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Offenbar schwerste Luftangriffe auf Aleppo seit Monaten

Auf die syrische Stadt Aleppo sind in der Nacht auf Donnerstag offenbar die schwersten Luftangriffe seit Monaten geflogen worden. Einen solch heftigen Beschuss habe es seit April nicht gegeben, teilten Rebellen mit. "Es gab keine Waffe, die sie nicht genutzt haben", so der Chef des politischen Arms der Rebellengruppe Fastakim. Die Vereinten Nationen nehmen indes die Hilfslieferungen wieder auf.

Ein Vertreter einer weiteren Rebellengruppe sprach von allein 15 Angriffen auf zwei Gebiete der Stadt. Die in Großbritannien ansässige "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" teilte mit, dass es in den beschossenen Stadtteilen in jüngster Zeit keine Kämpfe gegeben habe. Von der syrischen Armee gab es zunächst keine Stellungnahme. Auch in Staatsmedien wurden die Luftangriffe nicht erwähnt.

Gefechte auch am Donnerstag fortgesetzt

Nach den Luftangriffen in der Nacht auf die von Rebellen kontrollierten südwestlichen Stadtteile sind die Gefechte auch am Donnerstag fortgesetzt worden. Dabei kamen nach Angaben von Aktivisten offenbar auch Brandbomben zum Einsatz. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, brachen durch die nächtlichen Bombardierungen mehrere Feuer aus. Helfer versuchten, die Brände zu löschen. Zahlreiche Gebäude wurden durch die Detonationen beschädigt.

Nach Angaben eines örtlichen Politikers wurden unterdessen am Donnerstag sechs Menschen, darunter fünf Kinder, in der türkischen Grenzstadt Kilis von einer aus Syrien stammenden Rakete verletzt. Hierbei soll es sich um den ersten solchen Angriff gehandelt haben, nachdem die von Ankara unterstützten Rebellen das Gebiet an der türkischen Südgrenze vom IS befreit haben.

Bei allen sechs Verletzten handle es sich laut Hasan Kara, dem Bürgermeister von Kilis, um syrische Staatsbürger, wie er dem Sender CNN berichtete. Kilis ist Heimat von einer beachtlichen Zahl an syrischen Flüchtlingen. Polizeiangaben zufolge stammte die Rakete aus einem vom IS kontrollierten Gebiet in Syrien. Seit Anfang des Jahres sollen insgesamt 21 Menschen durch solche grenzüberschreitenden Raketenangriffe getötet worden sein.

Die türkische Armee erwiderte daraufhin das Feuer und griff Stellungen des "Islamischen Staates" in Syrien an, wie das Militär in einer Stellungnahme erklärte.

Zwölf Zivilisten am Mittwoch getötet

Bei Luftangriffen am Mittwoch in Syrien wurden laut der Beobachtungsstelle mindestens zwölf Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder. Die Stelle mit Sitz in Großbritannien bezieht ihre Informationen aus einem Netzwerk von Informanten vor Ort; ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

US-Außenminister John Kerry forderte unterdessen, dass Kampfflugzeug-Einsätze von Russland und Syrien sofort eingestellt werden müssten. Nur so könne der Waffenstillstand gerettet und das "Gemetzel" beendet werden. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach sich am Rande der UNO-Generalversammlung in New York ebenfalls für ein Flugverbot aus. "Wenn der Waffenstillstand überhaupt noch eine Chance haben soll, dann führt der Weg nur über ein zeitlich begrenztes, aber vollständiges Verbot aller militärischen Flugbewegungen über Syrien - mindestens für drei, besser für sieben Tage."

Russlands Vizeaußenminister Sergej Rjabkow erteilte indes den Vorschlägen von Flugverbotszonen über bestimmten Gegenden in Syrien eine Absage. "Diese Initiative ist zumindest im Moment nicht umsetzbar", sagte Rjabkow am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Zunächst müssten die USA und ihre Partner Druck ausüben "auf jene Kräfte, die denken, dass nur Krieg das Problem lösen kann". Moskau sei derzeit nicht überzeugt, dass die Ideen von US-Außenminister Kerry funktionieren könnten.

Russland wolle am Syrienabkommen mit den USA festhalten, betonte Rjabkow. "Wir sehen die Vereinbarung als alternativlos. Natürlich sind aber die Chancen auf die Umsetzung des Abkommens gesunken." Er widersprach erneut Vorwürfen, russische Kampfbomber hätten einen UNO-Konvoi bei Aleppo zerstört. "Wir weisen das entschieden zurück", sagte der Vizeaußenminister.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte am Mittwoch die Entsendung des russischen Flugzeugträgers "Admiral Kusnezow" ins östliche Mittelmeer angekündigt. "Derzeit besteht der dortige Verband aus mindestens sechs Kampfschiffen und bis zu vier Versorgungsschiffen", teilte er mit. Anatoli Sitnow vom Verteidigungsministerium sagte, die "Admiral Kusnezow" sei "faktisch eine zweite Luftwaffenbasis".

Rebellen ziehen aus Homs ab

Unterdessen begann in Homs der Abzug von Rebellen. Wie Augenzeugen berichteten, machten sich etwa 120 Kämpfer und ihre Familien auf den Weg in von Rebellen gehaltenes Gebiet. Das ist Teil eines Abkommens mit der syrischen Regierung.

Die Vereinten Nationen nehmen nach 48 Stunden Pause die Hilfslieferungen für die Bevölkerung in Syrien wieder auf. Noch am Donnerstag werde sich ein Konvoi auf den Weg in belagerte Gebiete in der Nähe der Hauptstadt Damaskus machen, sagte ein UN-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters in Genf. Die Sicherheitslage sei je nach Region unterschiedlich.

Die UN wollen unterdessen einen Neustart für die festgefahrenen Genfer Syrien-Gespräche versuchen. Ziel sei es dabei, möglichst bald von separaten Gesprächen zu direkten Verhandlungen zwischen der Regierung und den Rebellen überzugehen, sagte der stellvertretende UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Ramzy Ezzeldin Ramzy, am Donnerstag vor Reportern in Genf.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon habe den Syrien-Sonderbeauftragten Staffan de Mistura um die Vorbereitung einer neuen Gesprächsrunde gebeten. De Mistura wolle dafür innerhalb der nächsten Wochen einen neuen Rahmenplan vorlegen und Vorgespräche mit den Konfliktgegnern führen.

Zuvor hätten die USA und Russland als Co-Vorsitzende der in New York tagenden Internationalen Syrien-Kontaktgruppe (ISSG) ihre Bereitschaft zur Durchsetzung der vereinbarten Waffenruhe bekräftigt, sagte Ramzy. Auch regionale Mächte seien in diese Bemühungen einbezogen und weitere Gespräche dazu im Rahmen der ISSG vorgesehen. "Es ist klar, dass die Wiederbelebung der Waffenruhe die Wiederaufnahme der Gespräche erheblich unterstützen würde", sagte De Misturas Stellvertreter.

(APA/dpa/ag.)

(Quelle: S24)

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