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Peter Pilz tritt ab: Wer ist der 63-Jährige?

Peter Pilz ist, wenn man so will, vom hohen Ross ziemlich tief gefallen. Noch vor zwei Tagen philosophierte der erfolgreiche Listengründer darüber, auch in den Bundesländern durchstarten zu wollen, nun schafft es der 63-Jährige nicht einmal in den Nationalrat. So lange hatte selbst Frank Stronach durchgehalten. Gestolpert ist Pilz über Vorwürfe sexueller Belästigung.

Zumindest in Grünen Kreisen galt der Kapfenberger schon seit Jahren vielen als Chauvinist, zumindest für Grüne Verhältnisse, wo besonders strenge Maßstäbe angelegt werden. Auch die von einer früheren Mitarbeiterin erhobenen Vorwürfe gegen Pilz zirkulierten intern seit längerem. Bewiesen sind sie freilich nicht, ebenso wenig wie angebliche Grapschereien des parlamentarischen "Dinosauriers" beim Forum Alpbach. Dennoch war dem Polit-Profi klar, dass für ihn angesichts der Art der Vorwürfe eine erfolgreiche Fortsetzung seiner Polit-Karriere unmöglich geworden wäre.

Pilz gehörte zur Gründer-Generation der Grünen

Für Pilz ist es ein besonders bitterer Tag, nicht nur weil die Beschuldigungen mit Sicherheit wohl für seine langjährige Ehefrau als auch für ihn selbst eine massive Belastung darstellen. Auch politisch hatte er in den vergangenen Monaten ein Hochrisiko-Spiel betrieben und schien es mit großem persönlichen Einsatz auch gewonnen zu haben. Die Grünen, die ihm nicht den gewünschten Listenplatz zugestanden hatten, waren aus dem Nationalrat geflogen, während er als One-Man-Show schnell eine eigene Partei aus dem Boden stampfte und trotz vergleichsweise geringer finanzieller Mittel und mangelnder TV-Präsenz knapp aber doch den Wiedereinzug in den Nationalrat schaffte.

Dass er nun aus dem Hohen Haus weicht, hat schon fast etwas Historisches. Pilz gehörte zur Gründer-Generation der Grünen. 1986 war er Mitglied des ersten Parlamentsklubs seiner Heimatpartei und verbrachte dort den Großteil seines politischen Lebens. Einzig in den 1990er-Jahren, als er auch kurz die Rolle des Grünen-Bundessprechers ausfüllte, pausierte Pilz, da er sich damals in der Wiener Landespolitik engagierte.

Kontrollor ohne Selbstkontrolle?

Pilz' Thema war stets die Kontrolle. Kaum ein Skandal, den er ausließ, um sich als Aufdecker in Szene zu setzen - ob Lucona, Baukartell oder in den vergangenen Jahren der Eurofighter, Pilz war stets an vorderster Front dabei. Begleitet von einer treuen Schar Unterstützer in diversen Medien bastelte er an seinem Image. Tatsächlich brachte Pilz gar nicht so selten interessante Details zu Tage, doch Beweise blieben nur allzu oft aus und Unschuldsvermutung schien für ihn ein Fremdwort.

Was zu Pilz' Erfolg beitrug, war seine geschliffene Rhetorik. Über Jahrzehnte gehörte er zu den besten Rednern der österreichischen Innenpolitik und wenn er mal seine Stimme zu einer Suada erhob, ging auch ganz gerne einmal unter, dass hinter den vorgebrachten Vorhaltungen nicht immer nur Substanz steckte.

Politische Karriere begann bei SP-Studenten

Die Politik liegt dem Doktor der Wirtschaftswissenschaften jedenfalls im Blut, er hat sie quasi von der Pike auf gelernt und später sein ganzes Berufsleben darin verbracht. Begonnen hatte alles bei den SP-Studenten, wo er rausgeschmissen wurde, sowie bei der Gruppe Revolutionärer Marxisten. Ein Parade-Ideologe ist er trotzdem nicht, sondern immer mehr Pragmatiker.

So war Pilz, der im übrigen den heutigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen als Wirtschaftsprofessor dereinst für seine damalige Partei entdeckte, einer jener Grünen, die das letztlich knapp gescheiterte Schwarz-Grün-Projekt vorantrieben. Zuletzt hat sich der langjährige Kämpfer für die Rechte der Kurden dem Widerstand gegen den politischen Islam verschrieben und wollte mit Linkspopulismus vor allem der FPÖ Wähler abspenstig machen. Allzu viel politische Korrektheit ist ohnehin nicht seines, wie er auch heute bei seiner Abgangspressekonferenz ganz offen kundtat.

Wie geht es mit der Liste Pilz weiter?

Dass sein Projekt nun von den Mitstreitern erfolgreich weiter entwickelt werden kann, ist zweifelhaft, schon gar nicht unter dem Namen Liste Pilz. Pilz selbst könnte sich in seine Gemeindebauwohnung zurückziehen, seine steirische Alm und seine Politikerpension genießen, mit seiner Band üben und sein Projekt Schwammerlbuch vorantreiben. Wirklich zuzutrauen ist ihm das aber nicht. Es wäre nicht verwunderlich, würde er künftig zumindest publizistisch als außerparlamentarischer Aufdecker die Öffentlichkeit suchen.

Zur Person: Peter Pilz, geboren am 22.1.1954 in Kapfenberg, verheiratet. Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Ab 1986 Abgeordneter zum Nationalrat, zwischen 1991 und 1999 Mitglied des Wiener Gemeinderats, seither wieder Nationalratsabgeordneter. Juli 2017 Austritt von den Grünen und Gründung einer eigenen Liste, mit der er bei der Nationalratswahl den Einzug in den Nationalrat schafft.

(APA)

(Quelle: S24)

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