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Novomatic/Casinos: BWB-Chef für rasche Klärung

Zwischenzeitlich hat Novomatic bei BWB-Chef Thanner vorgefühlt Salzburg24
Zwischenzeitlich hat Novomatic bei BWB-Chef Thanner vorgefühlt

Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ist verstimmt, weil sie vom geplanten Einstieg des niederösterreichischen Glücksspielkonzerns Novomatic beim Erzrivalen Casinos Austria aus den Medien erfahren musste. Zwischenzeitlich hat Novomatic bei BWB-Chef Theodor Thanner vorgefühlt. Dieser will die Prüfung der Fusion nicht der EU-Kommission überlassen und bis Mitte Dezember für Klarheit sorgen.

"Sobald wir Unterlagen und Gutachten auf den Tisch haben, prüfen wir vier bis sechs Wochen. Das heißt, bis Mitte Dezember sage ich, was Sache ist", sagte Thanner der "Presse".

Derzeit findet in der Sache noch nicht einmal eine sogenannte Pränotifizierung statt, weil aufgrund der Syndikatsverträge bei den Casinos-Aktionären noch Zustimmungen ausstehen - wenn ein Aktionär verkaufen will, haben die anderen das Recht, die Anteile zum gleichen Preis selbst aufzukaufen; aktuell läuft die Frist bis Ende September.

Wenn der Deal durchgeht, kontrolliert Novomatic 55 Prozent an den Casinos Austria. Als erstes haben sich die Niederösterreicher die Anteile von Maria Theresia Bablik (16,8 Prozent) gesichert. Auch der von Josef Pröll geführte Mühlenkonzern Leipnik-Lundenburger Invest (LLI) sowie die UNIQA-Versicherung - beide gehören zum Raiffeisen-Reich - haben ihre Casinos-Aktien Novomatic zugesagt. Was die Vienna Insurance Group (VIG) macht, ist noch offen. Der Staat will seinen Drittel-Anteil vorerst halten, wie Martha Oberndorfer, Chefin der staatlichen Beteiligungsholding ÖBIB, gestern der APA sagte.

Thanner spart in diesem Zusammenhang nicht mit Kritik an Novomatic: "Nur am Rande: Wenn ich so ein Geschäft plane, vergewissere ich mich doch schon im Vorfeld, ob ich diese Zustimmungen tatsächlich bekomme. Sonst gehe ich nicht an die Öffentlichkeit."

Nun sehe es so aus, dass vermutlich alle zustimmen - bis auf die Grazer Wechselseitige. "Da scheint es noch offen", sagte der BWB-Chef. Die GraWe hält über ihre Tochter Schelhammer & Schattera (ehemalige Kirchenbank) 9,44 Prozent an den Casinos Austria.

Der Wettbewerbshüter bekräftigte auch, dass er den Fall an sich ziehen will. Aufgrund der hohen Umsatzzahlen der beiden Konzerne könnte der Fall bei der EU-Kommission landen. "Ja, das ist möglich, aber dann wird die BWB sagen, dass wir die Prüfung gern selbst machen würden", so Thanner. "Darauf haben wir keinen Anspruch, aber wir werden es versuchen, denn es wird spannend - und sehr politisch."

Thanner spielt damit auf die Novomatic-Aufsichtsräte aus der Politik an. In dem Kontrollgremium sitzen die Wiener ÖVP-Gemeinderätin Barbara Feldmann sowie Martina Flitsch, Kanzleipartnerin des SPÖ-Justizsprechers Hannes Jarolim.

Thanner: "Rot-Schwarz ist gut vertreten. Und dann gibt es noch das Engagement der Grünen, die finden, man muss mit dem Automatenwesen aufhören. Also in der Sache ist viel Bewegung drinnen. Gerade deshalb bin ich für ein rasche Klärung."

Auch in der Vergangenheit hatte Novomatic Polit-Promis engagiert. Der nunmehrige EU-Kommissar Johannes Hahn war von 1997 bis 2003 während seiner Zeit als Wiener Landtagsabgeordneter (ÖVP) Novomatic-Vorstand. Der frühere SPÖ-Innenminister Karl Schögl wiederum saß von 2004 bis 2011 im Aufsichtsrat des Glücksspielkonzerns. Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer gehört laut "Falter" bis heute zum Beraterstab.

In dem Fusionskontrollverfahren will Thanner auch mit den holländischen Wettbewerbshütern Kontakt aufnehmen, denn diese prüften dort derzeit mit der Fusion von Netherlands Staatsloterij und De Lotto einen ähnlich Fall wie Novomatic/Casinos, so Thanner zum "WirtschaftsBlatt". Weiters werde sich die BWB den Bereich Arbeitsplätze ansehen, denn "Fusionen können dazu führen, dass Arbeitsplätze abgebaut werden."

Im ersten Halbjahr 2015 hat Novomatic dank Akquisitionen mehr umgesetzt, aber etwas weniger verdient. Der Umsatz stieg um 5 Prozent auf 988,2 Mio. Euro, während sich der Periodenüberschuss um 0,5 Prozent auf 103,5 Mio. Euro verringerte. Operativ war Novomatic von Jänner bis Juni ein bisschen schwächer unterwegs. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging um 3,3 Prozent auf 161,8 Mio. Euro zurück, geht es dem Mittwoch veröffentlichten Finanzbericht hervor.

(Quelle: S24)

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