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Mauthausen-Überlebende äußern "große Sorge" wegen Regierung

Appell von Holocaust-Überlebenden an Bundespräsident Van der Bellen APA (BKA/Wenzel)
Appell von Holocaust-Überlebenden an Bundespräsident Van der Bellen

Das Internationale Mauthausen Komitee hat in einem offenen Brief einen Appell von KZ-Überlebenden an Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) übermittelt. Darin äußern die Betroffenen ihre "große Sorge" über Österreichs Regierung, wie das Mauthausen Komitee Österreich am Donnerstag in einer Aussendung bekannt gab.

Die schwarz-blaue Bundesregierung veranlasse die Überlebenden des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Mauthausen zu einer "eindringlichen Warnung vor Nationalismus und Rechtsextremismus, besonders wegen fremdenfeindlicher Tendenzen im Regierungsprogramm und zahlreicher einschlägiger Vorfälle in der FPÖ", so das Komitee.

Statements fordert Taten der österreichischen Regierung

Die Betroffenen sind demnach älter als 85 Jahre und senden ihren Appell aus verschiedenen Ländern weltweit. "Wir erwarten von der neuen österreichischen Bundesregierung, dass sie sich - den Lehren aus dem dunkelsten Kapitel der europäischen Zeitgeschichte gehorchend - abwendet von nationalistischen Strömungen und sich hinwendet zu einem gemeinsamen und solidarischen Europa! Die rund 100.000 im Mauthausen-System Ermordeten und die Millionen übrigen Opfer des Faschismus dürfen nicht umsonst gestorben sein", erklärte das Komitee anlässlich der Wortmeldungen der KZ-Überlebenden.

Die Statements der Betroffenen sind auf der Website des Mauthausen Komitee Österreichs abrufbar. Darin wird Bundeskanzler Kurz etwa dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, "dass es in der österreichischen Regierung keinen Platz für Antisemitismus, Rassismus oder irgendeine Form von Rechtsextremismus gibt".

Das sagen die Mauthausen-Überlebenden

Ein paar Auszüge: „Mein Name ist Alessandro Scanagatti, am 6. Oktober 2017 bin ich 90 Jahre alt geworden. Von 5. Februar bis 5. Mai 1945 musste ich im Konzentrationslager Mauthausen tote Kameraden ins Krematorium transportieren. Ich sah hunderte, tausende Tote in diesen drei Monaten. Ich lese in der Presse, dass in der neuen österreichischen Regierung sich öffentlich als rassistisch bekennende Parteien sind, die gegen Ausländer sind und Juden und Andersdenkende ausgrenzen. Ich bitte die österreichische Regierung – und das ist in meinen Augen ihre Pflicht! - sich offen zum «Mauthausen Schwur» zu bekennen: in der Tat sind meine Freunde für diese Werte von Brüderlichkeit und Freundschaft unter allen Völkern gestorben.“

„Ich war einer von den hunderttausend Inhaftierten und für die Menschenvernichtung bestimmten Menschen aus ganz Europa. Mein Name ist Eugeniusz Sliwinski. In diesem Jahr werde ich 95 Jahre alt. Im September 1942 wurde ich von der Gestapo verhaftet und infolgedessen in das Konzentrationslager Mauthausen und drei Monate später in das Konzentrationslager Gusen transportiert. Dort wurde ich für die Arbeit im Steinbruch zugewiesen, und bis zur Befreiung am 05.05.1945 habe ich in der Steyrer Fabrik gearbeitet. Unsere Träume, die Träume der Sklaven des Nazi-Systems, waren, dass eine Zeit kommt, die frei von jeglichem nationalen, rassistischen und religiösen Druck wäre. Dass es niemals mehr solch unerhörte kulturelle und soziale Unterschiede geben wird, wie sie im diktatorischen System stattgefunden haben. Wir, die ehemaligen Gefangenen, erwarten von der österreichischen Regierung, dass sie diese tragischen Ereignisse respektiert und Menschen niemals ausgrenzt. Wir haben vergeben, aber wie werden es nie vergessen!“

SOS Mitmensch: "Umtriebe und Machtmissbrauch" in Regierung

Eine Warnung vor "rechtsextremen Umtrieben und Machtmissbrauch" in den Ministerien veröffentlichte unterdessen die NGO SOS Mitmensch. Sie rief am Donnerstag in einem Schreiben zahlreiche Mitarbeiter der Ministerien "zu Wachsamkeit und Zivilcourage" auf. Anlass sei "die Übernahme wichtiger Ministerien durch Personen mit einem Naheverhältnis zum organisierten Rechtsextremismus", wie SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak in einer Aussendung erklärte.

(APA/S24)

(Quelle: S24)

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