Jetzt Live
Startseite Welt
Mitten in der Ferienzeit

Steht der nächste Lufthansa-Streik vor der Tür?

Pilot:innen rüsten sich für Arbeitskampf

Lufthansa, SB APA/AFP/CHRISTOF STACHE
Für das Cockpit-Personal der Kernmarke Lufthansa und der Frachttochter Lufthansa Cargo werden mehr Gehalt und ein automatischer Inflationsausgleich gefordert. (SYMBOLBILD)

Bei der deutschen AUA-Muttergesellschaft Lufthansa droht der nächste Streik: Nachdem das Bodenpersonal vergangene Woche den Flugverkehr einen ganzen Tag lahmgelegt hat, rüsten sich nun die Pilot:innen für einen Arbeitskampf.

In einer Urabstimmung haben sich die stimmberechtigten Mitglieder der Vereinigung Cockpit (VC) mit einer sehr deutlichen Mehrheit für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Das berichtete die Gewerkschaft am Sonntag nach Auszählung der Stimmen.

Gewerkschaft Cockpit erwartet  "gute Angebote"

Damit ist ein Streik der rund 5.000 Pilot:innen bei der Kernmarke Lufthansa zwar ab sofort möglich, wurde aber zunächst nicht beim Vorstand beantragt. Bereits vor der Auszählung hatte der VC-Tarifexperte Marcel Gröls erklärt, dass es sich zunächst um ein "Warnsignal" an den Lufthansa-Vorstand handle. Vom Management erwarte man nun "gute Angebote". Die Tarifverhandlungen sind noch von beiden Seiten nicht als gescheitert erklärt worden.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte, man respektiere das Ergebnis der Abstimmung. Der Konzern setze weiter auf eine konstruktive Lösung am Verhandlungstisch. Die nächsten Gesprächstermine stünden fest.

Hohe Beteiligung unter Pilot:innen

Bei der Lufthansa Passage stimmten laut VC 97,6 Prozent der Teilnehmer für einen Streik. Bei der Frachttochter Cargo war die Zustimmung mit 99,3 Prozent noch höher. Die Beteiligung lag laut Gewerkschaft in beiden Flugbetrieben über 93 Prozent. Erforderlich war eine Zustimmung von mehr als 70 Prozent aller Stimmberechtigten.

Streik legt Flugverkehr lahm

Die VC wertete das Abstimmungsergebnis als Beleg für die große Unterstützung für die Ziele der Konzerntarifkommission. "Wir brauchen jetzt eine moderne und faire international konkurrenzfähige Vergütungsstruktur in allen Berufsgruppen", erklärte Gröls. Die positive Urabstimmung führe noch nicht zwangsläufig zu Streikmaßnahmen. Aber sie sei ein unüberhörbares Signal an die Lufthansa, die Bedürfnisse des Cockpitpersonals ernst zu nehmen. Sollte es zu keiner Lösung am Verhandlungstisch kommen, müsste der VC-Vorstand und seine Lufthansa-Konzerntarifkommission einen Streik beschließen.

Erst am Mittwoch hatte die deutsche Gewerkschaft Verdi mit einem Warnstreik des Bodenpersonals den Flugbetrieb der größten deutschen Airline nahezu lahmgelegt. Es fielen über 1.000 Flüge aus und rund 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern. Eine Urabstimmung hatte Verdi davor nicht abgehalten. Unternehmen und Politik hatten Dauer und Umfang der Arbeitsniederlegungen kritisiert. Am Mittwoch (3. August) sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.

Arbeitsniederlegung in Ferienzeit möglich

Insidern zufolge könnte die Pilot:innen-Gewerkschaft noch in der Ferienzeit streikbereit sein. Auch der September war in den Vorjahren meist ein besonders verkehrsreicher Monat, so dass ein Streik das Unternehmen auch zu diesem Zeitpunkt empfindlich treffen würde. Grund für die Streikvorbereitungen der VC sind die nach sechs Gesprächsrunden festgefahrenen Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag. Aus VC-Sicht hat die Lufthansa bisher kein verhandelbares Angebot vorgelegt.

Das sind die Forderungen

VC fordert für das Cockpit-Personal der Kernmarke Lufthansa und der Frachttochter Lufthansa Cargo zum 1. Juli 5,5 Prozent mehr Gehalt und einen automatischen Inflationsausgleich ab 2023. Dazu kommen strukturelle Forderungen wie eine einheitliche Tarifstruktur, die eine Einigung besonders schwierig machen. Sie hatte den vorherigen Tarifvertrag zum 30. Juni gekündigt.

Das betrifft zurzeit noch rund 5. 000 Piloten, bis Ende des Jahres werden rund 400 das Unternehmen nach dem in der Corona-Krise aufgelegten Abfindungsprogramm verlassen. Ziel der Lufthansa ist es, Personalkosten zu begrenzen - mit Gehältern der Flugkapitäne von deutlich über 200.000 Euro im Jahr. Die Airline argumentiert, im Wettbewerb mit Billigfliegern sonst nicht mithalten zu können. Nach den verlustreichen Jahren der Corona-Krise will der Konzern bis 2024 wieder eine Umsatzrendite von acht Prozent erreichen.

Die Gewerkschaft Aeropers gab unterdessen bekannt, einen Entwurf eines neuen Gesamtarbeitsvertrags mit der Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss in einer eigenen Abstimmung zurückgewiesen zu haben. "Der Aeropers-Vorstand fordert nun zügige Nachbesserungen des abgelehnten Vertrages zugunsten der Pilotinnen und Piloten, damit die Stabilität des Flugbetriebes über den Sommer und den Herbst sichergestellt werden kann", hieß es in einer Erklärung. Der mit 80,5 Prozent Nein-Stimmen abgelehnte Entwurf "beinhaltete primär Anpassungen, die in guten Jahren den Cockpitmitarbeitern die Gewinnbeteiligung kürzen und noch schnelleres Wachstum auf Kosten des Bestandspersonals ermöglichen sollte".

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 18.08.2022 um 01:11 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/lufthansa-pilotinnen-streikbereit-125054815

Kommentare

Mehr zum Thema