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ÖVP-Absolute in NÖ, Grüne und NEOS drinnen

Spitzenkandidaten Johanna Mikl-Leitner freut sich mit Erwin Pröll über den Wahlsieg in Niederösterreich. APA/HELMUT FOHRINGER
Spitzenkandidaten Johanna Mikl-Leitner freut sich mit Erwin Pröll über den Wahlsieg in Niederösterreich.

Das vorläufige Ergebnis der Landtagswahl in Niederösterreich vom Sonntag steht fest. Demnach holte die ÖVP 49,64 Prozent der Stimmen und mit 29 Sitzen die absolute Mandatsmehrheit. Die SPÖ konnte dezent zulegen und belegte mit 23,92 Prozent klar den zweiten Platz vor der FPÖ, die stark zulegte. Grüne und NEOS schafften den Einzug in das Landesparlament.

Beim vorläufige Endergebnis - inklusive Briefwahl und Wahlkarten aus dem eigenen Wahlkreis - fehlen lediglich die am Sonntag in fremden Wahlkreisen abgegebenen Wahlkarten. Derer Zahl ist gering (2013 waren es lediglich 1.574 Stimmen). Sie werden am Dienstag ausgezählt und bringen (auch laut Wahlkarten-Prognose von SORA/ORF) keine bedeutende Änderung mehr.

Gegenüber 2013 bedeutet das Ergebnis für die ÖVP einen leichten Verlust von 1,15 Prozentpunkten. Die SPÖ schaffte - ausgehend vom historischen Tiefststand - ein Plus von 2,35 Prozentpunkten und hält künftig weiterhin bei 13 Mandaten.

Die FPÖ legte stark zu und erzielte mit einem Plus von 6,55 Punkten 14,76 Prozent der Stimmen. Damit verfehlte sie zwar klar das Wahlziel des Rekordergebnisses von 1998 (16,1 Prozent), verdoppelte aber ihre Mandatszahl und kommt künftig auf acht Abgeordnete.

Die Grünen schafften mit 6,42 Prozent (-1,64) den Verbleib im Landtag und halten bei drei Sitzen - einem weniger als bisher.

Geschafft haben den Einzug bei ihrem erstmaligen Antreten die NEOS: Sie kamen auf 5,15 Prozent der Stimmen und wie die Grünen auf drei Mandate.

An Regierungssitzen hält die ÖVP wie bisher sechs Landesräte, die SPÖ bleibt bei zwei. Der neunte Sitz geht an die FPÖ (bisher Team Stronach).

 

Landtagswahl in Nieder?sterreich - Gemeindeergebnisse Salzburg24
Landtagswahl in Nieder?sterreich - Gemeindeergebnisse

Mikl-Leitner in "tiefer Dankbarkeit"

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat nach der ersten Hochrechnung tief durchgeatmet und festgestellt, alles erst "realisieren" zu müssen. "Ich empfinde in dieser Stunde der Freude ganz tiefe Dankbarkeit für den Vertrauensvorschuss", den ihr die Landsleute gegeben haben, lautete ihre erste Reaktion. Das sei eine Bestätigung des Kurses und "ein wunderschönes Gefühl".

Vorgänger Erwin Pröll gratulierte Mikl-Leitner "aus tiefstem Herzen und mit ganz, ganz großer Freude". Er sprach von einem bravourösen und fehlerfreien Wahlkampf, den die Landeshauptfrau geführt habe. Prölls Resümee: "Niederösterreich bleibt weiter auf einem guten Weg."

Niederösterreich ist und bleibt schwarz

Niederösterreich ist mittlerweile "DAS schwarze Kernland". Inklusive heute holte sich die ÖVP in zwölf der 16 Landtagswahlen seit 1945 mehr als die Hälfte der Stimmen - und in zwei Fällen hielt sie trotz 40er-Resultaten die absolute Mehrheit der 56 Landtagsmandate. Die NÖ VP war also 14 von 16 Perioden mit einer absoluten Mehrheit im Landtag ausgestattet. Tatsächlich einen Koalitionspartner brauchte die Volkspartei nur von 1993 bis 2003 - das war die SPÖ, und Pröll behielt auch danach freiwillig schwarz-rote Arbeitsübereinkommen bei.

