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Medizin-Nobelpreis

Drei Zellbiologie-Forscher geehrt

Die Auszeichnung ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen dotiert

William Kaelin, Gregg Semenza und Peter Ratcliffe gewinnen den Medizin-Nobelpreis.

William Kaelin (USA), Gregg Semenza (USA) und der britische Wissenschafter Peter Ratcliffe erhalten den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin des Jahres 2019. Dies gab das Nobelpreiskomitee am Montag in Stockholm bekannt. Die Wissenschafter werden für ihre Entdeckungen geehrt, die zum Verständnis der Mechanismen führten, wie Zellen die vorhandene Sauerstoffkonzentration "riechen".

Kaelin stammt aus New York, er arbeitet am Howard Hughes Medical Institute, war bereits im Jahr 2002 Professor an der Harvard Medical School geworden. Ratcliffe stammt aus Lancashire in Großbritannien und ist Direktor für Klinische Forschung am Francis Crick Institut in London, hat aber auch eine leitende Position an der Universität in Oxford inne. Semenza wurde in New York geboren. Er ist seit 2003 Direktor des Gefäßforschungsprogramms am Johns Hopkins Institut für Zellbiologie in Baltimore.

Wie Sauerstoff Prozess reguliert

"Dank der Grundlagenforschung dieser Nobelpreisträger wissen wir nun viel mehr darüber, wie unterschiedliche Sauerstoffkonzentrationen fundamentale physiologische Prozesse regulieren. Das 'Riechen' der Sauerstoffkonzentration erlaubt es Zellen, ihren Stoffwechsel an niedrige Sauerstoffwerte anzupassen. Ein Beispiel dafür sind unsere Muskeln bei intensiver Belastung", hieß es in der Begründung für die Zuerkennung der hohen Auszeichnung.

Semenza ging von bereits bestehenden Erkenntnissen über die Funktion des Blutbildungshormons Erythropoietin (EPO) aus. Dass EPO aus den Nieren bei Sauerstoffmangel die Bildung von roten Blutkörperchen fördert, war bekannt. Der Wissenschafter entdeckte an Leberzellen im Labor einen Proteinkomplex (HIF), der aus zwei Transkriptionsfaktoren besteht (HIF-1alpha und ARNT). Bei hoher Sauerstoffkonzentration weisen Zellen eine geringe Konzentration an HIF-1alpha auf, bei Sauerstoffmangel hingegen steigt die Konzentration an, was zum Hinaufregulieren der für EPO kodierenden Gene führt. Bei normaler Sauerstoffkonzentration in Zellen wird HIF-1alpha abgebaut. Dies erfolgt über die Markierung des Transkriptionsfaktors durch das Protein Ubiquitin. Wie das aber genau funktionierte, war unklar. Auf diesem Gebiet war auch Ratcliffe tätig, der die Regulation der Bildung von EPO ebenfalls erforschte.

Die Antwort kam aber aus einer unerwarteten Richtung – aus den Forschungen von William Kaelin, der sich mit Krebs beschäftigte. Er untersuchte die Ursprünge der vererbbaren Hippel-Landau-Erkrankung (VHL-Krankheit). Sie führt in betroffenen Familien zu einem massiv gesteigerten Risiko für manche Krebserkrankungen. Die Ursache sind Mutationen im VHL-Gen. Ratcliffe und seine Forschungsgruppe entdeckten schließlich, dass VHL mit HIF-1alpha interagieren kann und für dessen Abbau unter normalen Sauerstoffkonzentrationen verantwortlich ist. 2001 konnten Ratcliffe und Kaelin schließlich in zwei parallel erschienen Studien zeigen, dass zwei sauerstoffabhängige Enzyme (Prolyl Hydroxylasen) den eigentlichen Sensor für die Sauerstoffkonzentration in Zellen und somit den maßgeblichen Faktor für den Abbau von HIF-1alpha darstellen.

Weitere Nobelpreise vergeben

2018 erhielten der US-Forscher James Allison und der japanische Wissenschafter Tasuku Honjo den Nobelpreis für Physiologie und Medizin in Anerkennung ihrer Entdeckungen über Immuncheckpoints, die zur modernen Immuntherapie gegen Krebserkrankungen führten.

Am Dienstag erfolgt die Bekanntgabe des bzw. der Preisträger für Physik und am Mittwoch jene für Chemie. Nach den Wissenschaftspreisen werden am Donnerstag die Literatur-Nobelpreisträger für 2018 und 2019 bekanntgegeben, am Freitag folgt der Friedensnobelpreis. Den Abschluss bildet am kommenden Montag die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften. Übergeben wird der Preis alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 18.10.2019 um 08:00 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/medizin-nobelpreis-fuer-drei-zellbiologie-forscher-77328397

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