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Polizei gibt den Namen des London-Attentäters bekannt

Ein islamistischer Hintergrund gilt mittlerweile als so gut fix. APA/AFP
Ein islamistischer Hintergrund gilt mittlerweile als so gut fix.

Einen Tag nach dem Anschlag im Londoner Regierungsviertel hat sich der Verdacht eines islamistischen Hintergrunds bestätigt. Premierministerin Theresa May sagte am Donnerstag, der Angreifer sei wegen "gewalttätigen Extremismus" im Visier des Geheimdienstes gewesen. Die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu dem Angriff mit vier Toten.

Bei Razzien nahm die Polizei mehrere Verdächtige fest. Die deutsche Bundesregierung ging davon aus, dass auch eine Deutsche unter den Verletzten ist.

Polizei gibt Namen von Attentäter bekannt

Bei dem Attentäter von London handelt es sich um einen 52-jährigen Mann namens Khalid Masood aus Mittelengland. Das teilte Scotland Yard am Donnerstag mit. Er sei der Polizei bereits aufgrund von Gewaltdelikten und unerlaubtem Waffenbesitz bekannt gewesen, hieß es in einer Mitteilung weiter. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten habe es nicht gegeben.

Attentäter in Großbritannien geboren

May sagte im Parlament, der Angreifer sei in Großbritannien geboren. Vor einigen Jahren sei er bei Ermittlungen des Inlandsgeheimdiensts MI5 zu "gewalttätigem Extremismus" im Visier gewesen. Am Mittwoch tötete er zwei Fußgänger und einen Polizisten, bevor er selbst erschossen wurde. "Wir haben keine Angst, und unsere Entschlossenheit wird angesichts des Terrorismus niemals wanken", sagte May nach einer Schweigeminute im Parlament.

IS bekennt sich zu Anschlag

Der IS übernahm laut seinem Sprachrohr Amaq die Verantwortung für die Tat: "Die Operation folgte dem Aufruf zu Angriffen auf die Länder der Koalition", schrieb Amaq unter Berufung auf eine "Sicherheits-Quelle". Mit dem Begriff "Koalition" bezog sich die Mitteilung auf das internationale Bündnis aus Staaten, die sich am Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak beteiligen.

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Wohnungen in Birmingham und London durchsucht

Scotland Yard hatte bereits kurz nach der Tat von einem "terroristischen" Angriff gesprochen und Ermittlungen zu einem möglichen islamistischen Hintergrund aufgenommen.

Polizisten stürmten nach dem Anschlag insgesamt sechs Wohnungen in Birmingham, London und anderen Orten in Großbritannien, wie der Terrorabwehr-Chef von Scotland Yard, Mark Rowley, sagte. Es habe acht Festnahmen gegeben; zunächst war von sieben Festgenommenen die Rede. Über den Angreifer sagte Rowley, dieser habe wohl auf eigene Rechnung gehandelt und sei "vom internationalen Terrorismus" angestiftet worden.

Birmingham Hochburg der Islamistenszene

Birmingham gilt als Hochburg der Islamistenszene in Großbritannien. Laut BBC wurde das bei dem Anschlag verwendete Fahrzeug, ein grauer SUV, in der mittelenglischen Stadt angemietet. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher von Brüssel und Paris, Mohamed Abrini, hatte in Bimingham gewohnt. Er sitzt in Belgien in Haft. Der Anschlag in London ereignete sich am Jahrestag der Brüsseler Anschläge vom 22. März 2016 mit 32 Toten.

Sadiq Khan zeigt sich kämpferisch

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan zeigte sich am Tag danach kämpferisch. "Wir dürfen uns nicht beugen; wir dürfen nicht zulassen, dass die Terroristen Erfolg haben und unseren Lebensstil zerstören oder Gemeinden spalten", sagte Khan am Donnerstag in einem Interview des Nachrichtensenders Sky News. Zugleich wies er darauf hin, dass die Bedrohungslage in London seit Jahren hoch sei. In den vergangenen Jahren hätten Sicherheitsbehörden mehr als ein Dutzend Anschlagspläne vereitelt. Das britische Parlament nahm am Donnerstag seine unterbrochene Sitzung wieder auf. Premierministerin Theresa May wollte sich vor den Abgeordneten zum Anschlag äußern.