Landtagswahl in Nieder?sterreich 2018 Salzburg24
Landtagswahl in Nieder?sterreich 2018

Mikl-Leitner vor Wahl mit Understatement

Welch ein Ausnahmefall Niederösterreich ist, zeigt auch die Tatsache, dass selbst das schlechteste ÖVP-Ergebnis im Lande - 44,23 Prozent im Jahr 1993 - noch deutlich besser ist als die derzeitig stärksten Landtagsergebnisse in den anderen Bundesländern: In Vorarlberg liegt die ÖVP Markus Wallners knapp unter 42 Prozent, ebenso im Burgenland die SPÖ Hans Niessls. In - wohl nicht ganz unbewusstem - Understatement hatte Mikl-Leitner vor der Wahl diese als Orientierungsmarke für sich genannt.

Mit der "Pause" für die Absolute von 1993 bis 2003 war Niederösterreich auch alles andere als allein: Damals purzelten reihum die zuvor in den meisten Ländern gehaltenen Absoluten, weil die FPÖ unter Jörg Haider stark wuchs. Erst mit dem Einbruch der FPÖ während ihrer Beteiligung an Schwarz-Blau I - von 2000 bis 2006 - holte sich die ÖVP in Niederösterreich, Vorarlberg und Tirol sowie die SPÖ im Burgenland und in Wien die Absolute wieder zurück.

In der Regel aber nur für kurze Zeit: Denn nach der Wiederbelebung der großen Koalition verloren SPÖ und ÖVP wieder an Wählerzuspruch - und die FPÖ (jetzt unter Bundeschef Heinz-Christian Strache) erholte sich.

Somit gingen außer jener in NÖ auch alle Absoluten wieder verloren: Als erstes büßte 2008 Herwig van Staa mit der ÖVP in Tirol - wegen der starken Konkurrenz Fritz Dinkhausers - ihre 2003 wiedereroberte Mandats-Absolute ein. 2010 fielen die beiden roten Absoluten, die Hans Niessl im Burgenland (2005, sogar in Prozent) und Michael Häupl in Wien (2001 und 2005, in Mandaten) unter Schwarz-Blau zurückgeholt hatten. 2014 schaffte dann in Vorarlberg der neue LH Wallner keine 50 Prozent mehr, was zuvor Sausgruber 2004 und 2009 noch gelungen war.

Absolute Mehrheiten bei Landtagswahlen Salzburg24
Absolute Mehrheiten bei Landtagswahlen

Weitere Landtagswahlen in Österreich

Ob Schwarz-Blau II der FPÖ (gegen deren Erwartung) doch wieder Einbußen in der Wählergunst beschert, kann man angesichts des NÖ-Ergebnisses noch nicht sagen. Denn dort wuchs die FPÖ zwar stark - weil sie 2013 wegen dem Team Stronach sehr schwach abgeschnitten hatte -, blieb aber klar unter ihren Erwartungen. Denn sie erlebte zuletzt noch ein Wahlkampffiasko - mit der NS-Liederbuchaffäre der Germania, einer Burschenschaft, bei der Spitzenkandidat Udo Landbauer mehrere Jahre lang Vizeobmann war.

Bis zum April wählen noch Tirol, Kärnten und Salzburg ihre Landtage - und dann wird man wohl schon besser wissen, wie sich die neuen Rollen im Bund (ÖVP und FPÖ in der Regierung, SPÖ in der Opposition) auswirken.

Glückwünsche aus Salzburg

„Herzliche Gratulation an Johanna Mikl-Leitner zu einem grandiosen Resultat. Sie tritt nahtlos in die Fußstapfen von Erwin Pröll. In der heutigen Zeit ist ein solches Ergebnis alles andere als selbstverständlich. Der hohe Zuspruch beweist auch, dass sie von Anfang an ihre Aufgaben als Landeshauptfrau erfolgreich und im Sinne der Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher  gemeistert hat. Großen Respekt an Sie und Ihr Team für einen sehr engagierten und vor allem respektvollen Wahlkampf. Ich wünsche ihr alles Gute für die kommenden Aufgaben und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit", so Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

(APA/SALZBURG24)

(Quelle: S24)

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