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Macron beschwor mit flammendem Appell Weltfrieden

Zum 100. Jahrestag des Waffenstillstandes im Ersten Weltkrieg fanden sich rund 70 Staats- und Regierungschefs am Sonntag in Paris ein. Der französische Präsident Emmanuel Macron warnte in seiner Rede vor der Bedrohnung des Friedens: "Die alten Dämonen steigen wieder auf - bereit, ihr Werk von Chaos und Tod zu vollenden."

"Patriotismus ist genau das Gegenteil von Nationalismus." Auf der Tribüne saßen bei regnerischem Wetter im Schatten der Pariser Triumphbogens auch die Präsidenten Russlands und der USA, Wladimir Putin und Donald Trump sowie Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Trump besucht US-Soldatenfriedhof

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte im Beisein Van der Bellens bei der Eröffnung des anschließenden Friedensforums, sie habe Sorge, dass sich "wieder nationales Scheuklappendenken ausbreitet". Dabei habe der Krieg vor 100 Jahren gezeigt, wohin Isolationismus führen könne. Es würden zunehmend Eigeninteressen verfolgt, die im schlimmsten Fall zu gewaltsamen Ausbrüchen führen könnten. Laut Beobachtern waren ihre Bemerkungen wohl auch auf Trump gemünzt, der am dem Friedensforum in der Halle de la Villette im Osten der Hauptstadt aber nicht teilnahm.

Trump besuchte unterdessen einen US-Soldatenfriedhof westlich von Paris. Er wolle den tapferen Amerikanern Anerkennung zollen, die ihr Leben gelassen haben. "Es war ein brutaler Krieg", sagte Trump. "Millionen amerikanische und französische Soldaten und Alliierte kämpften mit herausragendem Können und Mut in einem der blutigsten Konflikte in der Geschichte der Menschheit."

Erster Weltkrieg: Neun Millionen Soldaten starben

Nach Angaben des Elysee-Palastes führten er und Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem gemeinsamen Mittagessen ein Gespräch über die Konfliktherde Syrien, Iran und Nordkorea. Daran hätten sich auch Macron und Guterres und zum Teil auch Merkel beteiligt, die am Tisch zusammengesessen hätten.

Der Weltkrieg gilt als ein Wendepunkt der neueren Geschichte. Große Mächte wie das Deutsche Reich zerbrachen. Es starben fast neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten. Rund 10 000 Sicherheitskräfte schützten die Gedenkfeier in Paris und das Friedensforum. Etwa 1000 Menschen demonstrierten laut Medien auf den Straßen der Hauptstadt gegen Trump, von Zwischenfällen wurde zunächst nichts bekannt. Allerdings gelang es der Frauen-Aktivistengruppe Femen an einem anderen Ort kurzzeitig, den Konvoi Trumps zu stören, indem mehrere Mitglieder mit nackten Oberkörpern auf die Straße liefen.

Trumo kritisert Macron

Macron blickte in seiner emotionalen Rede länger auf den blutigen Konflikt zurück, der von 1914 bis 1918 dauerte. "In diesen vier Jahren hat sich Europa fast umgebracht", resümierte er. Ungeachtet der insgesamt harmonischen Atmosphäre bei der Gedenkfeier am äußersten Ende der Prachtstraße Champs-Elysees goss Macron neues Öl ins Feuer. Er forderte in einem Interview mit dem US-Sender CNN, dass Europa bei der Verteidigung eigenständiger werden und sich dabei nicht von US-Waffen abhängig machen solle. "Was ich nicht sehen möchte, sind europäische Länder, die ihr Verteidigungsbudget steigern, um (US-) amerikanische oder andere Waffen zu kaufen (...)." Er fügte hinzu: "Wenn wir unser Budget steigern, geht es darum, unsere Eigenständigkeit aufzubauen."

Trump hatte bei seiner Ankunft in Paris am Freitag Macron heftig kritisiert. Anstoß war die von Macron ins Spiel gebrachte europäische Armee gewesen. Macron betonte nun in dem Interview, er arbeite mit Trump gut zusammen, obwohl es Meinungsunterschiede gebe, beispielsweise in der Klimapolitik.

 Macron und Merkel mit Friedensappell

Merkel sagte mit Blick auf die heutige Weltlage: "Kein Staat, keine Religion, keine Bevölkerungsgruppe und kein einzelner Mensch darf von uns abgeschrieben werden." So gelte es weiter, an einer politischen Lösung in Syrien zu arbeiten. Und im Jemen ereigne sich derzeit wohl eine große menschliche Katastrophe, die deswegen nicht so präsent sei, weil es wenig Bilder davon gebe. Sie erinnerte daran, dass im vergangenen Jahr mehr als 220 gewaltsame Konflikte weltweit ausgetragen wurden und dass an die 70 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen seien.

Macron rief in einem flammenden Appell eindringlich auf, für Frieden und eine bessere Welt zu kämpfen. Als konkrete Bedrohungen nannte er die Klimaerwärmung, Armut, Hunger oder die Ungleichheiten. Macron saß bei der Gedenkfeier neben Merkel, die wiederum neben Trump platziert war. Als letzter Gast kam schließlich Putin, der sich neben Brigitte Macron setzte.

"Nicht nur Mahnung, sondern auch Ansporn"

Anlässlich des Jahrestages läuteten um 11.00 Uhr in Frankreich die Glocken. Die Gemeinden in Frankreich waren dazu aufgerufen worden. Das letzte Mal, dass sich in Paris so viele Staats- und Regierungschefs zu einer Gedenkveranstaltung versammelt haben, war nach dem islamistischen Anschlag auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" im Jänner 2015 gewesen. Sie waren damals zu einem Trauermarsch in die französische Hauptstadt gekommen - Millionen Menschen protestierten in den Pariser Straßen gegen Terror.

Mit einer Geste der Versöhnung und Einigkeit hatten Merkel und Macron am Samstag der Opfer des Ersten Weltkriegs gedacht. Merkel bedankte sich bei Macron für die Einladung nach Compiegne an die Stätte des Waffenstillstands von 1918. Es sei das erste Mal seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Bundeskanzler mit dem französischen Präsidenten an diesem Ort gewesen sei, sagte sie in Paris. Das sei eine "symbolische Geste". "Insofern ist dieser Tag nicht nur Mahnung, sondern er ist auch Ansporn."

Van der Bellen dankt Macron

Bundespräsident Alexander Van der Bellen sieht das Gedenken an die kriegerischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts heute wichtiger denn je. Mit Blick auf die Spannungen in der internationalen Politik betonte Van der Bellen am Sonntag in Paris: "Gerade dann muss man sich erinnern, wohin der Nationalismus der 30er Jahre geführt hat."

Van der Bellen dankte seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron dafür, dass er den 100. Jahrestag des Weltkriegs zusammen mit Vertretern auch der damals besiegten Staaten begeht. "Ich finde es schon wichtig, dieses Ereignis so zu begehen und ich bin Präsident Macron dankbar, dass er dies in dieser Weise macht", sagte Van der Bellen vor österreichischen Journalisten.

(APA/dpa)

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