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Oscars: "La La Land" räumt ab - Panne um besten Film

Das war die Szene der Oscar-Nacht. Chris Pizzello/Invision/AP
Folgenschwerer Irrtum von Warren Beatty

Mit einer historischen Panne ist in der Nacht auf Montag die diesjährige Oscar-Verleihung zu Ende gegangen. Nachdem Faye Dunaway und Warren Beatty in der Kategorie bester Film zuerst "La La Land" als Sieger verkündeten, stellte sich wenig später heraus, dass eigentlich "Moonlight" gewonnen hatte. "La La Land" war dennoch der große Gewinner, holte die Romanze doch immerhin sechs Trophäen ab.

Beatty entschuldigte sich auf der Bühne für seinen peinlichen Fehler. Der 79-jährige US-Schauspieler hatte das falsche Kuvert in der Hand - jenes für die Kategorie "Beste Hauptdarstellerin", die zuvor "La La Land"-Schauspielerin Emma Stone für sich entschieden hatte. "Deshalb habe ich gezögert und Faye angesehen", erklärte ein sichtlich reuiger Beatty, "ich wollte mir keinen Scherz erlauben!" Ein seltener Schockmoment bei der Oscar-Verleihung.

Jüngster Oscar-Regisseur aller Zeiten

"La La Land"-Regisseur Damien Chazelle ist mit 32 Jahren der jüngste Filmemacher, der den Regie-Oscar gewann. Emma Stone holte die Auszeichnung für die beste Hauptdarstellerin. Bester Hauptdarsteller ist Casey Affleck ("Manchester by the Sea"). Enttäuschung hingegen für das Team von "Toni Erdmann": Die deutsch-österreichische Tragikomödie ging im Rennen um den Auslands-Oscar leer aus.

"Film über die Liebe"

In seiner Dankesrede erwähnte Chazelle brav sowohl seine Mitnominierten als auch sein Team, seine Familie und schließlich seine Lebensgefährtin. "Das ist ein Film über die Liebe", so Chazelle, "und ich hatte das Glück, mich zu verlieben, während ich diesen Film gedreht habe." In seinem dritten Spielfilm, einer Hommage an die Blütezeit der Filmmusicals, erzählt Chazelle von Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling), zwei verwandten Seelen in Los Angeles: Sie ist eine Barista, die vom Durchbruch als Schauspielerin träumt, er ein Pianist in Restaurants, der einen eigenen Jazzclub eröffnen will. Von Zurückweisungen verwundet, verlieben sich die beiden ineinander und bestärken sich in ihren Ambitionen - bis die Stadt der Träume ihre Beziehung auf eine harte Probe stellt.

Stone ist beste Schauspielerin

Stone hat ihre zweite Oscar-Chance direkt in einen Preis umgewandelt: 2015 war sie für "Birdman" in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin" nominiert. Im Rennen 2017 konnte sie sich gegen Mitfavoritinnen Isabelle Huppert ("Elle") und Natalie Portman ("Jackie") sowie Ruth Negga ("Loving") und Meryl Streep ("Florence Foster Jenkins") durchsetzen. Den Preis nahm sie sichtlich überwältigt von Vorjahresgewinner Leonardo DiCaprio entgegen. "Ich habe noch viel zu lernen und zu arbeiten - aber dieser Kerl ist ein wunderschönes Symbol dafür, diese Reise fortzuführen", sagte Stone in ihrer Dankesrede, "und dafür bin ich wirklich dankbar."

Affleck überzeugt in Drama

Den Preis als bester Schauspieler erhielt Casey Affleck. Er konnte mit seiner Darstellung eines wortkargen, traumatisierten Hausmeisters in Kenneth Lonergans erschütterndem Familiendrama "Manchester by the Sea" das prognostizierte Kopf-an-Kopf-Rennen mit Denzel Washington ("Fences") für sich entscheiden. Dem 41-Jährigen fehlten auf der Bühne des Dolby Theatre vorerst die Worte, ehe er Washington dankte, "der einer der Ersten war, die mir beigebracht haben, zu schauspielern und den ich heute Abend das erste Mal getroffen habe". "Ich wünschte, ich hätte etwas wichtigeres oder bedeutungsvolleres zu sagen", sagte Affleck u.a. vor den Augen seines älteren Bruders Ben Affleck, der im Publikum saß. "Ich bin einfach stolz, Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen."

"Toni Erdmann" geht leer aus

Als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde der iranische Beitrag "The Salesman" des Regisseurs Asghar Farhadi. "The Salesman" erzählt von einem Ehepaar, das nach einem brutalen Überfall auf die Frau nicht die Polizei einschaltet, sondern Selbstjustiz übt. Das Werk wird so zu einem Drama um Schuld, Vergebung, Würde und Moral. Für Farhadi ist es der bereits zweite Auslands-Oscar nach "Nader und Simin - Eine Trennung" 2012.

