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„Pfiat di Sackerl“ – ist das Plastiksackerl auch in Österreich bald Geschichte?

Ist das Plastiksackerl auch in Österreich bald Geschichte? APA/HELMUT FOHRINGER/Archiv
Ist das Plastiksackerl auch in Österreich bald Geschichte?

100 Milliarden Plastiksackerl werden jährlich in den EU Staaten verbraucht, 40 Tonnen Müll landen in der Donau und 7.000 Tonnen Plastiksackerl werden in Österreich in Umlauf gebracht. Eine traurige Bilanz, die im Jahr 2017 gezogen werden muss, verdeutlicht das fehlgeleitete Müllmanagement der Europäer.

Jeder der den Film „Plastic Planet“ gesehen hat weiß, dass der überdimensionale Gebrauch der praktischen Einwegtaschen eine ernsthafte Gefahr für unseren Planeten darstellt. Der allgemeinen Umweltbelastung, die durch Plastik entsteht, sollte schleunigst der Kampf angesagt werden. Denn diese wird zu einem erheblichen Teil, der Produktion und Verwendung von Plastiktaschen zugeschrieben. Seit Ende letzten Jahres müssen Konsumenten deshalb immer öfter auf Plastiksackerl verzichten.

Vermeidung von Tragetaschen in Supermärkten und Geschäften

Die von Greenpeace initiierte freiwillige Vereinbarung zur Vermeidung von Tragetaschen in den Jahren 2016 bis 2025 wurde von zahlreichen Supermärkten unterzeichnet. Die Lebensmittelbranche zeigte sich in der Forderung der Abschaffung von Plastiksackerl am engagiertesten. Eine erste Bilanz, die im März 2017 gezogen wurde, ergab bereits eine Reduktion von 89 Millionen Plastiksackerl. Das Jahr 2017 steht also ganz im Zeichen alternativer Verpackungsmethoden. Als Vorreiter gelten Deichmann, Hofer, Lidl u.a. Mit der Aktion, dass bei Deichmann ein Sackerl 10 Cent kostet, konnte der Verbrauch um mehr als die Hälfte reduziert werden. Der Erlös kam einem Projekt zur biologischen Vielfalt in der Oststeiermark zugute. Aus der Bilanz, die man Mitte des Jahres ziehen kann, ist zu schließen, dass sich hier viel getan hat. Zahlreiche Supermärkte haben den „Umweltteufel Plastik“ aus Ihrem Angebot gestrichen. Die bevorzugte Variante Plastiksackerl durch Einwegtragetaschen aus alternativem Material, wie beispielsweise Papier zu ersetzen, ist keine Lösung des eigentlichen Problems. Durch den hohen Energieverbrauch und die Tatsache, dass Papiertaschen auch meist nur einmal verwendet werden, ist hier keine bessere Ökobilanz aufzuweisen. Der einzige Ausweg aus der allgemeinen Plastikmisere lautet also – wiederverwendbare Tragetaschen. Bei Hofer wurde eine intelligente, kunstvolle Alternative gefunden: Tragetaschen aus recycelten PET-Flaschen. Das Design wurde von Künstlern wie Christian Ludwig Attersee und anderen Vertretern der Art Brut zur Verfügung gestellt.

Wie bekommen wir die Plastikflut in den Griff?

Als langfristiges Ziel, laut EU-Vorgaben gilt ein jährlicher Verbrauch von 40 Sackerl pro Person bis zum Jahr 2025. Ebenfalls in der Vereinbarung festgehalten ist, dass Tragetaschen nur noch kostenpflichtig erhältlich sind. In Irland führte die Umstellung einer Vergütung von 50 Cent pro Sackerl zu einer Reduktion von 90 Prozent innerhalb von 5 Monaten. Ca 700 Millionen Euro werden jährlich in Österreich für Plastiksackerl ausgegeben, eine Zahl, die vielleicht bald auf ein Minimum reduziert wird. Laut einer EU-Richtlinie sollen bis Ende 2018 Tragetaschen überhaupt nicht mehr kostenfrei erhältlich sein. Gemüse- bzw. Obstsackerl sind vorerst von der Regelung ausgenommen. Ein grundsätzliches Verbot und radikales Umdenken ist notwendig, um die Plastikflut in den Griff zu bekommen.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 28.10.2020 um 09:46 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/pfiat-di-sackerl-ist-das-plastiksackerl-auch-in-oesterreich-bald-geschichte-56426650

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