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Pressestimmen zu Ausstieg der USA aus Iran-Atomdeal

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Der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran dominiert am Mittwoch die internationale Medienlandschaft. Hier könnt ihr euch einen Überblick über die Schlagzeilen verschaffen.

"Trumps Entscheidung ist weit gefährlicher als das lückenhafte Atomabkommen", kommentiert der ZDF-Redaktionsleiter des heute journal, Wulf Schmiese. Er stärke die fanatischen Mullahs, schlage seinen Verbündeten ins Gesicht:

Zum Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran schreiben die Zeitungen in Europa am Mittwoch:

"Tages-Anzeiger" (Zürich):

"Donald Trump hat es nun fertiggebracht, diese einzige Fessel zu lösen, die dem Iran nach zähen Verhandlungen angelegt werden konnte. Die Gefahr, dass der Iran die Bombe baut, nimmt wieder zu - und damit der Einfluss der potenziellen Atommacht.

Wer nun auf eine militärische Lösung verweist, sollte bedenken, dass ein israelischer Luftschlag auf die Nukleareinrichtungen das Atomprogramm um einige Monate zurückwerfen könnte, ein US-Angriff allenfalls zwei bis drei Jahre. Dagegen hat der Atomdeal die Entwicklung der Bombe um zwölf bis 14 Jahre verzögert."

"de Volkskrant" (Amsterdam):

"Optimisten können spekulieren, dass die Dummheit des Immobilienpräsidenten nur darauf zielt, mit Blick auf den Iran und die Europäer neue Verhandlungspositionen für den Abschluss besserer Abkommen zu schaffen. Pessimisten verspüren bei Trumps launenhafter Persönlichkeit eine besorgniserregende Konstante. Er macht, was er im Wahlkampf versprochen hat: Er glaubt unvermindert an 'America first' und zeigt wenig Respekt für multilaterale Abkommen und Zusammenarbeit. Zwei Prinzipien, die denen Europas zuwiderlaufen. Das muss sich nun auch fragen, welche strukturelle Antwort es darauf geben muss."

"Le Figaro" (Paris):

"Trump hofft wahrscheinlich, Teheran zum Einknicken zu bringen wie Pjöngjang. Aber der Iran ist kein Einsiedler-Land ohne Ressourcen. Die Mullahs sehen, wie Kim Jong-un es geschafft hat, sich Respekt zu verschaffen, indem er in den Atom-"Club" aufgestiegen ist. Sie sehen auch, dass Trump sich gerade in der CIA und im Außenministerium mit Falken umgeben hat, die Anhänger des "Regime-Wechsels" sind... Falls dieses Atom-Abkommen endgültig untergeht, wird die Zukunft von zwei Bedrohungen belastet. Kurzfristig eine Konfrontation zwischen Israel und dem Iran. Längerfristig ein allgemeiner Neustart des Rennens nach der Atomwaffe. Im Mittleren Orient hat Saudi-Arabien bereits wissen lassen, dass es einem neuen iranischen Anlauf nicht mit gesenkten Armen zuschauen wird."

"La Montagne" (Clermont-Ferrand):

"Wir wissen nun, dass es sich bei (US-Präsident Donald) Trump nicht auszahlt, ihm den Hof zu machen. (Frankreichs Präsident) Emmanuel Macron wird sich daran erinnern; er wird von seinem amerikanischen Freund, bei dem er ein sehr inständiges Lobbying betrieben hatte, scharf desavouiert. Nach der unanständigen Bemerkung (des US-Präsidenten) über die Bataclan-Anschläge hat Trump diesem 'großartigen Macron!' den Stinkefinger gezeigt... Mehr denn je ist allein Europa in der Lage, die Herausforderung anzunehmen, um dem Iran eine Spirale der Misere und der Gewalt zu ersparen und dabei solidarisch mit China und Russland zu bleiben. Falls Europa dies nicht tut, können sich angesichts der Isolation Trumps alle Büchsen der Pandora im Mittleren Osten öffnen."

