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Lehrer gegen Kontrollpflicht bei Zentralmatura

Lehrer sollen Vollständigkeit der Fragen prüfen Salzburg24
Lehrer sollen Vollständigkeit der Fragen prüfen

Direktoren und Lehrergewerkschaft wehren sich gegen den"Schwarzen Peter" durch ihre neue Kontrollpflicht der Aufgaben bei der Zentralmatura. Um Pannen wie bei der Generalprobe im Vorjahr zu vermeiden, als an einigen AHS wegen fehlender Testteile die Mathe-Klausur unterbrochen werden musste, sollen künftig die Schulen die angelieferten Aufgabenpakete auf Vollständigkeit kontrollieren.

"Das Ministerium möchte durch dieses Vorgehen schon im Vorfeld klarstellen, wer der Sündenbock bei etwaigen Pannen ist: nämlich der Direktor und die Lehrer", kritisiert Eckehard Quin (FCG), Vorsitzender der AHS-Gewerkschaft, im APA-Gespräch. "Das ist völlig inakzeptabel!" Der geplanten Regelung zufolge sollen der Schulleiter und drei Lehrer die Aufgabenhefte für die schriftliche Zentralmatura, bei der ab 2015 an allen AHS die Maturanten am selben Tag idente Klausuren bekommen, auf Vollständigkeit und Fehldrucke kontrollieren.

Das sei allerdings schon rein technisch nicht machbar, wehrt sich Quin gegen die Änderung. Das für die Erstellung der schriftlichen Maturaaufgaben zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) selbst habe als Richtlinie angegeben, dass für 100 Maturanten ein Stapel von 120 bis 150 cm bedruckter A4-Zettel angeliefert werde. Ein Testheft umfasst im Schnitt etwa 30 Seiten - bei 100 Kandidaten, die pro Kopf drei bis vier Klausuren zu schreiben haben, müssten Direktoren und Lehrer innerhalb weniger Tage rund 10.000 Testseiten überprüfen - und zwar zur Gänze, wenn tatsächlich ausgeschlossen werden solle, dass bei einzelnen Heften Seiten fehlen, so Quin. Aus seiner Sicht ist die vollständige Lieferung allerdings Aufgabe des Bifie. "Immerhin hat es jahrelang für die Entwicklung Zeit gehabt und bekommt viel Geld dafür."

Und noch eine zweite Fehlerquelle soll aus Quins Sicht an die Schulen weitergereicht werden, nämlich die der Datensicherheit. Bisher wurden die Aufgaben erst unmittelbar vor der Prüfung geöffnet und davor penibel auf Geheimhaltung geachtet: Die Aufgaben werden streng gesichert im Bifie aufbewahrt, in einer auf Zeit für den Normalbetrieb gesperrten und videoüberwachten Druckerei gedruckt, kuvertiert und gesichert, in einem alarmgesicherten Raum gelagert und in speziell gesicherten, per GPS-Ortung überwachten Fahrzeugen in einem vorab fixierten Zeitfenster an die Schulen geliefert. Dort wurden die Aufgaben bis kurz vor der Klausur im Safe verwahrt. Bei den Probeläufen in den vergangenen Jahren tauchten auch keine Aufgaben im Vorfeld auf.

Durch die Neuregelung hätten allerdings allein an den AHS plötzlich 1.500 Direktoren und Lehrer schon vorher Zugriff auf die Aufgaben, mit dem verpflichtenden Start der Zentralmatura an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) 2016 kämen dann noch einmal rund 1.200 Personen dazu. "Es ist klar, wem dann die Schuld gegeben wird, wenn Aufgaben geleakt werden."

Quin geht allerdings nicht davon aus, dass in Sachen Aufgaben-Kontrolle "das letzte Wort schon gesprochen ist". Immerhin habe die Ankündigung des Ministeriums bei der AHS-Direktorenkonferenz vergangene Woche für großen Unmut gesorgt. Willhelm Zillner, Sprecher der AHS-Direktoren, kündigt denn auch im APA-Gespräch an, sich gegen alle Maßnahmen, die den Schulen den "Schwarzen Peter" zuschieben würden, zu wehren.

Gleichzeitig betont er aber, dass die Direktoren jederzeit bereit seien, konstruktiv mitzudenken, wie man Pannen verhindern und die Matura störungsfrei durchführen kann. Zillner will nun im Gespräch mit dem Ministerium klären, was genau von den Schulen erwartet werde und darlegen, was Direktoren und Lehrer leisten können. Für den Fall, dass die Gespräche scheitern, werde man allerdings über Maßnahmen nachdenken.

Beide rechnen übrigens bei der Zentralmatura mit kleineren Pannen: "Es ist einfach sehr unwahrscheinlich, dass es nirgends zu Problemen kommt", verweist Quin auf den Umfang der Reform, die allein rund 19.000 AHS-Maturanten betrifft. Entscheidend sei es, dass es ein System gebe, um diese Fehler aufzufangen. Auch Zillner betont die Rolle eines guten Plan B: "Das Wichtige ist, dass es Prozeduren gibt, um bei Problemen professionell zu reagieren."

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 13.05.2021 um 07:41 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/lehrer-gegen-kontrollpflicht-bei-zentralmatura-46166461

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