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Nach Geiseldrama von Sydney: Trauer, Helden und Verrückte

Nachdem das Geiseldrama von Sydney am Montag blutig beendet wurde, kam Australien weiter nicht zur Ruhe. Wegen eines verdächtigen Pakets wurde das Außenministerium geräumt. Indes gibt es neue Informationen über den Terroristen von Sydney und seine Opfer.

Das australische Außenministerium in Canberra ist nach Polizeiangaben wegen eines verdächtigen Pakets evakuiert worden. Das Paket sei in der Kantine des Gebäudes entdeckt worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Der Alarm wurde am Vormittag wieder rückgängig gemacht. Das verdächtige Paket im australischen Außenministerium, das am Dienstag vorübergehend Bombenalarm ausgelöst hat, hat sich als harmlos erwiesen, wie die Polizei mitteilte.

Neue Details zum Geiseldrama

Zu dem Geschehen rund um die Geiselnahme kommen immer neue Details ans Tageslicht. Australien soll bereits vom Iran wegen des 50-jährigen Haron Monis gewarnt worden sein, die Getöten haben ihr Leben unter heldenhaften Einsatz verloren und eine Moderatorin erfuhr live im Fernsehen, dass sie eine persönliche Verbindung zu einem Opfer hatte.

Iran warnte Australien

Die Teheraner Polizei hat nach eigenen Angaben Australien mehrmals vor dem ausgewanderten iranischen Geiselnehmer gewarnt. "Dieser Mann war ein Betrüger und hat sich bei seinem Asylantrag in Australien als politischer Dissident ausgegeben", sagte Irans Polizeichef Ismaeil Ahmadi Moghaddam am Dienstag. All dies sei der australischen Polizei auch mitgeteilt worden.

Der Mann habe in Teheran eine Reiseagentur und mehrere Kunden betrogen, so der Polizeichef laut der Nachrichtenagentur ISNA. Um nicht ins Gefängnis zu kommen, sei er 1996 zunächst nach Malaysia geflohen und von dort aus nach Australien. Das iranische Außenministerium hatte am Montag die Geiselnahme in Sydney scharf verurteilt und den Geiselnehmer als geistesgestört bezeichnet.

Tote von Sydney werden zu Helden

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas in Sydney werden die getöteten Geiseln in Australien als Helden gefeiert. Der Manager des Lindt-Cafes, Tori Johnson, und die Rechtsanwältin und dreifache Mutter Katrina Dawson seien bereit gewesen, "ihr Leben zu geben, damit andere leben können", sagte Erzbischof Anthony Fisher am Dienstag. Das Herz Sydneys sei durch den Tod der Unschuldigen gebrochen. Der Geistliche leitete nur 500 Meter vom Ort des Geschehens entfernt einen Gottesdienst, als sich das Drama ereignete.

Johnson soll dann Medienberichten zufolge versucht haben, dem Geiselnehmer die Schusswaffe zu entwenden. "Sie ging dabei tragischer Weise los und tötete ihn. Aber sie löste auch die Polizeireaktion aus, und brachte Freiheit für die meisten Geiseln", sagte Bischof Fisher. Johnsons Eltern zeigten sich stolz auf ihren "wunderbaren Burschen" und riefen alle auf, für den Weltfrieden zu beten. Dawson stellte sich bei dem Schusswechsel Medienberichten zufolge vor eine schwangere Freundin. Die Polizei bestätigte die Berichte zunächst nicht. Ermittler seien dabei, den Ablauf zu rekonstruieren, sagte die Vizepolizeichefin von New South Wales, Catherine Burn.

In Sydney herrscht Trauer./APA/EPA Salzburg24
In Sydney herrscht Trauer./APA/EPA

Sydney: Geiselnehmer war nervös

Die australische Polizei hat das Cafe in Sydney nach Angaben eines Augenzeugen gestürmt, nachdem der dort verschanzte Geiselnehmer nervös wurde. Er sei herumhergerannt und habe die Geiseln angeschrien, berichtete Reporter Chris Reason, der das Geschehen in der Nacht zum Dienstag aus dem gegenüberliegenden Studio des Senders "Channel 7" beobachtete.

Dort hatte auch die Polizei einen Kommandoposten eingerichtet. Der Täter habe die Geiseln von einem Ende zum anderen des Cafes geschickt. Möglicherweise sei er in Panik geraten, nachdem einigen Geiseln um kurz nach 02.00 Uhr morgens die Flucht gelungen war, sagte Reason im Frühstücksfernsehen.

Mutter im Cafe getötet

Wenige Minuten später stürmte die Polizei das Cafe. Dabei kamen eine Anwältin und der Manager des besetzten Cafes ums Leben. Die Polizei veröffentlichte am Dienstag ihre Namen: Katrina D. (38) und Tori J. (34). Die Frau hinterlasse drei kleinen Kinder, teilte die Anwaltskammer von New South Wales mit. Der 34-Jährige Manager arbeitete nach Angaben des Senders ABC seit 2012 in dem Cafe. Medien berichteten, er sei gestorben, als er versuchte, dem Geiselnehmer die Waffe zu entreißen. Die Polizei bestätigte das zunächst nicht.

Rätselhafte Motive des Attentäters

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas von Sydney rätselt die Polizei weiter über die Motive des Täters. Der 50-jährige Iraner habe eine lange Geschichte von gewalttätigen Verbrechen, sagte der australische Premierminister Tony Abbott am Dienstag. Er sei "von Extremismus besessen" und psychisch labil gewesen. "Er hüllte seine Aktion in Symbole des IS-Totenkults", sagte Abbott unter Verweis auf die IS-Terrormiliz, die im Irak und Syrien kämpft. (APA)

(Quelle: S24)

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