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NATO-Manöver als überflüssige Provokation?

Die NATO-Übungen bringt Tausende Soldaten nach Norwegen. APA/AFP/ANP/Remko de Waal
Die NATO-Übungen bringt Tausende Soldaten nach Norwegen.

Die NATO hält seit diesem Donnerstag ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges ab. Um eine Minute nach Mitternacht übernahm der amerikanische Admiral James G. Foggo das Kommando über rund 50.000 Soldaten, die an der zweiwöchigen Feldübung in Norwegen beteiligt sind.

Hinzu kommen 10.000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe. Sind zusätzliche Spannungen mit Russland vorprogrammiert? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu "Trident Juncture":

Warum übt die NATO wieder in diesem Ausmaß?

Ziel ist es, ein Signal der Abschreckung an Russland zu senden und für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Verbündeten Beistand leisten. "Trident Juncture wird die klare Botschaft aussenden, dass wir bereit sind, alle Bündnispartner gegen jegliche Gefahr zu verteidigen", sagt NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Um glaubhaft abschrecken zu können, müsse man die Stärke des Bündnisses zeigen. Das Manöver ist laut Stoltenberg aber nicht gegen Russland gerichtet. Demnach haben Russland und Weißrussland auch die Einladung der NATO angenommen, Beobachter zu "Trident Juncture" zu schicken.

Seit wann wird Russland wieder als Gefahr gesehen?

Das Jahr der Wende war 2014. Damals begann der von Russland befeuerte Krieg in der Ostukraine, den Russland auch nutzte, um sich die ukrainische Halbinsel Krim einzuverleiben. Seit diesen Ereignissen drängen vor allem östliche Bündnispartner darauf, sich wieder besser für den Bündnisfall zu wappnen. Es könne nicht mehr ausgeschlossen werden, dass Russland auch in einem NATO-Land für Unfrieden oder sogar Krieg sorgen könnte, lautet die Argumentation.

Ist diese Gefahr wirklich gegeben?

Das ist umstritten. Während Polen sowie die Ex-Sowjetrepubliken Lettland, Litauen und Estland von einer tatsächlichen Bedrohung ausgehen, sind Deutschland und auch führende NATO-Militärs entspannter. Sie sehen keine Anzeichen dafür, dass Russland einen Angriff auf einen NATO-Staat plane. Um dennoch für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, wird seit 2014 allerdings wieder stark aufgerüstet und wieder deutlich mehr geübt. Russland empfindet das als Provokation, obwohl es selbst zuletzt riesige Manöver abhielt.

Was ist das Szenario der NATO-Übung?

In der ersten Runde von "Trident Juncture" werden von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete "südliche Kräfte" einen Angriff von "nördlichen Kräften" abwehren. Letztere sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario nach Bündnisangaben dann einen Gegenangriff der "südlichen Kräfte" auf die "nördlichen Kräfte" vor.

Spielen auch offensive Cyberwaffen eine Rolle?

Das ist offen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bestätigte am Mittwoch lediglich, dass es einen Cyber-Teil in dem Manöver geben werde. Details wollte er allerdings nicht nennen.

Deutschland schickt 10.000 Soldaten. Ist das Zufall?

Nein. Für die deutsche Bundeswehr ist die Großübung eine besondere Bewährungsprobe. Sie übernimmt im kommenden Jahr die Führung der schnellen, im Zuge der Ukraine-Krise aufgestellten NATO-Eingreiftruppe VJTF (Very High Readiness Joint Task Force). In Norwegen soll sie unter Beweis stellen, dass sie für die Aufgabe gerüstet ist. Für Deutschland ist das Manöver zudem eine Gelegenheit, Donald Trump zu demonstrieren, dass es bereit ist, mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas zu übernehmen.

Was sagt Russland zu der Übung?

Die Regierung in Moskau vertritt die Meinung, das Großmanöver der NATO trage weiter zur Destabilisierung in der Region bei. Nach Beginn des Manövers kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, dass er seine Armee und Flotte weiter modernisieren wolle. "Russland bedroht niemanden. Wir erfüllen strikt die Verpflichtungen im Bereich der internationalen Sicherheit und Rüstungskontrolle", so Putin.

Die russische Seite werde es sich nicht nehmen lassen, im Gegenzug ebenfalls aufzurüsten und Militärmanöver zu starten, hatte zuvor der Linken-Bundestagsabgeordnete Alexander Neu prognostiziert. Die gesamte Übung sei "eine einzige Provokation und Drohgebärde gegenüber Russland". Neu verwies zudem darauf, dass die NATO-Staaten zuletzt mehr als 14-mal so viel Geld für die Verteidigung ausgegeben hätten wie Russland.

Wann gab es zuletzt eine größere NATO-Übung?

Die letzten Manöver, die größer waren als "Trident Juncture 2018", gab es vor der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991. Damals gab es unter anderem noch die Manöverreihe "Return of Forces to Germany" (Rückkehr von Streitkräften nach Deutschland). An ihr waren bis zu 125.000 Soldaten beteiligt - im Jahr 1990 immerhin noch über 57.000.

Und Russland?

An dem jüngsten russischen Großmanöver im Osten des Landes (Wostok 2018) sollen nach Angaben aus Moskau knapp 300.000 Soldaten teilgenommen haben. In NATO-Kreisen wird die Zahl als stark überzogen bezeichnet - größer als "Trident Juncture" dürfte die Übung aber allemal gewesen sein. Das jüngste große Manöver im Westen Russlands war Sapad 2017. Dabei gab Russland die Teilnehmerzahl mit 12.700 Soldaten an, nach westlichen Zählungen waren es allerdings 60.000 bis 80.000.

(APA/dpa)

(Quelle: S24)

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