Dezember gebe es dann den Endbericht. Den Zwischenstand habe man angesichts der Eintragungswoche publik machen wollen.

"Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir keinesfalls eine Kampagne gegen Lokale führen, in denen das Rauchen erlaubt ist", sagte GKK-Obmann Harb. Vielmehr erachte man es als Zumutung, dass "die Gastronomen in diesem heiklen Bereich seit Jahren im Stich gelassen werden und es keine Chancengleichheit gibt. Uns ist es wichtig, mit dieser Studie die gesundheitlichen Vorteile von rauchfreien Lokalen klar und deutlich darzulegen", betonte der Kassenobmann. "Rauchfreie Betriebe nehmen Verantwortung wahr und unternehmerisches Risiko in Kauf. Hut ab vor allen, die abseits der gesetzlichen Verpflichtung auf rauchfrei umstellen und damit nicht nur die Gesundheit ihrer Gäste, sondern auch ihrer Mitarbeiter im Auge haben", bekräftigte Harb die Unterstützung der GKK für das "Don't Smoke"-Volksbegehren.

Kurz vor Beginn der Eintragungswoche für das Volksbegehren "Don't smoke" war die aktuelle Raucherregelung auch Thema im Wiener Landtag. Die Vertreter von SPÖ, Grünen und NEOS riefen in der Sitzung am Freitag zur Teilnahme am Volksbegehren für eine rauchfreie Gastronomie auf und übten scharfe Kritik an der Vorgangsweise der Bundesregierung.

"Es ist international eine Peinlichkeit, dass wir überhaupt über dieses Thema diskutieren müssen", befand Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) im Rahmen der Fragestunde. Das derzeitige Gesetz, das das Rauchen in abgetrennten Bereichen erlaubt, funktioniere "in der Praxis überhaupt nicht", stellte Sima fest. Es sei lediglich als Übergangsregelung gedacht gewesen. "Es wundert mich, dass Sie sich jeden Tag in den Spiegel schauen können mit so einer Regelung", sagte sie in Richtung der Vertreter von ÖVP und FPÖ. "Echter Nichtraucherschutz ist logischerweise nur durch ein echtes Rauchverbot möglich." Deutliche Appelle für die Teilnahme am Volksbegehren gepaart mit Angriffen gegen die Bundesregierung kamen auch von NEOS und Grünen.

Nicht glücklich mit der aktuellen Regelung zeigte sich auch ÖVP-Mandatar Markus Wölbitsch. "Ich habe als Nichtraucher vollstes Verständnis für Menschen, die sich ein komplettes Rauchverbot wünschen", sagte er. "Es ist auch kein Geheimnis, dass wir uns dieses konkrete Ergebnis der Regierungsverhandlungen anders gewünscht hätten. Aber eine Koalition besteht nun einmal aus Kompromissen." Die Bundesregierung habe klar gemacht, dass sie das Ergebnis des Volksbegehrens abwarten und dann in der Regierung und im Parlament behandeln werde.

Der freiheitliche Mandatar Wolfgang Seidl verteidigte die Vorgangsweise der Bundesregierung, statt eines Verbots das Rauchen in Lokalen weiterhin zu erlauben. "Der Nichtraucherschutz war noch nie so gut geregelt wie jetzt", sagte er. "Wogegen wir uns wehren ist diese Bevormundung."

(APA)

Aufgerufen am 11.12.2018 um 01:02 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/laut-gkk-hohe-feinstaubbelastung-in-grazer-lokalen-60298816

Kommentare

Mehr zum Thema