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Neuer Leiter der "Klangspuren" will Publikum verjüngen

Der designierte Leiter der "Klangspuren Schwaz", Reinhard Kager, hat die Verjüngung des Publikum als ein für ihn wichtiges Ziel definiert. Darüber hinaus will er, dass das Festival zukünftig verstärkt auf politische Entwicklungen Bezug nimmt und darauf reagiert, wie Kager am Freitag im APA-Gespräch erklärte. Im September 2019 soll all das unter dem Motto "Risse" angegangen werden.

Es wirkte wie eine Art Staffelübergabe und Auftrag an den "Neuen" zugleich, als Matthias Osterwold, derzeit noch künstlerischer Leiter des Festivals, bei einer Pressekonferenz davon sprach, dass man, was junge Hörer betreffe, "noch nicht ganz am Ziel" sei. Besonders schmerzhaft war diese Tatsache für Osterwold dabei offenbar bei dem Konzert der Band "Steamboat Switzerland" im Rahmen der diesjährigen Klangspuren. Einem jungen Publikum hätte das Konzert nämlich gefallen, war sich Osterwold sicher.

Ideen wie das junge Publikum verstärkt zum Klangspuren-Publikum werden könnte, hat indes Reinhard Kager parat, der Osterwold bald beerben wird. "Improvisierte Musik hat eine Art von unmittelbarer Sinnlichkeit und ist daher womöglich für junge Menschen gut zugänglich", sagte Kager. Als Novität will er deshalb neben dem altbewährten "Composer in Residence" künftig auch einen international ebenso renommierten "Improviser in Residence" zu den "Klangspuren" nach Schwaz bringen. Auch an den Schulen will er stärker andocken und auf diese Improvisationsschiene und das Festival insgesamt noch stärker aufmerksam machen. "An drei bis vier Tagen möchte ich jedenfalls gebündelt mit experimenteller improvisierter Musik ein junges Publikum anziehen", sagte Kager programmatisch.

Aber nicht nur der Improvisation, in der laut dem künftigen Leiter auch kompositorische Elemente Platz haben werden, sondern auch die Haltung der "Klangspuren" zu den "derzeitigen politischen Entwicklungen" wird unter seiner Leitung eine größere Rolle spielen. Da man es derzeit mit einem "sozialen Erosionsprozess" zu tun habe und der "Friede seit dem Ende des Kalten Krieges noch nie so bedroht gewesen ist wie heute", dürfte man davor "nicht die Augen verschließen". Die Musik der 2019er-Ausgabe der "Klangspuren" soll die titelgebenden "Risse" nicht "vergrößern" oder als "Spachtel" fungieren, sondern über die "Ursachen der Risse reflektieren" und Reflexionsprozesse anregen. Erreichen möchte Kager das unter anderem mit der "nachdenklichen und strukturell vielschichten Musik" von Mark Andre.

Neben diesen neuen Akzenten versprach er aber auch einiges an Kontinuität. "Es gibt viele Schnittpunkte in unserer ästhetischen Auffassung", sagte Kager und merkte auch an, dass er bereits seit 1997 "begeistert vom Festival" sei und dieses auch stets journalistisch und kritisch begleitet habe. Auch Osterwold würdigte seinen Nachfolger als "guten, kritischen und engen Begleiter des Festivals". Er sei froh, dass Kager ausgewählt worden sei. "Jetzt müssen Sie auf die andere Seite des Tresens gehen", übergab Osterwold scherzhaft jetzt schon sein Amt an den freiberuflichen Journalisten und Autor Kager, der früher auch Leiter der Hörfunkredaktion Neue Musik/Jazz im Südwest Rundfunk (SWR) war.

(APA)

Aufgerufen am 12.12.2018 um 06:42 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/neuer-leiter-der-klangspuren-will-publikum-verjuengen-60257068

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