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Mordprozess gegen 22-Jährigen in Leoben

Weil er vor einem Jahr einen jungen Mann durch zwei Messerstiche in den Rücken getötet haben soll, hat sich ein 22-Jähriger am Dienstag im Landesgericht Leoben wegen Mordes verantworten müssen. Schauplatz der Bluttat war Aflenz (Bezirk Bruck-Mürzzuschlag). Die Verteidigerin sprach von Notwehr. Der Prozess wurde am Abend unterbrochen und wird Mittwochfrüh mit den Schlussplädoyers fortgesetzt.

Der kleine, zierliche afghanische Staatsbürger ist seit 2011 als Asylwerber in Österreich und war bei der Gemeinde beschäftigt. Nach zwei Jahren kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung mit einem gleichaltrigen Burschen. Dieser soll ihn auf der Straße zusammen mit anderen angegriffen haben. Der Angeklagte nahm ihn in den Schwitzkasten "und hat ihn auf offener Straße zwei Mal in den Rücken gestochen", schilderte die Staatsanwältin.

Die Freunde des Opfers glaubten zunächst an einen Asthmaanfall und setzten den Schwerverletzten auf eine Bank. Als er schließlich ärztlich versorgt wurde, kam jede Hilfe zu spät, der 21-Jährige starb. Die Verteidigerin ging ausführlich auf das schwierige Vorleben des Beschuldigten ein, der nach ihren Angaben in Afghanistan von Taliban entführt und gefoltert worden war. Die dauernden Schläge auf den Kopf sollen der Grund dafür sein, dass er sich an die Tat selbst nicht erinnern kann.

"Fühlen Sie sich schuldig?", fragte Richterin Sabine Anzenberger. "Nein", so der 22-Jährige. Das Opfer hatte ihm zunächst ein minderwertiges Handy verkauft, um die Sache zu klären, trafen sie einander bei einer Bushaltestelle. Die Ex-Freundin des Angeklagten war zu diesem Zeitpunkt mit dem Opfer zusammen und stand daneben, was zusätzlich zum Handy-Streit zu verbalen Auseinandersetzungen führte.

Es kam zu einer Ranglerei auf der Straße, plötzlich wäre da auch noch "ein großer Mann mit Maske" dabei gewesen, der ebenfalls auf den Angeklagten einschlug. "Ich habe Angst bekommen", erzählte der Beschuldigte. Er will in der Hand seines Kontrahenten ein Messer gesehen haben. "Ich kann mich nicht erinnern, was dann geschehen ist", lauteten seine Angaben bezüglich der tödlichen Stiche.

Die Befragung des Angeklagten gestaltete sich schwierig, da er zu dem Vorfall selbst so gut wie keine Erinnerungen hat. Er gab aber an, er habe ganz sicher kein Messer zu dem Treffen mit dem späteren Opfer mitgenommen, die Waffe stammte seiner Meinung nach von dem anderen Burschen.

Kurz nach der Tat gab der 22-Jährige bei der Polizei an: "Ich weiß, dass das Opfer gestochen wurde, ich weiß aber nicht, wie." Der Afghane, der mittlerweile gut Deutsch spricht, erklärte, es habe damals auch ein Übersetzungsproblem gegeben, da der Dolmetscher nicht in seiner Sprache - Paschtu - mit ihm gesprochen habe, sondern das weitverbreitete Dari (Persisch, Anm.) verwendet hätte. Dadurch sei es immer wieder zu Missverständnissen gekommen.

Genaue Angaben über die Vorgänge machte der Beschuldigte aber auch damals nicht. Er wusste nur, dass er vom gleichaltrigen Opfer ebenfalls verletzt worden war: "Ich bin durch Schläge am Kiefer so verletzt worden, dass jetzt dauernd etwas knackt", erklärte er. Das Messer, mit dem er zugestochen hatte, habe er seinem Kontrahenten bei der Rauferei entwendet, glaubte er im Nachhinein. Er könne sich jedenfalls nicht erinnern, mit einem Messer von zu Hause weggegangen zu sein, beteuerte er.

(Quelle: S24)

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