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Niki-Isolvenz: Flugbetrieb eingestellt

Die Lufthansa will Niki nun doch nicht übernehmen. APA/dpa/Marcel Kusch
Die Lufthansa will Niki nun doch nicht übernehmen.

Die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki ist nach Angaben der Berliner Justiz zahlungsunfähig. Die deutsche AUA-Mutter Lufthansa hat die geplante Übernahme von Niki aufgegeben. Auch ein anderer Käufer sei kurzfristig nicht gefunden werden. Der Flugbetrieb von Niki werde eingestellt. 1.000 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Die Lufthansa hat bereits Zugeständnisse gemacht, vor allem einen Verzicht auf bestimmte Start- und Landerechte. Das hat der EU-Kommission nicht gereicht. Die deutsche Bundesregierung - die federführend dabei war, mithilfe der Lufthansa den Flugbetrieb der Air Berlin bis zu deren Einstellung Ende Oktober aufrechtzuerhalten - rechnete bereits mit der Insolvenz. "Alternative Käufer für Niki standen und stehen bis heute nicht zur Verfügung, trotz allerlei öffentlicher Ankündigungen und intensiven Bemühens des Generalbevollmächtigten von Air Berlin", sagte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert.

Rasches Handeln ist notwendig

Laut dem Insolvenzexperten Alexander Klikovits vom Kreditschutzverband (KSV) war rasches Handeln gefordert. Wenn die Finanzierung wegfalle, "ist das Insolvenzrecht eindeutig, wo es heißt, dass ohne schuldhaftes Zögern Insolvenz zu beantragen ist", so Klikovits. Dass die Niki Luftfahrt GmbH als im österreichischen Firmenbuch eingetragene Gesellschaft in Deutschland und nicht in Österreich Insolvenz beantragt, ist laut Experten nach Regeln für internationale Insolvenzverfahren möglich, aber in der Praxis sehr selten.

Übernahme "aktuell nicht genehmigungsfähig"

Die Kommission habe "klar signalisiert", dass eine Übernahme und Integration von Niki in die Lufthansa-Tochter Eurowings "aktuell nicht genehmigungsfähig ist. Auf Basis dieser Einschätzung wird eine Übernahme von Niki durch Eurowings nicht weiterverfolgt", schrieb die Lufthansa Mittwochnachmittag in einer Aussendung. Die Lufthansa ist Mutterkonzern der österreichischen AUA (Austrian Airlines).

Flugzeuge bleiben am Boden

Der Flugplan hat seine Wirksamkeit verloren, teilte Niki am Abend mit. Schmerzhaft ist der Schritt für die Belegschaft: 1.000 Beschäftigte von Niki verlieren ihren Arbeitsplatz. Damit ist das worst-case-Szenario kurz vor Weihnachten Wirklichkeit geworden.

Lackmann: "Nationales Desaster für Österreich"

Damit fehlte der Niki Luftfahrt GmbH das Geld, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, auch mit der Fortbestandsprognose war es vorbei. Der Insolvenzantrag war daher alternativlos, bedauerte Niki am Abend.

Von einem "nationalen Desaster für Österreich" sprach der Geschäftsführer von Niki, Oliver Lackmann.

Am Abend gab es weitere Sitzungen. Die Niki-Mitarbeiter werden demnächst auf Betriebsversammlungen informiert, was die nächsten Schritte sind. Hier wurde im Vorfeld der befürchteten Entwicklung bereits über Stiftungen geredet. Details zur Insolvenz, etwa auch zur Schuldenhöhe, gab es vorerst noch nicht.

Lufthansa-Tochter AUA holt Niki-Passagiere ab

Verunsicherte Passagiere der Airline können damit rechnen, dass sie - wohl mit Flugzeugen der Lufthansa-Tochter AUA - aus dem Ausland nach Österreich zurückgeholt werden, wenn ihre Rückflüge abgesagt werden. Darauf habe man sich in der Regierung am Mittwochnachmittag verständigt, verlautete vom Verkehrsministerium zur APA.

Sollten Niki-Passagiere zurückgeholt werden müssen, "würde die Regierung dies bei der AUA, oder auch bei anderen Fluggesellschaften, in Auftrag geben", hieß es vom Verkehrsressort. Der Bund würde vorfinanzieren. "Wie man sich schadlos hält, muss im Detail noch geklärt werden." Es sei jedenfalls ein Signal ausgesandt, "wenn Leute im Ausland gestrandet sind, dass sie nach Hause kommen."

Niki Lauda hat Interesse an Übernahme

Wie es nun weiter geht, ist offen. Niki Lauda, der einst die Airline gegründet und später an Air Berlin verkauft hat, hat sich jedenfalls bereits interessiert gezeigt, Niki aus der Insolvenz heraus übernehmen zu wollen, wie er zur APA sagte. Daneben könnten - trotz der bisher erfolglosen Gespräche und zwischenzeitlichen Absagen - erneut die Großkonzerne IAG (British Airways, Iberia, Vueling) und Thomas Cook (Condor) Interesse an Niki und den wertvollen Slots haben.

Die EU-Wettbewerbshüter bezeichneten das zurückgezogenen Übernahmeangebot der Lufthansa als "bedauerlich". "Zumal dies nicht das einzig mögliche Resultat seit Beginn des Verkaufsprozesses war", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. "Es ist nun am Air-Berlin-Insolvenzverwalter, die nächsten Schritte zu bestimmen."

(APA)

(Quelle: S24)

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