"De Tijd" (Brüssel):

"Europa, Russland und China können versuchen, das Abkommen mit dem Iran trotzdem aufrechtzuerhalten, um dessen nukleare Ambitionen zu zähmen. Die Frage ist, ob das gelingt, wenn normale Handelsbeziehungen nicht mehr möglich sind und das Land erneut wirtschaftlich isoliert wird. Dann hätte Teheran auch keinen Anreiz mehr, sich an das Abkommen zu halten. Geopolitisch sind damit bedeutende Veränderungen verbunden. Die Spannungen zwischen dem schiitischen Block rings um den Iran und dem sunnitischen Lager unter Führung von Saudi-Arabien werden zunehmen. Besonders, da sich nun Israel und Saudi-Arabien, objektiv betrachtet, in einer Allianz zusammengefunden haben. Das verstärkt die Möglichkeit einer weiteren militärischen Eskalation in der Region. Die Politik Trumps beruht weiter auf Impulsivität und Chaos. Die USA sind nicht länger eine stabilisierende Macht. Im Gegenteil. Trump hat die Büchse der Pandora geöffnet. Die Folgen sind nicht absehbar."

US-Pressestimmen zu Ausstieg der USA aus Iran-Atomdeal

Trumps Ausstieg ohne klare Strategie für einen Ersatz sei "waghalsig und höchstwahrscheinlich kontraproduktiv", schrieb die "Washington Post" in einem Leitartikel. "Eine erste Konsequenz von Trumps Entscheidung könnte ein Konflikt mit den Europäern sein...Nachdem sie versucht haben, Trumps Einwänden gegen das Abkommen entgegenzukommen, ohne es zu brechen und damit gescheitert sind, sind sie wahrscheinlich unwillig, mit den USA bei einem weiteren Versuch zusammenzuarbeiten, die iranische Wirtschaft zu brechen."

Trump habe das Risiko für einen Konflikt erhöht, schrieb die "Post": "Saudi-Arabien und Israel hoffen vermutlich, dass Trumps Entscheidung die USA durch eine Konfrontation mit ihrem Feind Iran wieder in den Nahen Osten zurück bringt. Der Präsident hat oft gesagt, dass er keine weiteren Kriege im Nahen Osten wünscht; seine Entscheidung hat einen Krieg wahrscheinlicher gemacht."

Die "New York Times" schrieb, Trump habe bisher nur gezeigt, dass er Abkommen zerstören könne. Ihm "fehlt völlig das tief gehende politische Konzept oder die strategische Weitsicht und Geduld um neue zu schaffen."

Israelische Pressestimmen zu Ausstieg der USA aus Iran-Atomdeal

Auch die israelische Regierung unter Premier Benjamin Netanyahu hatte den Atom-Deal mit dem Regierung negativ betrachtet. Die regierungsnahe Zeitung "Israel HaYom" (Tel Aviv) bewertete den Ausstieg von US-Präsident Donald Trump aus dem Atomabkommen mit dem Iran am Mittwoch dementsprechend positiv.

"Amerika ist zu alter Größe zurückkehrt", lautete die Schlagzeile über einem Meinungsartikel. "Trumps dramatische Erklärung könnte die Kluft zwischen ihm und Amerikas traditionellen Verbündeten in Europa noch vertiefen", schrieb der Amerika-Experte Professor Avi Ben-Zvi. "Für den Verbündeten Israel zeigen seine eindeutigen Erklärungen aber nicht nur seine klare Unterstützung für Jerusalem angesichts der schweren und unmittelbaren Bedrohung von dessen Sicherheit durch Teheran, sondern sogar seine Verpflichtung, harte Strafmaßnahmen gegen das Regime in Teheran zu verhängen und seiner zerrütteten Wirtschaft und seiner militärischen Macht einen Todesstoß zu versetzen, damit es den Weg des Terrors aufgibt, der vor allem gegen Israel gerichtet ist."

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 24.08.2019 um 11:57 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/pressestimmen-zu-ausstieg-der-usa-aus-iran-atomdeal-58304500

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