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Promis und Fans solidarisieren sich nach Erdogan-Satire im Netz mit Böhmermann

Die Debatte um Jan Böhmermann und seine Erdogan-Satire ist derzeit in aller Munde. APA/dpa-Zentralbild/Britta Pedersen
Die Debatte um Jan Böhmermann und seine Erdogan-Satire ist derzeit in aller Munde.

Zahlreiche Schauspieler und Künstler haben sich in einem offenen Brief in der Wochenzeitung "Die Zeit" mit Jan Böhmermann solidarisiert. Promis wie Klaas Heufer-Umlauf fordern darin ein Ende der Ermittlungen gegen den Satiriker. Unterdessen ist die Debatte in den sozialen Netzwerken in vollem Gange: Kai Diekmann sorgte mit einem erfundenen Böhmermann-Interview auf Twitter für Verwirrung, während mehr als 175.000 Menschen die Online-Petition "Freiheit für Böhmermann!" unterzeichnet haben.

"Diskussionen über und Kritik an Jan Böhmermanns Erdogan-Gedicht gehören in die Feuilletons des Landes und nicht in einen Mainzer Gerichtssaal", heißt es in dem Brief, der in der "Zeit" veröffentlicht wurde. Zu den Unterzeichnern zählen nach Angaben der Wochenzeitung unter anderem die Schauspieler Matthias Brandt, Jan Josef Liefers, Peter Lohmeyer und Katja Riemann, der Pianist Igor Levit, die Schriftstellerin Thea Dorn sowie der Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf. Sie fordern, dass die Ermittlungen gegen den Satiriker durch die Staatsanwaltschaft in Mainz eingestellt werden.

Satire soll öffentliche Diskurse entfachen

"Kunst kann nicht in einem Klima stattfinden, in dem sich Künstlerinnen und Künstler Gedanken darüber machen müssen, ob ihr Schaffen zur Strafanzeige führt, in dem sie beginnen, sich selber zu zensieren, oder zensiert zu werden", heißt es in dem offenen Schreiben. Es sei die Aufgabe von Kunst und Satire, öffentliche Diskurse zu entfachen. In den Medien und sozialen Netzwerken ist die Debatte unterdessen in vollem Gange, auch die "New York Times" berichtete über den Fall Böhmermann.

 So reagiert das Social Web

Auch in den sozialen Netzwerken läuft derzeit eine hitzige Debatte über Böhmermanns Erdogan-Gedicht und dessen mögliche Konsequenzen. Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis  Varoufakis twitterte: "Hände weg von Jan Böhmermann!", auch viele deutsche Stars äußerten sich solidarisch. Dennoch polarisieren die Meinungen:

Diekmann twittert angebliches Böhmermann-Interview

Kai Diekmann, Herausgeber der "Bild"-Zeitung, hat am Mittwoch zudem mit einem erfundenen Böhmermann-Interview Verwirrung gestiftet.

"Ich sag' es mal in den Worten des falschen Böhmermann: 'Das ganze Leben ist Satire. Man muss sie nur erkennen.' #Boehmermann #Interview", schrieb Diekmann dazu auf Twitter. 

Erdogan zeigt Böhmermann persönlich an

Böhmermann hatte den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor knapp zwei Wochen in einem im Fernsehen verlesenen Gedicht mit scharfen Worten angegriffen. Die Bundesregierung prüft derzeit ein Ersuchen der türkischen Regierung, den Moderator wegen Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Erdogan stellte zudem persönlich Anzeige gegen Böhmermann wegen Beleidigung.

"Freiheit für Böhmermann!": Online-Petition an Bundestag

Unterdessen haben inzwischen fast 175.000 Menschen die Petition "Freiheit für Böhmermann!" unterzeichnet, mit der sich die Online-Aktivistin Christine Doering an den Bundestag wendet. Sie halte die strafrechtliche Verfolgung Böhmermanns für unangebracht, so Doering. Die Initiierung der Petition begründet sie mit folgenden Worten: "Auch wenn das Gedicht inhaltlich wirklich übel sein mag, aber im Kontext gesehen eine wichtige Aussage über Satire gemacht hat. Die verletzten Gefühle eines Herrn Erdogan dürfen keinen Einfluss auf die Pressefreiheit in Deutschland haben. Er hat bereits versucht Einfluss auf die Pressefreiheit bei Extra 3 zu nehmen, bei Böhmermann könnte es ihm nun gelingen. Deswegen fordere ich Freiheit für Böhmermann und eine deutliche Ansage an Erdogan darüber, dass hier Pressefreiheit herrscht, auch wenn man nicht immer mit den Inhalten der Medien übereinstimmt!"  

(APA/SALZBURG24)

Aufgerufen am 12.12.2018 um 01:00 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/promis-und-fans-solidarisieren-sich-nach-erdogan-satire-im-netz-mit-boehmermann-51521521

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