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Packende Wiederkehr von Bayreuther "Tristan" in Linz

Mit der Rekonstruktion einer Originalproduktion der Bayreuther Festspiele 1993 von Richard Wagners "Tristan und Isolde" hat das Linzer Opernhaus am Samstag die neue Saison eröffnet. Das Werk war im Landestheater Linz zuletzt vor 50 Jahren zu hören. Später gab es mehrere konzertante Aufführungen mit "Bayreuth-Flair" im Linzer Brucknerhaus.

In Kooperation mit der Opera de Lyon kam es nun im Linzer Musiktheater zu der mit Spannung erwarteten Wiederkehr. In Bayreuth sorgte der deutsche Dramatiker und Regisseur Heiner Müller (1929 - 1995) für eine 1993 viel diskutierte Interpretation der tragischen Liebesgeschichte. Er wurde dabei vom Bühnenbild Erich Wonders und den Kostümen von Yohji Yamamoto unterstützt. Sein damaliger Mitarbeiter Stephan Suschke betreute nach Lyon nun auch in Linz die neuerliche Begegnung mit der als Gesamtkunstwerk gepriesenen Inszenierung. Resümierend erweist sich die Deutung Heiner Müllers und seiner Mitarbeiter auch nach einem Vierteljahrhundert als zeitlos aktuell und packend.

Begleitet wird die Personenführung von den geometrischen Flächen des Bühnenbildes, weitgehend leeren Handlungsebenen und bedeutungsvoller Lichtführung. So steht das kalte Blau des 2. Aktes im Kontrast zur Hitze der Liebesbeziehung zwischen Tristan und Isolde. Eine Vielzahl in Reih und Glied aufgestellter Brustpanzer verweist auf die Beziehung zwischen Tristan und König Marke und damit auf den Einfluss des Herrschers auf den Vasallen. In diesem militärischen Umfeld wird bereits das Scheitern der Liebesnacht zwischen Tristan und Isolde deutlich. Die Begegnung der Liebenden - mit dem berühmtesten von vielen "Os" in dieser Oper: "O sink hernieder, Nacht der Liebe" - gehört zu den packendsten Szenen der Inszenierung. Dem steht aber auch eine Art von "Pieta" im Finale nicht nach, wenn Isolde den toten Geliebten in den Armen hält. Die Rekonstruktion der Bayreuther Inszenierung hält sich aber auch an kleinste Details einer insgesamt statischen Personenführung. Dazu gehört, dass weitgehend frontal zum Publikum bzw. zum Dirigenten gesungen wird.

Der Jubel des Publikums gehörte den Sängern, dem Orchester und allen voran dem Dirigenten. Markus Poschner am Pult des groß aufspielenden Bruckner Orchesters Linz leitete das Gesamtwerk schwungvoll, mit detaillierten Gesten für die Solisten und mit Gespür für den Wagner'schen Gesamtklang. Dass die Lautstärke des Orchesters gelegentlich die Sänger übertönte mag den Emotionen geschuldet sein. Als Tristan schonte sich Heiko Börner bei seinem Rollendebüt anfänglich noch, um jedoch im 2. und erst recht im 3. Akt heldisch zulegen zu können. Annemarie Kremer hatte als Isolde keine Schwierigkeiten an Innigkeit, Dramatik und strahlendem finalen Liebestod. Dshamilja Kaiser machte als Besetzung der Brangäne an diesem Abend diese kleinere Partie mit raumfüllender Stimme zum besonderen Kabinettstück. Aus dem Linzer Opernensemble bewährten sich Dominik Nekel als König Marke, Martin Achrainer als Kurwenal und Matthäus Schmidlechner als Melot. Hinter der Bühne ließ sich der Herrenchor des Landestheaters kraftvoll und rhythmisch sicher vernehmen.

Schlussendlich nahezu endloser Jubel des Publikums und fast schon zum Ritual gehörende, aber berechtigte Standing Ovations. Vor dem Opernhaus kamen per Public Viewing im ohnehin immer stark frequentierten Volksgarten weitere Zuschauer in den Kunstgenuss. Sessel und sogar Tische sowie Catering verleiteten an dem lauen Sommerabend zusätzlich zu den eingefleischten Opernfans auch zahlreiche Passanten zum andächtigen Zuschauen und -hören. So mancher Jugendlicher, der eigentlich mit Oper und noch dazu Wagner bisher nichts am Hut hatte, ließ sich "einfangen". Die langen Pausen ermöglichten ihnen und sogar den Besuchern im Saal kurze Ausflüge etwa zu Eisdielen in der Umgebung.

(APA)

Aufgerufen am 12.12.2018 um 07:58 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/packende-wiederkehr-von-bayreuther-tristan-in-linz-60208123

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