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Österreichs Film verliert mit Peter Kern seinen Exzentriker

Kern starb im Alter von 66 Jahren Salzburg24
Kern starb im Alter von 66 Jahren

Der österreichische Film hat mit dem Tod des Schauspielers und Regisseurs Peter Kern seinen Exzentriker verloren: Der Wiener ist Mittwochfrüh im Alter von 66 Jahren in einem Krankenhaus seiner Heimatstadt verstorben, teilten enge Freunde mit. Die Nachricht löste in der heimischen Kulturszene Trauer und Betroffenheit aus.

Kern hatte unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder ("Despair", "Faustrecht der Freiheit" und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel"), Peter Zadek ("Die wilden Fünfziger") und Wim Wenders ("Falsche Begegnung") gedreht. Zuletzt hatte er im Frühjahr auf der Berlinale den Dokumentarfilm "Der letzte Sommer der Reichen" präsentiert. Der Filmemacher sei seit langem sehr krank gewesen, sagten Freunde. Dennoch kam sein Tod für viele andere überraschend.

Der schillernde Filmemacher und Autor wurde in einer Biografie als "einer der wenigen verbliebenen Widerständler, Polemiker, Nein-Sager" beschrieben. Der am 13. Februar 1949 geborene Kern hatte als Wiener Sängerknabe erste öffentliche Auftritte und war Ende der 60er- bis Anfang der 70er-Jahre mit dem Musical "Hair" auf Tournee. Der schwergewichtige und homosexuelle Schauspieler trat auch in Rosa von Praunheims Stricher-Doku "Die Jungs vom Bahnhof Zoo" auf.

Mittelmaß und Mainstream war nie die Sache des schwergewichtigen Künstlers. Und mit politischen Aktionen eckte er gerne an - etwa 2002 mit der Science-Fiction-Filmsatire "Haider lebt - 1. April 2021". Von der Kärntner FPÖ gab es damals heftige Proteste wegen der im Film enthaltenen Ermordung Jörg Haiders. An die 30 Filme drehte Kern als Schauspieler, fast ebenso viele verantwortete er als Regisseur. Bei "Eine Handvoll Vergnügen - Crazy Boys" führte Kern 1986 erstmals selbst Regie. Es folgten das dokumentarisch anmutende Porträt eines 15-jährigen Strichers, "Gossenkind" (1992), sein Publikumserfolg "Domenica" (1993) und der Streifen "Knutschen, Kuscheln, Jubilieren" (1998) über das Leben alternder Schwuler. In den vergangenen Jahren war er etwa mit "Donauleichen" (2005) oder "Mörderschwestern" (2010) in der europäischen Festivallandschaft unterwegs.

Die Porträtdoku "Kern" von Severin Fiala und Veronika Franz fing 2012 die rauen und weichen Seiten des exzentrischen Schauspielers und Filmemachers ein. "Großer Egomane" trage er als Ehrentitel, hatte 2010 bei einer Preisverleihung in Wien Laudator Helmut Schödel beschieden, der in der "Süddeutschen Zeitung" auch die Todesnachricht verkündete: "Er war einer der letzten Dinosaurier des Autorenfilms, ein zentnerschweres Gesamtkunstwerk."

Mit Kern verlasse "einer der ganz Großen die Bühne des österreichischen Films", erklärte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) am Donnerstag. Er sei ein "höchst universeller Künstler" gewesen. "In den letzten Jahren drehte er mehrere viel beachtete Autorenfilme, die sich ungeschönt und offen mit den gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart auseinandersetzten." Kerns kritischen Geist sowie seine Beiträge zur kulturpolitischen Diskussion werde man "schmerzlich vermissen", sagte Ostermayer.

"Peter Kern war einer, der die Freiheit und die Möglichkeiten der Kunst bis über die Grenzen gesellschaftlicher Konventionen hinweg auslotete. Als Filmemacher legte er häufig den Finger in die Wunden gesellschaftlicher und persönlicher Abgründe, als Künstler überzeugte er durch Mut und Detailgenauigkeit, als Bürger meldete er sich lautstark zu Wort - oft mit fast heiligem Zorn gegen politische und kulturpolitische Missstände", konstatierten die beiden Grünen Kultursprecher Wolfgang Zinggl (Bund) und Klaus Werner-Lobo (Wien).

Das Österreichische Filminstitut würdigte den Künstler ebenfalls: "Er war einer der letzten seiner Generation, ein kompromissloser Filmemacher, besessen und beseelt vom Kino. Mit Peter Kern verliert der österreichische Film eine seiner aufrechtesten und streitbarsten Stimmen, die unserem Filmschaffen Farbe, Kraft und Charakter gegeben hat."

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 10.04.2021 um 01:08 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/oesterreichs-film-verliert-mit-peter-kern-seinen-exzentriker-48183502

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