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Montalvos "Carmen(s)" in St. Pölten als bunter Stilmix

Als erste von insgesamt vier internationalen Koproduktionen in der Saison 2018/19 und als Premiere im deutschsprachigen Raum ist am Samstagabend "Carmen(s)" von Jose Montalvo im Festspielhaus St. Pölten zur Aufführung gelangt: Ein bunter Mix aus Flamenco, Hip-Hop, iranischer Dudelsackmusik, arabisch-andalusischen Klängen und koreanischer Perkussion. Und Bizet, versteht sich.

In "Carmen(s)" projiziert der französische Choreograf die Eigenschaften der Protagonistin auf mehrere Tänzerinnen und Tänzer und inszeniert das Schicksal seiner vorgeblich emanzipierten Titelheldin gleichsam als kosmopolitisches Phänomen. Dazu passen auch Einspielungen von Mitwirkenden, die ihre ganz persönlichen Assoziationen zum Mythos Carmen formulieren.

Apropos Einspielungen: Den Bühnenhintergrund bildet eine Leinwand, auf der scheinbar verblichene Bilder zu sehen sind, deren Figuren manchmal in Bewegung geraten, bis sie wieder erstarren. Damit entsteht bisweilen eine zweite optische Ebene, die mit dem Bühnengeschehen korreliert. Das ist reizvoll in der Parallelität, aber mitunter auch etwas verwirrend.

In jeder Frau - und auch in manchem Mann! - steckt Carmens Freiheitsdrang, sagt Montalvo, der im Festspielhaus zuletzt 2016 mit "Y Olé!" zugegen war und diesmal beim Einführungsgespräch gleich einen kleinen Workshop inszenierte - angekündigt als "bewegte Einführung". Bei der Aufführung selbst erfreuten optische Attraktivität, klare Farbgebung (die Carmens natürlich in Rot) und reizvolle Kontraste - Flamenco versus Breakdance - das Auge.

Von der Message her scheint die Sache dennoch ein wenig fragwürdig: Carmen als Vorbild für emanzipierte Frauen/Männer/Menschen ist halt leider kaum mehr als ein wenig originelles Klischee, zumal Opferrolle und Märtyrertum bei aller Lebenslust immer noch inkludiert sind. Und wenn sich die große Freiheit letztlich darin erschöpft, das Publikum zu rhythmischen "Toro"-Rufen anzufeuern, stellt sich schon die Frage, ob darin wirklich der beschworene Geist der Revolte liegen kann.

(APA)

Aufgerufen am 12.12.2018 um 06:12 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/montalvos-carmens-in-st-poelten-als-bunter-stilmix-60402832

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