Maren Ades Erfolgsfilm "Toni Erdmann" mit Peter Simonischek in der Titelrolle hatte im Vorfeld lange als Favorit für den Preis gegolten. Nach dem von US-Präsident Donald Trump verfügten und später von US-Bundesgerichten wieder aufgehobenen Einreiseverbot für sieben mehrheitlich muslimische Länder war "The Salesman" jedoch vorgerückt - ist ein Preis für den Iran, der zu den betroffenen Ländern zählt, doch auch ein politisches Statement.

Farhadi besucht Verleihung nicht

Farhadi blieb der diesjährigen Gala aus Protest gegen die neue US-Einwanderungspolitik fern. Eine Vertreterin verlas auf der Bühne ein Statement des Regisseurs, der davor warnte, die Welt "in Kategorien von 'uns' und 'den Feinden' einzuteilen". Dies würde zu Furcht und in weiterer Folge zu Kriegen führen. "Diese Kriege verhindern Demokratie und Menschenrechte in Ländern, die ihrerseits bereits Opfer von Aggression waren."

Als beste Nebendarsteller wurden Mahershala Ali für seine Rolle im Film "Moonlight" und Viola Davis für ihre Rolle in "Fences" ausgezeichnet. Der 43-jährige Mahershala Ali nahm den Preis aus den Händen der Vorjahresgewinnerin Alicia Vikander entgegen und dankte seiner Ehefrau, die vor vier Tagen das erste gemeinsame Kind zur Welt brachte. "Ich will ihr dafür danken, dass sie während dieser ganzen Zeit (der Preissaison, Anm.) eine Kämpferin war, die mir geholfen und mich durch den ganzen Prozess hindurch getragen hat."

Sport-Doku räumt ab

Davis, die als erste schwarze Schauspielerin in der Oscar-Geschichte bereits drei Oscar-Nominierungen verbuchen konnte, nahm den Preis für ihre kraftvolle Darstellung im Familiendrama "Fences" unter Tränen entgegen. Die 51-Jährige war zuvor für "Doubt" (2008) und "The Help" (2011) im Oscar-Rennen gewesen und setzte sich nun gegen ihre Kolleginnen Naomie Harris ("Moonlight"), Nicole Kidman ("Lion"), Octavia Spencer ("Hidden Figures") und Michelle Williams ("Manchester by the Sea") durch. Auf der Bühne dankte sie u.a. "oh captain, my captain Denzel Washington", der bei "Fences" die Hauptrolle spielte und Regie führte. Sie sei Künstlerin geworden, "weil dies der einzige Beruf ist, der es feiert, was es heißt, ein Leben zu leben".

In der Dokumentarfilmsparte hat sich mit "O.J.: Made in America" der Favorit durchgesetzt. Die fast achtstündige Doku des Sportsenders ESPN zeichnet den Aufstieg und Fall des ehemaligen Sportstars und später des zweifachen Mordes beschuldigten O.J. Simpson vor dem Hintergrund von Rassismus und Starkult nach. Mit dem Disney-Trickfilm "Zoomania" gab es am Sonntagabend einen weiteren Favoritensieg bei der Oscar-Verleihung in der Kategorie "Bester Animationsfilm".

Stars laufen auf

Die Gala hatte mit einem musikalischen Einzug ins Dolby Theatre von Musiker und Schauspieler Justin Timberlake begonnen. Der 36-Jährige gab zum Auftakt mit Unterstützung zahlreicher Tänzer seinen Oscar-nominierten Ohrwurm "Can't Stop The Feeling" aus dem Animationsfilm "Trolls" sowie Bill Withers' Gute-Laune-Lied "Lovely Day" zum Besten und brachte die anwesenden Gäste im Saal damit zum Tanzen.

Politische Preisverleihung

Im darauffolgenden Eröffnungsmonolog thematisierte der erstmalige Oscar-Moderator Jimmy Kimmel sogleich die "polarisierte Gesellschaft" ob der politischen Lage in den USA. Würde jeder Zuseher aus den USA und all jenen Ländern, "die uns jetzt hassen", mit einer andersdenkenden Person ein konstruktives Gespräch führen, "können wir Amerika wieder großartig machen", sagte Kimmel in Anspielung an Donald Trumps Wahlkampfslogan "Make America Great Again". Überraschend dankte er Trump dann auch - freilich nur im Scherz: "Im Vorjahr schienen die Oscars rassistisch. Das ist jetzt dank ihm vergessen." In diesem Jahr "retten Schwarze die NASA und Weiße den Jazz", lästerte Kimmel in Bezug auf "Hidden Figures" und den nicht unumstrittenen Favoriten "La La Land".

Die von Trump als "absolut überbewertet" bezeichnete Meryl Streep begrüßte Kimmel mit einem besonderen Applaus. Die anwesenden Stars gaben ihr spontan stehende Ovationen. Den Siegern riet Kimmel, sich zu freuen, schließlich bekämen sie die Chance, dass der Präsident "in Großbuchstaben über sie twittert, wenn er morgen Früh um 5 Uhr Verdauungsprobleme hat".

(APA)

(Quelle: S24)

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