Attentäter tötete drei Menschen

Die Polizei korrigierte die Zahl der Toten von fünf auf vier. Der vor dem Parlament erschossene Attentäter habe drei Menschen getötet, sagte Rowley. Es handle sich um eine etwa 40-jährige Frau, einen etwa 50-jährigen Mann sowie den vor dem Parlament von dem Angreifer mit einem Messer attackierten 48-jährigen Polizisten.

Die deutsche Bundesregierung ging nach Angaben des Auswärtigen Amtes davon aus, dass unter den Verletzten eine Deutsche ist. 29 Verletzte wurden nach Rowleys Angaben am Donnerstag noch im Krankenhaus behandelt. Sieben von ihnen seien in einem lebensbedrohlichen Zustand.

Schweigeminute im Parlament

Die Abgeordneten kehrten am Vormittag ins Parlament an der Westminster Bridge zurück. Zu Beginn ihrer Sitzung legten sie eine Schweigeminute ein. Einige hundert Meter weiter fand vor dem Gebäude von Scotland Yard eine Zeremonie statt, bei der unter anderem des getöteten Polizisten gedacht wurde.

In dem weiterhin abgesperrten Gebiet um Westminister Palace herrschte Ruhe. Nur die Geräusche der über dem Tatort kreisenden Hubschrauber waren zu hören. Die zum Parlament führende Brücke war nach wie vor nicht passierbar. Der Angreifer hatte dort Fußgänger überfahren, bevor er in rasender Fahrt die Absperrungen zum Parlament durchbrach. Dort stach er den Polizeibeamten nieder, bevor ihn die Polizei erschoss.

Queen trauert mit Angehörigen

Die britische Königin Elizabeth II. brachte den Opfern des Anschlags ihre Anteilnahme zum Ausdruck. "Meine Gedanken, Gebete und mein tiefes Mitgefühl sind bei denjenigen, die von der schrecklichen Gewalt gestern betroffen waren", erklärte die Queen.

Das passierte beim Anschlag in London

Der mutmaßliche Attentäter war nach seiner Bluttat am Mittwochnachmittag erschossen worden. Laut Polizei fuhr der Angreifer zuvor mit einem Auto mehrere Fußgänger auf der Westminster-Brücke an. Eine schwer verletzte Frau, die über das Brückengeländer stürzte oder sprang, wurde aus der Themse gerettet.

Von der Brücke raste der Attentäter zum Parlament, durchbrach dort mit seinem Wagen eine Absperrung und erstach dort mit einem Messer einen 48-jährigen Polizisten. Der Angreifer wurde von einem anderen Polizisten erschossen. Bei den weiteren Todesopfern handelte es sich laut Scotland Yard um Zivilisten.

Die Welt trauert mit London

Königin Elizabeth II. verschob einen für Donnerstag geplanten Besuch zur Eröffnung des neuen Londoner Polizeipräsidiums. Das teilte der Buckingham-Palast in London mit. Der Sitz der Londoner Polizei liegt an der Themse im Bezirk Westminister - also in der Nähe des Anschlagortes. Ein neuer Termin für den Besuch von Königin Elizabeth II. (90) steht noch nicht fest. Scotland Yard, offiziell Metropolitan Police Service, wurde im Jahr 1829 gegründet. Weltweiten Ruhm erlangten die Ermittler mit ihren neuen Methoden und spektakulären Fällen.

US-Präsident Donald Trump und May telefonierten miteinander, ebenso May und Frankreichs Staatschef Francois Hollande. Trump schrieb beim Kurzmitteilungsdienst Twitter, er habe May sein "Beileid" ausgesprochen. Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Anschlags in London schaltete Paris um Mitternacht die Beleuchtung des Eiffelturms aus. Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault wollte am Donnerstag die französischen Opfer des Anschlags in London besuchen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußerte seine Betroffenheit. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, sie denke "in Anteilnahme und Solidarität an unsere britischen Freunde und an alle Menschen in London". Der neue deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, in diesen Stunden seien "wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden".

Österreichs Politiker verurteilen Anschlag

Österreichs Politiker verurteilten den Anschlag in den Sozialen Medien. Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) und Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) äußerten ihr Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige.

Der Angriff ereignete sich, während in ganz Belgien der Opfer der Anschläge in Brüssel vor genau einem Jahr gedacht wurde. Die Tat weckte böse Erinnerungen an die Lastwagen-Anschläge vom 14. Juli 2016 in Nizza mit 84 Toten und vom 19. Dezember 2016 in Berlin mit zwölf Toten. In Großbritannien gilt weiterhin die zweithöchste Terrorwarnstufe 4.

(APA)

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(Quelle: S24)

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