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Pistorius-Prozess geht in die zweite Runde

Oscar Pistorius droht eine deutliche Verlängerung seiner Haftstrafe. Richterin Thokozile Masipa, die den südafrikanischen Sprintstar wegen der Tötung seiner Freundin zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt hatte, machte am Mittwoch in Pretoria den Weg für ein Berufungsverfahren frei. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird nun geprüft, ob Masipa den Vorfall zu Recht als Totschlag einstufte.

Sollte das oberste Berufungsgericht den Vorfall - anders als die Richterin in erster Instanz - als Mord einstufen, könnte das Strafmaß deutlich erhöht werden. "Wir haben es hier mit keiner einfachen Angelegenheit zu tun", sagte Masipa. Sie könne nicht ausschließen, dass der Antrag der Staatsanwaltschaft beim Berufungsgericht Erfolg haben werde.

Mehrere Richter müssen nun den Fall prüfen, das kann mehrere Monate dauern. Es wird auch einige öffentliche Anhörungen geben, jedoch ohne die Vorladung von Zeugen.

Masipas Entscheidung vom September, Pistorius wegen Totschlags und nicht wegen Mordes zu verurteilen, hatte damals bei vielen Juristen, in den Medien und in der Bevölkerung Unverständnis ausgelöst. Der an beiden Beinen amputierte Ausnahmesportler, der neben den Paralympics auch an den regulären Olympischen Spielen teilnahm, hatte seine Lebensgefährtin in der Nacht auf den Valentinstag 2013 in seinem Haus durch die geschlossene Toilettentür erschossen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft handelte er bewusst nach einem Streit mit seiner Freundin.

Pistorius beteuert, hinter der Tür einen Einbrecher vermutet und in Panik geschossen zu haben. Er gab vier Schüsse ab.

Der 28-Jährige war nicht zu dem Gerichtstermin am Mittwoch erschienen. Seine Anwälte wollten sich nicht äußern. Vater Henke Pistorius zeigte sich enttäuscht. "Es hätte nicht so weit kommen sollen", sagte er. "Oscar ist stark", fügte er hinzu. "Es gibt viele Dinge im Leben, besonders für einen Mann wie ihn, die nicht gerecht sind." Der Anwalt von Barry und June Steenkamp, den Eltern des Opfers, sagte, diese wollten nichts mehr mit dem juristischen Verfahren zu tun haben und sich nicht dazu äußern.

Die Anklage zeigte sich zufrieden. "Unser Argument war, dass Pistorius wegen Mordes hätte verurteilt werden müssen und dann zu mindestens 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden wäre. Wir wünschen uns natürlich, dass dies passiert", sagte eine Vertreterin der Anklagebehörde. Auch andere Juristen begrüßten die Entscheidung.

(Quelle: S24)

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