Jetzt Live
Startseite Welt
Welt

Prozess gegen 15-Jährigen wegen Mordes an Vater vertagt

Der Angeklagte kann sich an fast nichts erinnern APA, (Archiv/Pfarrhofer)
Der Angeklagte kann sich an fast nichts erinnern

Wegen Mordes an seinem 51-jährigen Vater und Mordversuchs an seiner Mutter musste sich am Mittwoch ein 15-Jähriger vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten. Er soll Ende September 2017 seinen schlafenden Vater mit einem Messer getötet und seine Mutter schwer verletzt haben. Vor Gericht konnte sich der Jugendliche die Tat nicht erklären. Der Prozess wurde am Nachmittag auf 30. Oktober vertagt.

Der damals 14-Jährige soll in der Tatnacht in seinem Elternhaus in Götzis (Bezirk Feldkirch) gegen 0.00 Uhr auf seinen im Wohnzimmer schlafenden Vater losgegangen sein und ihm mit einem 20 Zentimeter langen Messer drei wuchtige Stiche in den Bauch versetzt haben. Die Verletzungen waren so schwer, dass der 51-Jährige wenig später im Landeskrankenhaus Feldkirch am damit verbundenen Blutverlust verstarb. Wegen des Tumults wurde die damals 52-jährige Mutter im Schlafzimmer wach und eilte ins Wohnzimmer. Als sie versuchte, den Sohn vom Vater wegzuziehen, attackierte der 14-Jährige auch sie und verletzte die Frau mit drei Messerstichen in den Rücken schwer. Anschließend schnitt sich der Bub mit der Tatwaffe selbst zweimal in den Hals. Seine Verletzungen waren allerdings nicht schwer. Der Messerattacke war laut Polizei kein Streit vorausgegangen.

Vor Gericht konnte sich der Jugendliche den Hergang in der Tatnacht nicht erklären. Er könne sich an kaum etwas erinnern, sagte er. Die Tatwaffe bezeichnete er als "furchterregend". Vor allem die Attacke auf die Mutter stelle ihn vor ein Rätsel. Mit einem Messer vor dem schlafenden Vater gestanden zu sein, daran könne er sich zumindest erinnern, gab der Bub unter Tränen zu.

Von der Verteidigung und auch von seiner Mutter, die als Zeugin aussagte, wurde der 15-Jährige als nach außen hin völlig unauffällig beschrieben. Der Jugendliche sei ein "ganz normaler" HAK-Schüler gewesen, mit ihm habe es nur die für das Alter üblichen Diskussionen über Ausgehzeiten, Kleidung und andere Kleinigkeiten gegeben. "Ich habe keine Sekunde geglaubt, dass das mein Kind war", sagte die Mutter über die Geschehnisse in der Tatnacht. Sie habe zunächst gar nicht realisiert, dass auch sie durch das Messer verletzt worden war.

Wie im Prozess ebenfalls zur Sprache kam, soll der Jugendliche seinen Ärzten im auf Psychiatrie spezialisierten Landeskrankenhaus Rankweil, in das er nach der Tat eingeliefert worden war, von Tötungsfantasien berichtet haben. Bereits zwei Jahre vor der Tat hätten ihn Ideen verfolgt, mehrere Menschen zu töten. Gegenüber Serienmördern hegte er eine gewisse Bewunderung und träumte davon, Menschen tot zu prügeln oder ihnen die Kehlen aufzuschlitzen. Konkrete Personen habe er sich jedoch nicht vorgestellt, auch erzählt habe er niemanden davon. Zudem habe der Jugendliche unter gewissen Zwängen gelitten. Gegenüber einem Psychiater gab er an, er habe Unordnung sofort in Ordnung bringen müssen. Sei ihm das nicht gelungen, habe er unter Kopfschmerzen und Unruhe gelitten.

Laut Staatsanwaltschaft beschreiben die beiden eingeholten psychiatrischen Gutachten den 15-Jährigen in der Tatnacht dennoch als zurechnungsfähig, wenn auch eingeschränkt. Sie bescheinigten dem Buben eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung, eine geistig-seelische Abnormität habe aber nicht festgestellt werden können. Die Anklage sah deshalb keinen Grund für die Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher.

Verteidigerin Astrid Nagel hingegen glaubte fest an die Unzurechnungsfähigkeit ihres Mandanten. Der Mutter des Jugendlichen sei bereits vor der Tat der leere Blick ihres Sohnes aufgefallen. Diesen habe er auch in der Tatnacht gehabt, berichtete die Verteidigerin. Auf die Frage der Mutter, was denn hier passiert sei, habe der Jugendliche gemurmelt: "Er hat es mir befohlen." Schon am Vortag habe der 15-Jährige wie weggetreten gewirkt, er sei gestolpert und habe einen Moment später gefragt: "Was war jetzt?"

Von den beiden psychiatrischen Gutachten konnte am Mittwoch allerdings nur die Expertise von Reinhard Haller - unter Ausschluss der Öffentlichkeit - erörtert werden. Der zweiten Gutachterin war ein Erscheinen vor Gericht nicht möglich gewesen. Deshalb wurde die Verhandlung auf 30. Oktober vertagt.

(APA)

Aufgerufen am 10.12.2018 um 10:32 auf https://www.salzburg24.at/news/welt/prozess-gegen-15-jaehrigen-wegen-mordes-an-vater-vertagt-60232849

Kommentare

Mehr zum Thema